So starb der letzte Kaiser-Sohn

Otto Habsburg

So starb der letzte Kaiser-Sohn

Er wurde 98. Familie war bei ihm. Begräbnis wird zum Staatsakt.

Otto Habsburg, der Sohn des letzten Kaisers von Österreich, ist gestern gestorben. So lebte und starb der 98-Jährige.

Es war ein würdevoller Abschied. Am Wochenende eilten seine sieben Kinder (fünf Töchter, zwei Söhne) in die Villa Austria in Pöcking am Starnberger See. Wie es die Tradition verlangt, versammelte der letzte österreichische Thronfolger Otto Habsburg (98) seine engste Familie um sein Sterbebett.

Gestern in den frühen Morgenstunden hörte sein Herz dann einfach zu schlagen auf. "Er ist im Kreise seiner Familie ganz friedlich eingeschlafen", sagt Familien-Sprecherin Eva Demmerer zu ÖSTERREICH.

Schwer krank
Tatsächlich war Otto Habsburg schon seit zwei Jahren schwer krank. 2009 stürzte er über eine Treppe, zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Von diesem sollte sich der letzte Kronprinz der Donaumonarchie nicht mehr erholen. Als 2010 auch noch seine geliebte Frau Regina starb, verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Sein Wunsch, der älteste Habsburger und zumindest 100 Jahre alt zu werden, ging nicht mehr in Erfüllung.

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Das war Kaisersohn Otto Habsburg

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    Mit dem Tod von Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Habsburg-Lothringen (so sein voller Name) ist das letzte Mitglied der Donaumonarchie gestorben.

    Bewegtes Leben
    Am 20. November 1912 kommt Otto in der Villa Wartholz bei Reichen­au zur Welt. Vier Jahre später (nach dem Tod Kaiser Franz Josephs) wird sein Vater Karl Kaiser von Österreich. Im Bewusstsein, einmal der Herrscher von Österreich zu sein, wird Otto von seiner Mutter, Kaiserin Zita, erzogen. Selbst noch als sein Vater 1918 abdankt und die Familie ein Jahr später in die Schweiz ins Zwangsexil geht.

    Was Otto von Habsburg auszeichnet? Er hat immer an die Idee Österreich geglaubt. Als Hitler einmarschieren will, schreibt der 26-jährige Otto einen Brief an "Anschluss"-Kanzler Kurt Schuschnigg, fordert ihn zur Bildung einer Allparteienregierung gegen Hitler auf. Er selbst bietet sich als Bundeskanzler an.

    Flucht vor Nazis
    Folge: Hitler lässt ihn steckbrieflich als Verbrecher suchen. Otto flüchtet über Luxemburg, Frankreich in die USA. Dort lobbyiert er bei Präsident Roosevelt für ein eigenständiges Österreich.

    1945 betritt er für wenige Wochen Österreich, muss es aber wegen der Wiedereinsetzung der Habsburger-Gesetze wieder verlassen. Erst im Alter von 39 Jahren heiratet er seine Frau Regina. Mit ihr hat er sieben Kinder (plus 22 Enkelkinder und zwei Urenkel).

    Europäer
    Die erstaunlichste Entwicklung in Ottos Leben: Der letzte Kronprinz mutiert vom Monarchisten zum glühenden Europäer (er hat vier Staatsbürgerschaften: Österreich, Deutschland, Ungarn und Kroatien), sitzt 20 Jahre für die CSU im EU-Parlament.

    Seine Aussöhnung mit Österreich passiert erst spät: 1966 darf er das erste Mal einreisen. 1972 schüttelt ihm Kanzler Bruno Kreisky versöhnlich die Hand. 2007 betritt er erstmals seit der Kindheit wieder die Hofburg. Heinz Fischer empfängt den letzten Kaisersohn.
     

    Otto Habsburg: Sein Leben im Zeitraffer

    Lebenslauf: Otto von Habsburg war der letzte Kronprinz der Donaumonarchie:

    • 20. 11. 1912: Geburt in Reichenau (NÖ) als 1. Kind von Erzherzog Karl.
    • 21. 11. 1916: Ottos Vater Karl wird Kaiser von Österreich.
    • 24. 3. 1919: Nach der Abdankung gehen die Habsburger ins Exil in die Schweiz (später Madeira, Spanien, Belgien).
    • 3. 4. 1919: Verbot aller Adelstitel.
    • 17. 2. 1938: Brief an Schuschnigg mit Aufforderung, Allparteienregierung gegen Hitler zu bilden. Otto Habsburg will Bundeskanzler werden.
    • 31. 5. 1961: Habsburg unterschreibt Verzichtserklärung gemäß Habsburger-Gesetz.
    • 31. 10. 1966: Erste Wiedereinreise nach Österreich. 250.000 Menschen bei Gegendemo.
    • 1973: Wahl zum Präsidenten der Paneuropa-Union.
    • 1977: Versöhnungshandschlag mit Bundeskanzler Bruno Kreisky.
    • 1978: Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft.
    • 1979–1999: Europa-Parlamentarier der CSU.
    • 2007: Erster Empfang durch Heinz Fischer in der Hofburg.
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