Wiener Philharmoniker

Salzburger Festspiele

Thielemann zelebrierte Bruckner-Hochamt

Bruckners 5. Symphonie wurde mit den Wiener Philharmonikern bejubelt.

Christian Thielemann ist ein viel beschäftigter Dirigent. Jährliche Opernwonnen garantiert der Maestro in Salzburg nur zu Ostern, im Sommer residiert der Wagner-Spezialist traditionell in Bayreuth. Für ein Orchesterkonzert mit den Wiener Philharmonikern fand Thielemann dennoch Zeit. Die Aufführung von Anton Bruckners 5. Symphonie wurde am Samstag, den 10. August, im Großen Festspielhaus zum ergriffen bejubelten Hochamt.

Die "Fünfte" betörte Salzburg
Obwohl die „Fünfte“ nicht zu den eingängigsten Symphonien des Meisters aus St. Florian zählt, widmen sich die Salzburger Festspiele mit schöner Regelmäßigkeit diesem anspruchsvollen Werk. 2005 gewährte Neudenker Nikolaus Harnoncourt Einblick in seine Bruckner-Sicht, 2010 führte Analytiker Bernard Haitink die Wiener Philharmoniker durch dieses Werk. Christian Thielemanns Zugang ist wiederum ein anderer: Thielemann schwelgte genussvoll in den Möglichkeiten, welche die Wiener Philharmoniker mit ihrer Klangkultur besitzen. Er ließ sich Zeit für die kontrapunktischen Finessen der „Fünften“, seine Tempodramaturgie war kontrastreich wie auch höchst stimmig.

Orchester verzauberte Publikum

Das Orchester wiederum zeigte sich unter der Leitung von Thielemann traditionell von seiner besten Seite: Präzision und Lust am Klangrausch gingen einher. Die Blechbläser-Ausbrüche im Kopfsatz klangen trotz aller Wucht stets geschliffen und rund, das Oboenthema im Adagio konkurrenzlos kultiviert. Selbst das Scherzo samt seiner Landler-Ländlichkeit trug „wienerisch“ weiche Züge.

Der Volle Klang stand im Vordergrund
Die Detailarbeit, die Thielemann mit den Wiener Philharmonikern an den Tag legte, kam vor allem der komplexen Fuge im riesigen Finalsatz zugute: Trotz kontrapunktischer Dichte setzte Thielemann immer auf vollen Klang, himmlische Streicheropulenz führte zu gewaltigen Steigerungen. Ein 80-minütiges Hochamt, ganz im Sinne Anton Bruckners, wurde vom Publikum angemessen bejubelt.