"Das Städtchen drumherum": Die Wiener Staatsoper kann auch Öko

Wiener Staatsoper

"Städtchen drumherum" verzaubert Kinder

Elisabeth Naskes Kinderoper nach Mira Lobe bei Uraufführung umjubelt.

Die legendäre Kinderbuchautorin Mira Lobe wäre heuer 100 Jahre alt geworden, ihre Klassiker wie "Das kleine Ich-bin-ich" werden aber auch heute noch geliebt, darunter "Das Städtchen drumherum". Komponistin Elisabeth Naske hat sich nun für die Wiener Staatsoper des ökokämpferischen Buches angenommen. Am 26. Oktober feierte die Kinderoper ihre umjubelte Uraufführung - und lädt nun niederschwellig Kleinst und Klein zum Einstieg in die Oper ein.

"Baumhaus statt Hochhaus"   

Durchaus aktuell in Zeiten schwindender Ressourcen wirkt die Vorlage aus 1970: Kultur kostet ebenso Geld wie Tierschutz oder Altenpflege. Deshalb wird gestrichen, braucht der Bürgermeister das Geld doch für die Expansion seiner Stadt, für die er justament den angrenzenden Wald opfern will. "Wenn mich etwas traurig macht, darf ich mich beklagen" - mit dieser durchaus wienerisch anmutenden Haltung als Hymne machen sich deshalb die Kinder daran, ihren Wald nach dem Motto "Baumhaus statt Hochhaus" zu schützen. Ihnen steht der Waldgeist-Punk Hullewulle zur Seite. Am Ende wird keine reine heile Welt der Naturromantik gefeiert, die über die böse Wachstumsideologie triumphiert, sondern man findet den Konsens, in dem die städtische Expansion einfach um das Wäldchen drumherum erfolgt und der Wald gleichsam zum Central Park wird. Die völlige ökosoziale Revolution bleibt also aus und die Grenzen des Wachstums sind noch nicht erreicht.

Schauplatz verlegt
Regisseurin Christiane Lutz verlegt das Kuschelmooswäldchen samt Kletterbaum direkt hinter das Büro des Bürgermeisters. Mobile Pflanzenbeete, ein aufgespannter, hinterleuchteter Schirm als Mond und ein paar Tiermasken erwecken die Szenerie dabei mit einfachen Mitteln zum Leben und ermöglichen schnelle Wechsel zwischen Stadt und Natur. Dies wird von der Kinderschar weidlich genutzt, zumal die kleinen Darsteller auch gesanglich eine große Rolle übernehmen, die sie vor allem als Chor bravourös ausfüllen. Da wird letztlich sogar Clemens Unterreiner im Fatsuit als Bürgermeister weich und am Ende zum Ehrenkind ernannt.

Naske von Lobe begeistert
Naske, die bereits 2007 Lobes "Omama im Apfelbaum" für das Kinderzelt vertonte, packt den Nokia-Klingelton ebenso in ihre Partitur wie Pop-Rhythmen, scheut keine Dissonanzen und auch nicht das rockige Schlagzeug und treibt mit allerlei Schlagwerk die Handlung voran. Das Libretto von Johanna von der Deken ist durchaus ambitioniert und mag allzu junge Zuschauer noch überfordern, alles in allem kann "Das Städtchen drumherum" jedoch als idealer Einstieg für Kinder in die Welt der Oper dienen.

Info
"Das Städtchen Drumherum" von Elisabeth Naske, Text: Johanna von der Deken, Regie: Christiane Lutz, Dirigent: Vinenz Praxmarer, Rick Stengards. Weitere Aufführungen am 28. Oktober, 3., 9., 10., 25., 28. und 30. November, am 3., 6., 9., 14., 15., 17., 23., 26. und 31. Dezember sowie am 2., 4. und 6. Jänner. Kinderopernzelt der Wiener Staatsoper, empfohlen ab sechs Jahren. www.wiener-staatsoper.at

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