Nach 52 Jahren

Voestalpine entfernt erst jetzt Göring-Werke-Logo

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Das Emblem werde jetzt erst im Zuge eines Umbaus entfernt. Kritiker vermissen eine öffentliche Diskussion. Dies sei kein angemessener Umgang mit der Geschichte.

Die voestalpine hat eines der letzten Relikte aus der NS-Zeit, als das Vorgänger-Unternehmen noch "Hermann-Göring-Werke" hieß, entfernt. Im Zuge von Umbauarbeiten wurde ein gemauertes Relief mit dem damaligen Logo abmontiert. Man hätte die Geschichte aus heutiger Sicht kenntlich machen und kommentieren sollen, kritisierte Wolfram Kastner vom Institut für Kunst und Forschung in München in einer Presseaussendung die "Zerstörungsarbeiten".

Kritiker: Kommentarloses Entfernen sei falsches Signal
Die Entfernung des Symbols sei ein falsches Signal, findet Kastner. Besser wäre gewesen, "am historischen Ort, an dem auch über den Einsatz und die Vernichtung von Zwangsarbeitern entschieden wurde", die Namen der zu Tode geschundenen Opfer und einen Kommentar neben das Logo zu setzen, schlug er vor.

"Nicht der angemessene Umgang mit der Geschichte"
"Die Entfernung aus dem öffentlich sichtbaren Raum und die Verpackung in Holzkisten kurz vor dem Jahr 2009, in dem Linz europäische Kulturstadt sein wird, ist sicher nicht der angemessene Umgang mit der Geschichte des NS-Systems", so Kastner. Der Münchner Künstler zeigte sich empört, dass die Entfernung "ohne öffentliche Diskussion" vor sich gegangen sei. Er gehe davon aus, dass dies "in offiziellem Auftrag" geschehe.

Auf dem Werksgelände einige NS-Artefakte
voestalpine-Sprecher Gerhard Kürner bestätigte die Entfernung des Emblems. Es gebe auf dem Werksgelände noch vereinzelte Artefakte aus der NS-Zeit, beispielsweise einen Bunker. Das besagte Logo sei ein Relief aus Klinker-Ziegeln auf einem Verwaltungsgebäude. Im Zuge eines Umbaus habe man sich entschlossen, es herunterzunehmen.

Bausteine werden von Historikern dokumentiert
Die Ziegel wurden in Kisten verpackt und lagern - von der hauseigenen Historikerin gut dokumentiert - nun im Archiv des Unternehmens. Es habe sich kein Museum um das NS-Relikt bemüht. Mit den Verantwortlichen der Kulturhauptstadt stehe man in engem Kontakt und plane auch gemeinsame Projekte, so Kürner weiter. Bezüglich des Logos sei aber niemand von Linz 09 an die voestalpine herangetreten.

Voest ist aus NS-Kriegsindustrie hervorgegangen
1938 wurden im Linzer Stadtteil St. Peter die Hermann-Göring-Werke als Teil der nationalsozialistischen Kriegsindustrie aus dem Boden gestampft. Nach dem Ende des Krieges erfolgte 1945 die Gründung der "Vereinigten Eisen- und Stahlwerke Österreichs", der späteren VÖEST und heutigen voestalpine AG.

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