Keszler: 'Traurig, aber auch erlöst'

Tränen-Abschied

Keszler: 'Traurig, aber auch erlöst'

Mehr als zwei Jahrzehnte sammelte Gery Keszler unermüdlich Spenden.

„Einerseits bin ich traurig, andererseits fühle ich mich erlöst. Wir mussten erkennen: Das Schiff Life Ball ist nicht unsinkbar“, erklärt Gründer Gery Keszler kurz vor dem letzten Life Ball, der gestern Abend am Wiener Rathausplatz mit großer Zirkus-Show (siehe nächste Seite) über die Bühne ging. Bewegend sicher, seine Abschiedsrede, die für 23.31 Uhr geplant war (nach Redaktionsschluss). Zuvor postete er bereits eine Video-Botschaft und rief zu einem großen ­Abschiedsfest auf.
Ende einer Ära. Es war der 29. Mai 1993, als Gery Keszler zum allerersten Mal ins Wiener Rathaus zum Life Ball lud. Der Rest ist Geschichte. In den darauf folgenden 26 Jahren brach der Ball nicht nur zahlreiche Tabus, sondern erwirtschaftete auch rund 30 Millionen Euro für den Kampf gegen HIV, die an 170 nationale und internationale Aidshilfe-Unternehmen gingen.

Kampf um Sponsoren

Der Grund für das Aus ist leicht erklärt: Mangel an Sponsorengeldern. „Für die Sponsoren ist Aids nicht mehr das aktuellste Thema. Es wurde immer schwieriger, Mittel für den Life Ball aufzustellen. Wir haben bereits im Sommer auf die ­finanzielle Fragilität hingewiesen. Dabei ging es nicht um viel, wir hätten ein paar hunderttausend Euro gebraucht, um die Dynamik aufrechtzuerhalten“, so Kesz­ler im Interview.
Vor allem der Ausstieg des Partners Austrian Airlines traf Keszler schwer.

 

 

Gürtler als Nachfolgerin

Zukunft: Ein Comeback des Life Balls sieht Keszler unter seiner Führung zurzeit nicht. Falls die Aids-Charity dennoch wieder aufleben sollte, würde sich Keszler Elisabeth Gürtler als Nachfolgerin wünschen. Indes ließ Bürgermeister Michael Ludwig wissen, dass er das Mega-Event mit einem Werbewert von 5 Millionen für die Stadt und einem Umsatz für die Wirtschaft von über 9 Millionen Euro doch retten möchte. Mit Keszler? Das ist noch ungewiss.

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Der letzte Life Ball: Alle Bilder

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    Video-Botschaft zum Ende der Aids-Charity

    Mit Tränen in den Augen richtet sich der Life-Ball-Gründer an die Fans und Förderer der Aids-Charity in den vergangenen fast drei Jahrzehnten:
    Ein riesiges Dankeschön an alle, die mich diese 27 Jahre in irgendeiner Form begleitet haben. Die so viel Energie und Leistung in den Life Ball eingebracht haben. Sie alle sind Teil dieser vielen, vielen Initiativen, die wir realisieren konnten. Die vielen Menschenleben, die wir auch retten konnten. Und die große Unterstützung, die in die Millionen geht. Ich wünsche ­allen einen wunderschönen Life Ball!

    © Tischler

    Bürgermeister will Aids-Charity ohne Keszler

    Nach seiner überraschenden Absage  wollte Wiens Bürgermeister Ludwig – in alter Häupl-Tradition – nun doch gestern eine Rede am Wiener Rathausplatz im Zuge der Life-Ball-Show halten. Er hat sogar kurz vor dem Event noch mit einer Finanz-Spritze von kolportierten 100.000 Euro geholfen.
    Alles Zeichen, die dafür sprechen, dass der Life Ball vielleicht doch nicht zum letzten Mal sein buntes Treiben veranstaltet.

    Im Wiener Gemeinderat soll Ludwig bereits angekündigt haben, dass die Stadt Wien an der Planung für die Weiterführung – allerdings ohne Gery Keszler – arbeitet.
    Als Veranstalter will die Stadt Wien dabei aber nicht auftreten, sondern den Ball eventuell durch einen von der Stadt geförderten Verein durchführen lassen.
    Angebot: Noch bevor Kesz­ler das Life-Ball-Aus kommunizierte, habe man dem Ballvater das Angebot gemacht, „den Ball in anderer Form gemeinsam weiterzuführen“. Keszler wäre dabei als Gesicht und Kopf erhalten geblieben, aber die Organisation hätte in „professionellere“ Hände gelegt werden sollen.
    Ohne Keszlers Zustimmung oder Mitarbeit könnte es für die Stadt Wien aber schwierig werden. Zum einen sind Keszlers weltweite Kontakte unbezahlbar und außerdem ist die Marke „Life Ball“ noch bis 2027 patentrechtlich geschützt.