Opernkritik

„Tannhäuser“: Wagner à la Schnitzler

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Claus Guths Inszenierung von Wagners „Tannhäuser“ wieder an der Staatsoper.

In die dekadente Welt Schnitzlers führt Claus Guth in Wagners Tannhäuser. Im Venusberg lustwandeln Doppelgänger, im Hotel Orient begegnet Tannhäuser den Sängerfreunden. Elisabeth singt die Hallen-Arie im Schwind-Foyer. Beim Sängerkrieg brechen die Wände auf, ein maskierter Chor, der Orgie aus Kubricks Eyes Wide Shut entlehnt, gemahnt an Schnitzlers Traumnovelle.

Am Steinhof liegt Tannhäuser im Delirium, Elisabeth schluckt Veronal, Wolfram singt sein Lied an den Abendstern Otto-Wei­ninger-artig mit der Pistole im Mund; der Pilgerchor wird von den Patienten der Psychiatrie angestimmt.

Franz Welser-Möst dirigiert die schlanke Dresdner Fassung und hält sich an Wagners Tempi. Stephen Gould ist ein tadelloser Tannhäuser, Matthias Goerne ein kehliger Wolfram. Als Elisabeth überzeugt Anne Schwanewilms; Iréne Theorin befremdet als Venus mit schepperndem Vibrato.

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