Wann wir mit einem Corona-Impfstoff rechnen können

Das sind die Prognosen

Wann wir mit einem Corona-Impfstoff rechnen können

Noch in diesem Jahr oder erst Mitte 2021? Das sind die Prognosen der Experten. 

Um die 180 Impfstoffkandidaten bringt man weltweit gegen das neue Coronavirus in Stellung, einige davon werden auch bereits in groß angelegten Phase-III-Studien erprobt. Doch wann kann man mit einer Impfung rechnen? Die Prognosen der Experten gehen dabei durchaus auseinander.
 

Impfung schon im Dezember?

Zulassungen erster Vakzine gegen das SARS-CoV-2-Virus in Europa könnten laut Markus Zeitlinger, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, durchaus noch im Dezember oder Jänner kommen. Wenn dem tatsächlich so ist und auch hierzulande genügend Impfdosen bereit stünden, gehe es vor allem um das Erreichen einer hohen Durchimpfungsrate. Hier sollte man sich auch darum bemühen, die in den vergangenen Monaten gestiegene Anzahl an Skeptikern zu überzeugen, denn "es geht um viel", so der Internist.
 
Etwas vorsichtiger ist man in Deutschland: Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet "Anfang nächsten Jahres" mit einem Impfstoff gegen Covid-19 für die deutsche Bevölkerung. Es sei aber auch möglich, dass die Zulassung erst nach März erfolge, sagte der CDU-Politiker dem "Spiegel" laut Vorabbericht vom Freitag. Ähnlich hatte sich am Donnerstag der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, geäußert.
 
Spahn dämpfte zugleich die Erwartung an die Wirksamkeit von Impfstoffen. "Natürlich wäre es das Beste, ein Impfstoff würde Neuinfektionen verhindern. Aber es wäre auch schon ein Gewinn, wenn er den Krankheitsverlauf milder macht", sagte Spahn, der selbst mit dem Virus infiziert ist. Nach der Zulassung eines Impfstoffes könne es dann sechs, sieben Monate dauern, bis die Bevölkerung geimpft sei - wobei Spahn die Freiwilligkeit der Impfung betonte. Das Magazin wies darauf hin, dass das Interview vor der festgestellten Corona-Infektion des Gesundheitsministers geführt worden sei.

EU und WHO sind skeptischer

Auch die EU-Kommission geht davon aus, dass es noch Monate bis zu einem Impfstoff dauern wird. Für die Corona-Krise ist nach Einschätzung der EU-Kommission keine schnelle Lösung durch Impfungen in Sicht. "Es wird noch Monate dauern, bis ein Impfstoff gefunden und verteilt ist", sagte Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic am Mittwoch im Europaparlament in Brüssel. Niemand wisse heute, wann die Pandemie endlich vorüber sein werde.
 
Noch vorsichtiger ist die WHO. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit einem Start der Impfungen gegen das Coronavirus zur Jahresmitte 2021. Anfang nächsten Jahres sollten die Daten aus den abschließenden Phase-3-Studien vorliegen, sagte eine WHO-Expertin am Montag in Genf. Danach könnten die Entscheidungen zum Impfstart fallen. Die beteiligten Firmen produzierten vorsorglich bereits Millionen von Dosen. Risikogruppen könnten als erste mit einer Impfung rechnen.
 
Die bisherigen Studienergebnisse seien durchaus ermutigend, was ihre Wirksamkeit speziell bei älteren Menschen angehe, hieß es weiter. Die WHO startet nach Angaben von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus eine neue, diesmal durchaus fröhlich-musikalische Kampagne gegen die Pandemie. Dabei werde der Ohrwurm "We Are Family" der US-Gesangsgruppe Sister Sledge im Mittelpunkt stehen. Sie sei darüber sehr bewegt, sagte Kim Sledge. Der Song solle die Menschen in aller Welt zur Solidarität ermuntern. Als Mediziner und Ärztin seien ihr Mann und ihre Tochter an vorderster Front tätig, um die Pandemie zu bekämpfen. Die #WeAreFamily-Video-Kampagne der WHO soll Menschen dazu bewegen, zum Beispiel zusammen mit ihrer Familie das Lied zu singen, aufzunehmen und in den sozialen Medien zu teilen. Der Song von 1979 gilt als der erfolgreichste der Soul- und Funkgruppe.
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