Villazon: "Wolfgang, danke für alles"

Salzburger Festspiele

Villazon: "Wolfgang, danke für alles"

Der Mozart-Fan & Top-Tenor über  "Lucio Silla" & seine Stimmkrise.

Kein anderer Top-Sänger der Welt ist so mit dem Begriff "Krise" verbunden wie Rolando Villazon. Kaum ein anderer aber wird auch vom Publikum derart getragen wie der 41-jährige Mexikaner. In Wien gab der Tenor im Mai einen umjubelten Verdi-Liederabend, und in Salzburg stand er zuletzt im Jänner bei der Mozartwoche im "Lucio Silla" nicht ohne Stimmprobleme auf der Bühne. Am Samstag wird dieser "Lucio Silla" im Haus für Mozart wieder aufgenommen, und der quirlige Sänger steht einmal mehr im Mittelpunkt des Interesses.

Frage: Herr Villazon, was gibt es Neues in der "alten" Produktion mit Marc Minkowski und Regisseur Marshall Pynkoski?

Villazon: Die Aufführung wird noch mehr Biss haben als im ersten Durchgang bei der Mozartwoche. Ich persönlich spiele meine Rolle mit mehr Energie und gehe noch mehr an die Grenze. Ich gebe den "Lucio Silla" noch ein wenig erotischer und monströser, ich glaube, das macht die Figur interessanter.

Frage:Würden Sie sich eine etwas modernere, flottere Inszenierung wünschen?

Villazon: Die Inszenierung ist und bleibt traditionell, aber auf eine gute Art und Weise. Die Regeln in dieser Produktion sind für uns auf der Bühne genauso plausibel wie für das Publikum. Diese Regie stimmt in sich, und die Überraschungen kommen aus der Art und Weise wie auf der Bühne agiert wird. Natürlich, wenn es gut und überzeugend ist, dann mag ich auch das Regietheater mit all seinen Experimenten.

Frage: Vor ein paar Jahren hatten Sie eine Stimmkrise. Hat das für Sie auch positive Seiten gehabt? Was haben Sie daraus gelernt?

Villazon: Was ich gelernt habe ist, auf der Bühne alles zu geben, glücklich zu sein und zu tun, was ich tun kann. Es ist jetzt fast fünf Jahre her, dass mir 15 Ärzte gesagt haben, dass ich nie wieder werde singen können, weil ich eine quasi inoperable, genetisch bedingte Zyste in einem Stimmband hatte. Ich habe damals dennoch die Operation gewagt, mit einem Arzt, der eine Chance sah und singe jetzt seit dreieinhalb Jahren wieder – und zwar an den besten Häusern der Welt. Ich singe in Salzburg, an der Met in New York, an der Scala, ich mache Fernsehen, produziere Platten, zeichne Karikaturen, führe Regie, schreibe gerade an meinem zweiten Roman und habe darüber hinaus Zeit für meine Familie und ab und zu für ein Bier.

Frage: Aber ist es nicht genau dieses bedingungslose "alles geben", das ihrer Stimme zu viel geworden sein könnte?

Villazon: Nein. Erstens gibt es zu viel geben für einen Künstler gar nicht. Zweitens war diese Zyste genetisch bedingt, sie war völlig unabhängig von meinem Singen. Darüber wurde so viel geredet, und auch sehr viel Unsinn. Wirkliche Künstler, wie ich sie verstehe, geben immer alles, egal ob sie Schriftsteller, Maler, Tänzer oder Sänger sind. Ich will als Künstler weiterhin alles riskieren, Türen öffnen, und nicht auf die Leute, sondern auf mein Herz und mein Hirn hören und meinen Weg weitergehen und sehen, wohin er mich führt.

Frage: Sie hören privat auch gerne Popmusik. Reizt es Sie, auch Pop zu singen?

Villazon: Ich habe ein wenig Crossover gemacht, aber "Villazon singt Hardrock", eher nicht. Ich will diese Türe nicht auf ewig verschließen, aber bei Verdi, Donizetti und vor allem Mozart fühle ich mich einfach glücklicher. Vor allem auf Mozart konzentriere ich mich besonders, da ist gerade eine Komplett-Aufnahme von allen sieben großen Mozart-Opern mit Yannick Nezet-Seguin im Entstehen, ein Projekt der Deutschen Grammophon, das bis 2020 dauern wird.

Frage: Sie sind oft als ausgesprochener Verdi-Sänger bezeichnet worden. Sind Sie doch vor allem Mozart-Fan?

Villazon: Ja, Mozart ist der größte Clown und das größte Genie der Musikgeschichte. Die beste Oper der Welt ist "Don Giovanni", und wer Mozarts Briefe liest, spricht mit einem Freund. Alle, die Musik machen, haben von der Quelle "Mozart" getrunken und sich inspirieren lassen. Immer wenn ich in Salzburg bin, gehe ich am Ende des Tages zum Denkmal von Mozart und sage, "Wolfgang, ich wünsche einen schönen Abend, und danke für alles."