Kandidaten von ÖVP und SPÖ verzichten ebenso wie FPÖ-Waldhäusl auf Parteilogos auf ihren Wahlplakaten.
Vor den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich am Sonntag ziert nicht jedes Wahlplakat auch ein Parteilogo. Gültigkeit hat dies für Kandidaten der ÖVP wie der SPÖ. Der Zweite Landtagspräsident Gottfried Waldhäusl (FPÖ) verzichtet ebenfalls. Die APA hat sich im weiten Land umgeschaut.
In Mödling ist auf Plakaten von Stadtchef Michael Danzinger (ÖVP) etwa das Stadtwappen mit dem "Panthera Heraldika Mediliha", liebevoll "Panthi" genannt, samt Slogan "Weil er für den Aufschwung arbeitet." zu sehen, das Parteilogo jedoch nicht. Ein Blick ins nahe Guntramsdorf (Bezirk Mödling) zeigt, dass es Bürgermeister Robert Weber (SPÖ) genau so hält. Er sticht als DJ ("Der beste Mix: Familie, Freizeit, Fairness!") ins Auge, zeigt "Amore" für die Marktgemeinde oder kündigt an, dass er "Noch eine Schippe drauflegen!" wolle. Das Logo der Roten? Fehlanzeige. Stattdessen: "Bgm. Weber. Weiter gehts".
"Wichtiger als jede Partei: Unser Bürgermeister!"
"Wichtiger als jede Partei: Unser Bürgermeister!", heißt es in Wiener Neustadt bei Klaus Schneeberger (ÖVP). Auch auf den Sujets "Unsere Zukunft. Seine Stärke" oder "Der Richtige. Gerade jetzt!" vermisst man den Hinweis auf die Volkspartei. Anders ist das beim Zweiten Vizebürgermeister Rainer Spenger, der unter dem SPÖ-Logo mit "Zeit für Veränderung" wirbt. "Gemeinsam gewinnen" will Neo-Stadtchefin Sabrina Divoky (SPÖ) in Traiskirchen. Auch sie setzt auf das Signet ihrer Partei. Divokys Amtsvorgänger SPÖ-Bundesparteichef Andreas Babler findet sich unter 74 Kandidatinnen und Kandidaten im Reißverschlusssystem übrigens an 62. Stelle auf der Liste der Sozialdemokratie in der Stadtgemeinde im Bezirk Baden.
Trotz blauer Erfolgswelle bei den jüngsten Urnengängen findet man kein FPÖ-Logo auf den Plakaten von Gottfried Waldhäusl. Der Freiheitliche geht in Waidhofen an der Thaya mit dem Bürgermeister-Sessel als erklärtem Ziel ins Rennen, "Waidhofen zuerst" lautet der Slogan des Zweiten Landtagspräsidenten und ehemaligen Landesrats. ÖVP-Stadtchef Josef Ramharter hatte zwischenzeitlich ein "Duell" mit Waldhäusl per Plakat ausgerufen und stellt auf einem weiteren Sujet samt Waldhäusl-Konterfei die Frage "Blauer Umsturz?". Die Antwort des Amtsinhabers lautet freilich: "Verlässlich weiter."
Ohne ÖVP-Logo und mit den Hintergrundfarben Orange-Gelb statt Blau-Gelb wirbt Bürgermeister Patrick Strobl um Stimmen: "Gemeinsam Melk weiterentwickeln", "Gemeinsam schaffen wir mehr" und "Melk weiterentwickeln: Es gibt viel zu tun." ist auf den Plakaten zu lesen. Auch Landschaftselemente - in Blau, Gelb und Orange - rufen dazu auf, das Kreuz am 26. Jänner bei Strobl zu machen. Die Grünen plakatieren u. a. "Radwege verbinden" und den landesweiten Claim "Weil es in unserer Natur liegt". Die SPÖ setzt in der Bezirksstadt auf die Parteifarbe Rot und den Slogan "Gemeinsam gestalten". Die FPÖ-Kandidaten werden - wie in zahlreichen Gemeinden - als "Einer von euch" tituliert.
Schwung, Gemeinsam, Hochwasserschutz
In Ober-Grafendorf (Bezirk St. Pölten-Land) wirbt Bürgermeister Rainer Handlfinger u. a. als Dirigent ("2025 fängt gut an. Wenn sie wollen.") und - siehe Kollege Weber in Guntramsdorf - mit "Familie, Freizeit, Fairness. "Rainer. Weiter gehts" ersetzt das SPÖ-Logo. "Neuer Schwung für Neulengbach" ist das Anliegen des in der Stadt im Bezirk St. Pölten-Land amtierenden Gemeindeoberhaupts. Die ÖVP-nahe Liste nennt sich "Bürgermeister Jürgen Rummel Team Neulengbach".
Einige Kilometer weiter setzt sich in Loosdorf (Bezirk Melk) das "Team Vasku" um den roten Bürgermeister Thomas Vasku etwa "Gemeinsam für Gesundheit, gemeinsam für den Ortskern, gemeinsam für Bildung" ein. Die Plakate sind in Rot, Weiß und Blau gehalten, auch der Schriftzug "SPÖ" ist zu sehen. Die ÖVP Loosdorf - mit blau-gelben Sujets samt Parteilogo - wirbt um Wähler, "weil es um unser Daheim geht". "Daheim in Loosdorf - Sicher sein, wohlfühlen, alt werden", heißt es u. a. auf Plakaten der Schwarzen in der Mostviertler Marktgemeinde.
Die ÖVP-nahe Liste "Wir Prinzersdorfer" um Bürgermeister Rudolf Schütz im Bezirk St. Pölten-Land wirbt in den Farben Grün und Gelb sowie ohne Parteilogo. Die örtlichen Sozialdemokraten fordern im SPÖ-Design u. a. "Sicher leben - Hochwasserschutz schaffen". Alfred Riedl, ehemals Gemeindebund-Präsident und durch Immobiliengeschäfte überregional in die Schlagzeilen geraten, setzt in seiner Heimatgemeinde im Bezirk Tulln auf Plakaten auf das Kollektiv "VP Team Grafenwörth". Alleine auf einem Sujet zu sehen war der Bürgermeister beim Lokalaugenschein der APA nicht.
"Gemeinderatswahl in erster Linie eine Personenwahl"
Parteitreu zeigen sich Traismauers Stadtchef Herbert Pfeffer und Herzogenburgs Bürgermeister Christoph Artner (beide SPÖ). Das Duo setzt auf das Parteilogo auf den entsprechenden Wahlplakaten. Pfeffer will zudem wörtlich mit Sachthemen wie "Bildung & Kultur" oder "Wirtschaft & Arbeit" punkten, Artner will "Reden und Tun" und "Bringt's zusammen".
"Die Gemeinderatswahl ist in erster Linie eine Personenwahl. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass viele Listen ihren Wahlkampf auf eine Person zuschneiden", zitierte der "Standard" vor wenigen Tagen den Politologen Armin Mühlböck von der Uni Salzburg. "Die Partei und ihre Ideologie spielen eine nachrangige Rolle in der Gemeindepolitik."