HIV-Diagnose trotz Aufklärungsarbeit oft zu spät

Rund 400 HIV-Neuinfektionen österreichweit im Jahr 2018

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Problemregionen in Osteuropa und Zentralasien.

HIV-Infektionen werden in vielen Fällen zu spät erkannt. Um die seit Jahren rückläufige Epidemie vollständig einzudämmen, ist eine frühe Diagnose aber entscheidend. Schließlich ist die Viruslast und damit das Ansteckungsrisiko für andere unmittelbar nach der Infektion am höchsten, berichtete die Österreichische Aids-Gesellschaft (ÖAG) bei einem Pressegespräch am Freitag. Europaweit ist fast jede zweite Human Immunodeficiency Virus-Diagnose (HIV) eine Spätdiagnose - wird also erst drei bis fünf Jahre nach der Ansteckung diagnostiziert. In Österreich fielen seit dem Jahr 2001 vier von zehn Diagnosen in diese Kategorie der "Late Presenter", berichtete die ÖAG anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Das ist neben gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen insofern problematisch, als bis zu 50 Prozent der Neuinfektionen von Personen mit einer akuten HIV-Infektion ausgehen. Die Viruslast könnte jedoch durch eine sogenannte antiretrovirale Therapie (ART) rasch abgesenkt und somit die Krankheitsausbreitung eingedämmt werden.

Im Jahr 2017 lebten 8.225 Personen mit HIV in Österreich. 80 Prozent werden mit einer ART behandelt. Rund 400 HIV-Neuinfektionen wurden 2018 diagnostiziert und damit um 22 Prozent weniger als im Jahr davor. Bei jungen Erwachsenen und Männern, die mit anderen Männern Sex haben (MSM), ist die Rate an Spätdiagnosen mit 33 Prozent relativ niedrig. Hier dürfte es laut Bernhard Haas, Generalsekretär der Österreichischen Aids-Gesellschaft, gelungen sein, die Testbereitschaft und das Bewusstsein für das eigene HIV-Infektionsrisiko zu erhöhen. "Heterosexuelle Männer in ländlichen Bereichen haben dagegen ein erhöhtes Risiko extrem spät diagnostiziert zu werden", erklärte Haas.

Erste Symptome

Es herrsche Aufklärungsbedarf bei Betroffenen aber auch Ärzten, um häufigere HIV-Testungen zu erzielen. Zwei bis vier Wochen nach einer Ansteckung mit HIV komme es zu Symptomen wie Fieber, Hautausschlägen, Halsentzündungen und Lymphknotenschwellungen. "Das ist nicht sehr spezifisch. Derartige Symptome könnten auch bei vielen anderen Viruserkrankungen auftreten", erklärte der Generalsekretär.

Eine vertrauensvolle und tabufreie Arzt-Patienten-Beziehung ist essenziell für die Früherkennung. Schließlich sind 54 bis 59 Prozent der HIV-Infektionen in Österreich auf sexuelle Handlungen zwischen Männern zurückzuführen. Weitere sechs Prozent resultieren aus intravenösem Drogenkonsum. 27 bis 30 Prozent infizieren sich bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr. "Auch im Jahr 2019 ist Diskriminierung noch ein großes Hemmnis für die HIV-Testung", meinte Haas.

Die Lebensqualität und -erwartung von HIV-Infizierten ist bei einer Früherkennung heutzutage vergleichbar mit Personen ohne HIV. "Früher bedeutete eine Ansteckung unweigerlich den Tod. Heute ist es eine chronische Erkrankung, die gut behandelbar ist", sagte Alexander Zoufaly, Präsident der ÖAG. Moderne antiretrovirale Therapien reduzieren die Viruslast bis unter die Nachweisgrenze. Damit wird nicht nur der Ausbruch von Aids auf Dauer verhindert, sondern auch die Übertragung von HIV auf sexuellem Weg ausgeschlossen.

Aufholbedarf bei PrEP-Versorgung

Auch eine lückenlose Verfügbarkeit von und Versorgung mit Prä- und Postexpositionsprophylaxe (PrEP und PEP) sei notwendig, um die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. PreP bezeichnet die Einnahme von antiretroviralen Medikamenten, um sich bei sexuellen Risikokontakten vor einer HIV-Infektion zu schützen. Die PrEP wird jedoch derzeit nicht von den Krankenkassen erstattet. Ein Umstand, der sich laut Zoufaly rasch ändern müsste. In Deutschland ist PrEP seit 1. September eine Kassenleistung. Derzeit würden 1.000 bis 1.500 Personen in Österreich sich der PrEP bedienen. "Zehn Mal mehr würden es aber brauchen", sagte der ÖAG-Präsident.

Zoufaly forderte zudem, dass die PEP - eine ART, die "sehr, sehr rasch nach riskantem Geschlechtsverkehr zum Einsatz kommen sollte" - rund um die Uhr verfügbar sein muss. Das sei derzeit aber nicht der Fall, da die Medikamente chefärztlich bewilligt werden müssen und es gerade an Wochenenden, wann es am häufigsten zu Ansteckungen kommen dürfte, oft zu Verzögerungen komme.

"Wir haben alle Instrumente, um HIV zu verhindern, scheitern jedoch im Wesentlichen am Gesundheits- oder am politischen System", sagte Jürgen Rockstroh, Präsident der European Aids Clinical Society (EACS). So sei es erklärbar, dass während die Zahl der HIV-Infektionen weltweit rückläufig ist (um 47 Prozent zwischen 1996 und 2017), die Anzahl an Neuinfektionen mit HIV in Osteuropa und Zentralasien zunehme. "Betroffene landen dort oft nicht in medizinischer Versorgung. Drogengebrauch und Homosexualität sind in Ländern wie Russland oder der Ukraine stigmatisiert", erklärte Rockstroh.

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