Garrett: Rückkehr zum Crossover

"Explosive"

Garrett: Rückkehr zum Crossover

Experimentiert auf neuem Album mit elektronischen Klängen und Rhythmen.

David Garrett macht wieder das, wofür ihn der Großteil seiner Fans liebt: Crossover. Nach zwei Klassik-Alben experimentiert der 35 Jahre alte Star-Geiger auf seiner neuen Platte "Explosive" nun erneut mit elektronischen Klängen und Rhythmen auf seiner Geige. Mal präsentiert er das Streichinstrument im Clubhouse-Stil, mal spielt er berühmte Pop- oder Rock-Klassiker darauf.

"Du probierst wahnsinnig viel aus, schreibst dir Stücke auf, die du probieren möchtest. Dann ist es ein Prozess: Funktioniert es für das Instrument?", kommentiert Garrett in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Ich finde es spannend, sich auch mal auf Sachen einzulassen, die man im ersten Moment gar nicht toll finden möchte."

Aus einer langen Liste voller Cover-Nummern hat sich der "Geigen-Gott", wie ihn die Klatschpresse gerne nennt, diesmal unter anderem für Nummern von David Guetta ("Dangerous"), Eminem ("Lose Yourself"), Michael Jackson ("They Don't Really Care About Us") und Metallica ("Fuel") entschieden. Mal nur mit leichten Beats unterlegt, mal von einem großen Orchester begleitet, mal beides zusammen. Meist wirken Garretts Interpretationen hymnenhafter als das Original.

Den überwiegenden Teil der 15 Titel umfassenden neuen Platte machen aber die Eigenkompositionen aus. Auf der Deluxe-Version mit 21 Titeln sind es nochmals mehr. Seit vielen Jahren sehe er sich auch als Komponist, sagt Garrett. "Ich glaube, es ist ganz normal, dass man seine eigenen Sachen mehr und mehr forcieren möchte." Das sei "ein ganz natürlicher künstlerischer Prozess", meint er.

Auch das dem Album titelgebende Stück "Explosive" stammt aus der Feder des gebürtigen Aacheners. Mit wild zerzauster, im Wind wehender, langer blonder Mähne hat sich der Deutsch-Amerikaner auf dem Album-Cover inszeniert - und genauso wird er vermutlich auch wieder die Hallen mit seinem extrovertierten Spielstil füllen. Die selbst geschriebenen Stücke mit vielen elektronischen Klängen - teils houselastig - sind dafür jedenfalls wie gemacht.

"Ich glaube, das ist ein Einfluss, den man mittlerweile in jeder Musikrichtung einfach spürt, ob R'n'B oder Jazz oder House", sagt Garrett. "Ich wäre nicht zeitgemäß, wenn ich mich dem verweigern würde." So gibt es auch eine Techno-Version des Russisch-Songs "Baboushka".

Nach den beiden klassischen Einspielungen zeigt sich Garrett gespannt, aus welcher Richtung Zuspruch aber auch Kritik kommt. Die Feuilletons fragen nicht selten: Verschwendet er sein Talent an den Massengeschmack? Er sei von der Klassik in den Kommerz abgedriftet, lautet ein Vorwurf, dem sich der Virtuose ständig ausgesetzt sieht - und den er stets strikt zurückweist. Er wolle den Massengeschmack treffen, um kulturferne Schichten für klassische Musik zu begeistern, betont Garrett. Das dürfte ihm auch mit "Explosive" wieder gelingen.