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In Kremsmünster

Pfarrer: "Wurde als Kind missbraucht"

Der evangelische Pfarrer aus Villach, Jürgen Öllinger, bricht sein Schweigen.

Gegen das oberösterreichische Stift Kremsmünster (Bezirk Kirchdorf) ist ein neuer Missbrauchsvorwurf aufgetaucht: Der Villacher evangelische Pfarrer Jürgen Öllinger spricht gegenüber dem Evangelischen Pressedienst von sexuellen und tätlichen Übergriffen. "Ich bin als Kind in der Klosterschule Kremsmünster körperlich und seelisch missbraucht worden."

"Dazu gibt es keine Gerechtigkeit"
Von "Vorwürfen" wolle er nicht sprechen, es gehe darum, festzuhalten, was passiert sei, so Öllinger. "Um Fakten, um sexuelle Übergriffe und tätliche Übergriffe auf mich selbst und auf Schulfreunde, die ich miterlebt habe." Dass es auch andere gebe, die Worte finden, hätte dazu geführt, dass er es selbst wage, hinzuschauen und zu sehen, was unter keinen Umständen verschwiegen werden dürfe.

Um "Gerechtigkeit" könne es nicht gehen, so Öllinger. "Die gibt es dazu nicht." Vielmehr will der Pfarrer "Aussöhnung in der Auseinandersetzung von einem geistlichen Lehrer zum anderen". Von Abt Ambros Ebhart erwartet er Schritte, dass es zu einem Vieraugengespräch mit dem Täter komme. Dort könne ausgesprochen werden, "was nur ihn und mich etwas angeht". "Ich erwarte auch theologisch ein Gegenüber, das weiß, wie man mit schwerer Schuld umgeht", erklärte der Pfarrer.

Bis jetzt "individuelles Fehlverhalten"
Unterdessen haben Absolventen und ehemalige Schüler des Stiftsgymnasiums den "Dialog für Kremsmünster" gestartet, der sich der Aufarbeitung und Dokumentation des Systems hinter den Vorwürfen widmet. Bis jetzt gehe man von "individuellem Fehlverhalten" aus, die strukturellen Bedingungen für das Entstehen von Missbrauch und Gewalt würden aber nicht beleuchtet, so die Initiatoren in einer Presseaussendung. Es brauche einen breit angelegten Dialogprozess, es sei hilfreich, dass dieser nicht von klosternahen Personen begonnen und durchgeführt werde.

Nachdem Fragen gesammelt worden sind, sollten sie in einer Veranstaltung vom Stift beantwortet werden, schwebt den Initiatoren vor. Danach seien eine wissenschaftliche Aufbereitung der gewonnenen Informationen und eine Präsentation in der Öffentlichkeit geplant. Dabei sollten auch konkrete Maßnahmen vorgestellt werden - im Hinblick auf das Gedenken und im Sinn der Prävention. Eine Themen-und Fragensammlung aus der bisherigen Diskussion findet sich auf der Website http://www.dialog-fuer-kremsmuenster.at.

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