Coronavirus

Virologe: ''Hoffnung, Virus auszurotten, haben wir jetzt verloren''

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Der Experte betont, dass man den Umgang mit dem Coronavirus ändern müsse. "Wir können es nicht ausrotten, wir können nur lernen, bestmöglich damit umzugehen", so Vander.

Mehr als 15.000 aktive Corona-Fälle wurden am Dienstag in Österreich gemeldet. Allein in 24 Stunden gab es wieder 1.524 neue Fälle. Auch die Zahl der Hospitalisierung stieg weiter an. Im Vergelich zum Montag kamen hier allein 90 neue Patienten hinzu. Insgesamt 889 Corona-Kranke müssen im Spital behandelt werden. Stabil blieb hingegen die Zahl der Intensivpatienten. Derzeit sind es österreichweit 145.

Die steigenden Zahlen bereiten nicht nur der Politik Kopfzerbrechen. Auch Virologen schlagn nun Alarm. Die neuen Maßnahmen der Regierung seien allerdings ein erster Schritt, um "einem weiteren Anstieg der Zahlen entgegenzuwirken", sagt Klaus Vander, Leiter des Grazer Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie in einem ORF-Interview.

Allerdings sei die Frage, ob diese Maßnahmen für die Gesellschaft und die Wirtschaft auch in Zukunft tragbar seien. Daher fordert er einen differenzierten Umgang mit dem Coronavirus. Vor allem die Teststrategie müsse überdenkt werden. Man müsse den Fokus vielmehr auf Risikogruppen als auf Symptome legen. Im Großen und Ganzen müsse man Covid-19 auch ganz anders beurteilen und die Maßnahmen entsprechend anpassen. "Man muss ja berücksichtigen, dass diese Maßnahmen eigentlich am Anfang der Pandemie definiert waren, wo man noch die Hoffnung hatte, dieses Virus ausrotten zu können – diese Hoffnung haben wir jetzt eigentlich verloren. Wir können es nicht ausrotten, wir können nur lernen, bestmöglich damit umzugehen", so Vander.

Überdenken müsse man auch das Contact Tracing. Es sind mittlerweile einfach zu viel Fälle, als das man die Infektionskette nachvollziehen könne. Slowenien hat dies bereits aufgegeben und umgestellt. Vander sieht auch in Österreich keine Zukunft für das System. "Das Virus ist in der Zwischenzeit in der Bevölkerung angekommen, wir haben keine Chance mehr, die Transmissionswege zu unterbinden. Eigentlich ist das Contact-Tracing und damit auch das Containment hier an seine Grenzen gelangt", so der Experte.

Das Gesundheitssystem sieht er aber noch nicht in Gefahr, allerdings kann sich das schnell ändern. "Ich glaube, dass wir jetzt noch gut aufgestellt sind, aber es liegt an uns allen, einen weisen Umgang hiermit zu pflegen, und somit zu schauen, dass die Gesundheitssysteme nicht an ihre Grenzen kommen“, sagt Vander.

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