Die Vorbildfunktion der österreichischen Landwirtschaft

Internationale Grüne Woche

Die Vorbildfunktion der österreichischen Landwirtschaft

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Im internationalen Vergleich dient Österreichs Landwirtschaft- und Umweltpolitik als Vorbild. Klimapreise, AMA-Gütesiegel und Insektenstudien sind nur einige Gründe für diese Spitzenposition. 

Die „Internationale Grüne Woche“ in Berlin ist die weltgrößte Messe für Landwirtschaft und Ernährung. Sie ist einer der Höhepunkte des agrarischen Jahreskalenders und traditionell auch ein wichtiger Anlass, um für die Politik über Erreichtes nachzudenken und Neues anzukündigen. Wer hier nicht fehlen darf, ist der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, der in den vergangenen Wochen mit verschiedenen Forderungen und Vorstellungen für gehörig Aufregung gesorgt hat.

Cem Özdemir ist der wohl beliebteste Landwirtschaftsminister in der deutschen Geschichte und vermutlich auch der unkonventionellste. Denn der Deutsche mit familiärer Migrationsgeschichte ist bekennender Vegetarier seit seiner Jugend - das spiegelt sich auch in seiner Programmatik wider. Etwa in der Forderung nach einer Abschaffung der Steuer auf Obst und Gemüse, um den Konsum pflanzlicher Produkte zu forcieren.

Österreichs Landwirtschaft als Vorbild

Die Massentierhaltung, in Deutschland weit verbreitet, will er zurückdrängen - das Modell Österreich soll hier zum Vorbild zu werden. Und mit ihr der für sie verantwortliche österreichische Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Er ist erst seit acht Monaten im Amt, doch bereits seit vielen Jahren eine der prägendsten Persönlichkeiten in der Landwirtschaft.

Die Vorbildfunktion der österreichischen Landwirtschaft
© oekoreich
× Die Vorbildfunktion der österreichischen Landwirtschaft

Das österreichische Agrarumweltprogramm ÖPUL weist beeindruckende Steigerungsraten auf – so sind etwa um 200% mehr Anträge zur Tierwohl-Stallhaltung bei Rindern eingelangt. Worauf führt Minister Totschnig das zurück?

Wir haben mit der ökosozialen Agrarpolitik den richtigen Weg eingeschlagen. Mehr als 80 Prozent der Bäuerinnen und Bauern nehmen am Agrarumweltprogramm teil, das müssen uns andere erst nachmachen.“

Mit ÖPUL werden Maßnahmen zur Steigerung von Biodiversität, Klimaschutz und Tierwohl gefördert, die teilnehmenden Betriebe müssen aber auch deutlich mehr machen als gesetzlich vorgeschrieben.

Insektenstudie offenbart überraschende Erkenntnisse

Eine neue „Insektenstudie“ dokumentiert zudem, dass die landwirtschaftliche Nutzung zu mehr Biodiversität beiträgt. Es ist die umfangreichste Erhebung zur Entwicklung der Insektenpopulation, die es in Österreich je gegeben hat. Sie zeigt, dass die Entwicklung deutlich positiver ist als bisher angenommen. Aber: 25 % der Arten wurden durch andere Arten ersetzt, die sich an die wärmeren, trockeneren Bedingungen anpassen – ebenfalls eine Folge des Klimawandels.

Entscheidend ist, dass die Biodiversität, Hecken und Flure, wie auch Wasserzugänge weiter erhalten bleiben – das geht nur mit den österreichischen Bäuerinnen und Bauern gemeinsam. Mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik werden die Biodiversitätsflächen von 150.000 Hektar auf 230.000 Hektar ausgeweitet, denn ohne Insekten kommt es zu keiner Bestäubung und ohne Bestäubung gibt es keine Lebensmittel.

Deutschland orientiert sich an der AMA

Cem Özdemir möchte ein staatliches Siegel für Verbraucher einführen, entlang von fünf Kategorien sollen die Menschen in Supermärkten künftig die Haltungsform erkennen können.

Österreich gehört bereits zu den Ländern mit den höchsten Standards und ein solches Gütesiegel ist bereits Realität. Das AMA-Gütesiegel feiert 2023 sein 30-jähriges Bestehen und mit diesem Jahr gesellt sich auch das AMA Genuss Region Gütesiegel für bäuerliche Direktvermarkter dazu.

Klimapreise für tierische Produkte

Der Handel agiert in einem offenen Markt, entsprechend rasch könnten sich Dinge verändern. Wie schnell das gehen kann, das zeigt ein aktuelles Beispiel, das – wohl nicht zufällig – kurz vor der „Grünen Woche“ publik wurde. Der mächtige Handelskonzern REWE, in Österreich mit Billa, Penny und Adeg vertreten, hat in Deutschland gerade einen Testballon gestartet.

Als erster Handelskonzern weist REWE nun bei ausgewählten Produkten eigene „Klimapreise“ aus. Die Kosten für tierisches Fleisch, Milch und Käse sind dabei um bis zu 90 % höher als die pflanzlichen Vergleichsprodukte. Dazu passend wirbt REWE mit seinem großen veganen und vegetarischen Sortiment, auch in Österreich kann in den letzten Monaten hohe Werbeaktivität beobachtet werden.

Sinkender CO2-Ausstoß

Dass dabei die Bauern und Bäuerinnen als Übeltäter dargestellt werden, passt dem Landwirtschaftsminister nicht.

Mittlerweile ist der CO2-Fußabdruck von heimischen Erzeugnissen um einiges niedriger als gemeinhin angenommen und sinkt weiter“ betont Norbert Totschnig.

Er meint damit zum Beispiel die Milch. Die Produktion von einem Kilogramm österreichischer Milch erzeugt inzwischen nur noch rund 500g CO² – und damit nur noch knapp die Hälfte dessen, was sie noch vor 30 Jahren erzeugte.

Generell liegen die Emissionen in der Landwirtschaft in Österreich deutlich unter jenen Deutschlands- auch ein Resultat des hohen Bio-Anteils. Denn hier ist Österreich unbestrittener Weltmeister. Tatsächlich ist die Bio-Quote mit 26 % mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (11 %).
  

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