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Verdacht der fahrlässigen Tötung

Die Anzeige: Diese Todesfälle werden Chefarzt vorgeworfen

Ein Arzt wurde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung angezeigt.

Wien. Er gilt als Koryphäe in der Mundheilkunde. Jetzt wurde ein Wiener Chirurg (Name der Red. bekannt) von einem ebenfalls erfahrenen Kollegen wegen fahrlässiger Tötung angezeigt. Es geht um sechs Patienten, die von 2015 bis 2021 in Behandlung standen bzw. stehen.

Sechs Fälle. In vier Fällen soll die Behandlung durch den Mediziner mit dem Tod der Patienten in Zusammenhang stehen. In einem weiteren Fall soll der Tod eines Patienten aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung bereits bevorgestanden haben. Dem Arzt wird hier vorgeworfen, das kurze Leben, das dem Patienten noch blieb, durch unnötige Operationen zusätzlich belastet zu haben. Ein weiterer Patient befindet sich derzeit in einer lebensbedrohlichen Lage. ÖSTERREICH liegt die Anzeige vor (siehe Kasten rechts).

MedUni Wien will Fall "umgehend" prüfen

ÖSTERREICH erreichte den Arzt am Dienstagnachmittag. Er wollte zu den Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben und verwies an die Pressestelle der MedUni Wien, die angab, die Vorwürfe „umgehend untersuchen“ zu wollen. „Seinem Berufskollegen waren schon seit einiger Zeit Ungereimtheiten aufgefallen. Sechs Fälle sah er sich genauer an und stellte dabei Mängel fest“, sagt Susanne Kurtev von der Kanzlei Rast & Musliu. Die Juristin vermutet weitere Betroffene. Kontakt zu den Hinterbliebenen der fünf verstorbenen Patienten bestehe noch keiner.

Justiz. Der Staatsanwaltschaft wurde der Fall am 26. Mai zugetragen. Seit 1. Juni befindet er sich in Bearbeitung. Die Behörde steht noch ganz am Anfang möglicher Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Für den Arzt gilt die Unschuldsvermutung.

Die Anzeige: Das wird dem Chirurgen vorgeworfen

Der Staatsanwaltschaft prüft derzeit die vorliegenden Anschuldigungen.

  • H. N. (†77) soll 2018 wegen Mundhöhlenkrebs die untere Gesichtshälfte entfernt worden sein – eine Methode, die seit über 30 Jahren nicht mehr angewandt worden sein soll.
  • B. W. (†67) soll zu Blutungen geneigt haben, weil ein Tumor bis zu den großen Blutgefäßen reichte. Sie soll nur ambulant behandelt worden sein. Hier wird auch vorgeworfen, der Chirurg habe ihren Sterbefall nicht wahrheitsgemäß dokumentiert. Es bestehe der Verdacht einer Verschleierungsabsicht.
  • Patient G. I. (†21) soll auf Basis einer „völlig unzureichenden“ rumänischen Computertomografie ein Tumor mangelhaft entfernt worden sein. Der Chirurg, so der Vorwurf, hätte im AKH die Bildgebung wiederholen müssen.
  • Die Patienten W. W. (†74) und S. B. (†19) befanden sich im Endstadium. Ihre noch verbleibende Lebenszeit soll durch Operationen unnötig belastet worden sein. Bei W. W. soll eine falsche Todesursache angegeben worden sein.

Larissa Eckhardt 

Video zum Thema: David Herrmann Meng zum Arzt-Skandal
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