Heer rüstet sich gegen Cyberangriffe

Immer mehr Attacken

Heer rüstet sich gegen Cyberangriffe

Cyberkrise in 36 Szenarien wird zum Verteidigungsfall hocheskaliert.

Das Bundesheer bereitet sich auf Cyberattacken vor: Bis zum heutigen Donnerstag wird in der Wiener Stiftskaserne das Eskalieren einer Cyberkrise in einem Planspiel durchsimuliert. In der ressortübergreifenden Übung ASDEM18, an der unter anderem fünf Ministerien beteiligt sind, geht es vor allem um die Verteilung der Kompetenzen im Fall des Falles. Diese "wandern" im Verlauf zu den Agenden des Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV).
 

36 Szenarien

Insgesamt 36 Szenarien werden bei diesem "Krisenmanagement im Cyberraum" durchgespielt und mit 191 Teilnehmern aus 22 Nationen ist die Beteiligung daran hoch. Auch die Übungsleitung ist durchwegs international besetzt, mit Experten der Europäische Verteidigungsagentur (EDA) und der Estonian Defence League (EDL). Ort des Geschehens ist dabei das in der Kaserne in Wien-Neubau angesiedelte Kommando Führungsunterstützung & Cyber Defence (KdoFüU&CD), die zentrale Dienstleistungsorganisation des Bundesheeres.
 
Dessen Leiter, Lambert Scharwitzl, berichtete den anwesenden Medienvertretern vor dem Festsaal "Sala Terrena", in dem die rund 50 Beobachter des Planspiels verharrten, dass sich die realen Cyberangriffe auf die Landesverteidigungen in den vergangenen Jahren geändert haben. "Sie gingen weg von allgemeinen Angriffen auf die Organisation und wurden zu gezielten Attacken auf Personen", sagte der Experte. Und sie zielen inzwischen auch auf deren privaten Bereich, nannte er eine weitere bedenkliche Entwicklung.
 
 

Drei bis fünf gezielte Angriffe pro Woche

Pro Woche würde man drei bis fünf gezielte Angriffe ausmachen, die aus dem "konstanten Grundrauschen" aus dem Cyberspace ausgemacht werden, so Scharwitzl weiter. Der Umstand, dass nun auch Einzelpersonen zur Zielscheibe wurden, gilt im Unternehmensbereich natürlich analog und der bewusste Umgang mit seinen persönlichen Daten im Netz sei neben teurer, und im besten Fall unsichtbarer Security-Software der einzige Schutz.
 
Um sich auf nationaler Ebene vor Bedrohungen aus dem Cyberraum zu wappnen, wurde 2017 das Netzinformationsgesetz (NIS) erlassen, und das Planspiel kann auch als Praxischeck für dieses angesehen werden, regelt es doch die Abläufe und Kompetenzen in der Cyberkrise und dem Cyberverteidigungsfall. In die ASDEM18-Übung hat man dazu ein besonderes, "hybrides" Szenario implementiert, bei dem Cyberangriffe nur einen Teil der Problematik darstellen.
 

Ziel des Planspiels

In der Übung werden auch Fake News, Demonstrationen bis hin zu Anschlägen auf Botschaften als eskalierende Bausteine eingesetzt. Das Ziel hinter dem Ganzen ist es, eine Eskalationsstufe zu erreichen, bei der dann aus einer Cyberkrise unter der Leitung des Bundesministerium für Inneres und dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ein Fall der "Cyberverteidigung" wird, bei dem dann das Bundesministerium für Landesverteidigung die Leitung innehat. Dabei soll es nicht um Machtkämpfe gehen, denn die verstärkte Zusammenarbeit über die Ressortgrenzen hinweg sei aber trotzdem das Ziel, sagte der neue BMLV-Generalsekretär Wolfgang Baumann zu seinem Gegenüber in Innenministerium, Peter Goldgruber, bei der Präsentation des Planspiels.

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