Bundesheer-Stiefel: Materialien aus fragwürdigen Quellen

Initiative oekoreich

Bundesheer-Stiefel: Materialien aus fragwürdigen Quellen

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Es handelte sich um eine erstklassige Inszenierung im Bereich Marketing, bei der nahezu alle Medien des Landes ausführlich über die neuen Kampfstiefel für das österreichische Bundesheer berichteten.

Die Firma RUKAPOL aus dem Bezirk Amstetten in Niederösterreich hatte den "Rekordauftrag" nach einer Ausschreibung gewonnen, was nicht nur den größten Auftrag in der Geschichte des mittelständischen Unternehmens bedeutete, sondern auch einen beträchtlichen Geldfluss mit sich brachte. Die Lieferung von 35.000 Stiefeln bis 2025 sollte fast 5 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens spülen. Dieser Großauftrag und die damit verbundene massive Werbewirkung wurden als regelrechter Jackpot für die Firma angesehen. 

Die Medien betonten wiederholt die österreichische Herkunft der Stiefel, obwohl die Produktion tatsächlich in einem Werk in Rumänien stattfand. Der Hersteller gab an, dass das Bundesheer genaue Vorgaben für das Aussehen der Stiefel gemacht habe, und betonte, dass jedes verwendete Material strikte Spezifikationen erfüllen müsse. 

Trotz dieser genauen Vorgaben blieb die Frage offen, ob die interessierte Öffentlichkeit Informationen darüber erhalten könne, woher die Materialien stammen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Besonders im Hinblick auf den Einsatz von Steuergeldern war ein öffentliches Interesse daran vorhanden, sicherzustellen, dass nicht nur sorgsam mit dem Geld umgegangen wird, sondern auch die sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen höchsten Ansprüchen genügen. 

Das Bundesheer gab an, dass die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards stichprobenartig kontrolliert werde und dass es Einblick in die Lieferkette des Produzenten habe. Die Produktion erfolge in Rumänien in einer Tochterfirma von RUKAPOL, die nach ISO-Standards zertifiziert sei. 

Ein dubioses Gütesiegel

Die Herkunft des verwendeten Leders stellte sich allerdings als besonders interessant heraus. Das Bundesheer verwies darauf, dass das Leder von einem LWG-Goldzertifizierten Hersteller stamme. Allerdings konnte bei genauerer Überprüfung keine europäische LWG-Gold-zertifizierte Quelle für das Rinds-Nubuk-Leder gefunden werden. Der Hersteller erklärte, dass der Lieferant in Deutschland sitze, der Lederhersteller jedoch in Südamerika ansässig sei.

Eine undurchsichtige Lieferkette 

Die Lieferkette des Materials ist also länger und undurchsichtiger als gedacht und es blieben offene Fragen hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit und der Einhaltung von Tierschutzstandards bei der Lederproduktion. Trotz umfangreicher Anfragen blieben einige Informationen uneindeutig oder wurden nicht vollständig beantwortet, was zu Bedenken hinsichtlich der Transparenz und Nachhaltigkeit des Beschaffungsprozesses führt. 

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