Kleinkind zu Tode gequält: Freispruch

Wien

Kleinkind zu Tode gequält: Freispruch

Vor fast 14 Jahren starb der nur 13 Monate alte Mirel in Wien.

Mit einem Freispruch im Zweifel ist am Donnerstagabend im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen Ramiz K. zu Ende gegangen, dem vorgeworfen worden war, vor fast 14 Jahren den 13 Monate alten Buben seiner damaligen Lebensgefährtin derart schwer misshandelt zu haben, dass Mirel ins Koma fiel und zwei Tage nach seiner Aufnahme im Preyer'schen Kinderspital starb. Der 45-jährige Kosovo-Albaner, der bei der Verkündung der Entscheidung in Tränen der Erleichterung ausbrach, wurde noch in den Abendstunden auf freien Fuß gesetzt.

"Das Beweisverfahren hat nicht mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit ergeben, dass der Angeklagte dem Kind diese Verletzungen zugefügt hat", stellte die Vorsitzende des Schöffensenats, Stefanie Öner, fest. Sie verwies vor allem auf das Gutachten des Gerichtsmediziners, der erklärt hatte, der Bub sei bereits zu einem Zeitpunkt geschlagen und traktiert worden, als Ramiz K. noch gar nicht mit der Mutter des Kindes liiert war und in deren Wohnung lebte. Der Freispruch ist nicht rechtskräftig, Staatsanwältin Andrea Kain gab vorerst keine Erklärung ab.

Kein Motiv
Vor allem der Umstand, dass der kleine Mirel Verletzungen aufwies, die laut Gerichtsmediziner Johann Missliwetz "zehn bis zwölf Wochen oder älter waren", dürfte den Schöffensenat zu dem Freispruch für Ramiz K. bewogen haben. Die alten Verletzungen hätten den frischen "sehr stark geähnelt", sagte Richterin Stefanie Öner. Die älteren wären dem zum Todeszeitpunkt 13 Monate alten Kind "vermutlich von der Mutter oder jemand anderem zugefügt worden", so Öner wörtlich. Es sei "nicht ersichtlich, weshalb der Angeklagte dieses Verhalten fortsetzen hätte sollen. Er hatte dafür kein Motiv".

Mirels Mutter war im August 1999 wegen Kindesmisshandlung zu fünf Jahren unbedingter Haft verurteilt worden - allerdings als Beitragstäterin, weil sie nach übereinstimmender Ansicht der Staatsanwaltschaft und des Gerichts "weggesehen" hatte, während Ramiz K. der Justiz damals als der eigentliche Täter galt. Im Licht der heutigen Entscheidung eine Fehleinschätzung, denn Richterin Öner fand sogar den Umstand "nachvollziehbar", dass sich der Kosovo-Albaner einen Tag nach Mirels Aufnahme im Krankenhaus nach Albanien abgesetzt hatte, um dort - wie er heute erklärte - seine Familie zu suchen. Das sei "durchaus verständlich, wenn man die damaligen Kriegswirren berücksichtigt", so Öner.

Der Zeugenauftritt der Mutter hätte "zahlreiche Widersprüche" ergeben, monierte die Richterin. Das Schicksal Mirels und "dass dagegen nicht gehandelt wurde" sei "sehr bedauerlich", meinte Öner: "Die Mutter wurde zur Verantwortung gezogen. Mehr war hier leider nicht zu erbringen."

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