Künstliche Intelligenz: EU will aufholen

Gegenüber Asien und USA

Künstliche Intelligenz: EU will aufholen

US-Internet-Riesen sollen Datenbanken für europäische Unternehmen öffnen.

Die Europäische Union soll im globalen Wettbewerb den  derzeitigen Rückstand bei Künstlicher Intelligenz  (KI) und Robotertechnik gegenüber Asien und den USA aufholen. Dies ist das erklärte Ziel der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft, die bei einem Wettbewerbsfähigkeitsrat in Brüssel eine Debatte der EU-Staaten über die neue europäische Industriepolitik angesetzt hat.

Dabei drängt die Zeit. "Der Industriesektor wird in den kommenden fünf Jahren einen größeren Umbruch erleben, als in den vergangenen 20 Jahren", sagte die amtierende EU-Ratsvorsitzende Margarete Schramböck (ÖVP). Sie beruft sich dabei unter anderem auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey und auf Schätzungen der EU-Kommission. Die EU-Behörde hatte im April einen ersten Plan für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence/AI) vorgelegt. Die Kommission will bis 2020 20 Mrd. Euro aus öffentlichen und privaten Quellen in diesen Bereich investieren. 1,5 Mrd. Euro kommen aus dem EU-Forschungsprogramm "Horizon 2020".

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Die Treiber der Technik

Der Fortschritt bei Digitalisierung und AI werde vor allem durch den massiven Ausbau der Datengenerierung, der Rechenleistung und der Konnektivität vorangetrieben, heißt es in einem Papier des EU-Vorsitzes für die Debatte. Demnach steigt die Zahl der verbundenen Endgeräte exponentiell an - von einem geschätzten Wert von 18 Mrd. US-Dollar (15,28 Mrd. Euro) 2016 auf 75 Mrd. US-Dollar (63,68 Mrd. Euro) 2025. Bis 2025 könnten Automatisierung, Robotertechnik und selbstfahrende Fahrzeuge einen ökonomischen Einfluss zwischen 6,5 Billionen und 12 Billionen Euro jährlich auslösen, heißt es in dem Papier.

Europa verfüge zwar über gute Grundlagen, liege aber hinter anderen Regionen in der Welt zurück. "Europa ist bei privaten Investitionen in AI hinten, mit gesamt ungefähr 2,4 Mrd. bis 3,2 Mrd. Euro 2016, im Vergleich zu 6,5 Mrd. bis 9,7 Mrd. Euro in Asien und 12,1 Mrd. bis 18,6 Mrd. Euro in Nordamerika", heißt es in dem Papier der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft.

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Probleme der Betriebe

Europäische Betriebe hätten insbesondere Schwierigkeiten, ihr Wissen in vermarktbare Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Deshalb ist ein Ziel des EU-Vorsitzes, die Innovationsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken und die Kluft bei den Forschungsausgaben zu verringen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen derzeit in der EU durchschnittlich bei 2,03 Prozent des BIP. Um das für 2020 anvisierte Drei-Prozent-Ziel zu erreichen, wären zusätzliche 150 Mrd. Euro jährlich erforderlich. In diesem Zusammenhang betont der EU-Vorsitz die wichtige Rolle des nächsten EU-Finanzrahmens für das EU-Forschungsprogramm "Horizon Europe" und andere Programme zur Förderung der Digitalisierung. Auch Public Private Partnerships (PPP) sollen stärker unterstützt werden.

Zum Ausbau der Künstlichen Intelligenz schlägt die österreichische Ratspräsidentschaft eine ganze Reihe von Maßnahmen vor: So sollen die große US-Internetkonzerne mit Marktanteilen über 30 Prozent ihre Datenbanken for "anonymes Maschinenlernen" für europäische Unternehmen öffnen. Die Schaffung eines "gemeinsamen europäischen Datenraums und einer Datenpolitik" wird angeregt. Der öffentliche Sektor soll sich mehr mit Digitalisierung und AI befassen. Um den Technologietransfer zu beschleunigen werden "Digitale Innovationszentren/Digital Innovation Hubs" vorgeschlagen.

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Vermittlung digitaler Fähigkeiten

Ein dritter Schwerpunkt ist die Förderung digitaler Fähigkeiten im Berufsleben. Die Industrie brauche mehr Techniker und Innovatoren vor allem in den Bereichen Robotics, Cybersicherheit, Software- und Hardware-Integration und Big Data. Als besonderes Problem wird die schwache Vertretung von Frauen in digitalen Berufen hervorgehoben. Heute seien nur 17 Prozent der acht Millionen Digital-Technologie-Experten in der EU Frauen - und dies bei einem generellen Fachkräftemangel, heißt es in dem Papier. 40 Prozent der Unternehmen berichten von Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden.

Der Vorstoß des österreichischen EU-Vorsitzes schließt an eine erste Diskussion der Wirtschaftsminister im Juli an. Für die aktuelle EU-Kommission, die nur noch bis nächstes Jahr im Amt ist, kommt die Strategiedebatte zu spät. Die Anregungen sind daher bereits als Empfehlung für die nächste EU-Kommission gedacht.

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