Flüchtlinge zündeten Gefängnis an, um ein

Feuer in Gefängnis

Flüchtlinge zündeten Gefängnis an, um ein "Zeichen zu setzen"

Wien. Das Feuer war gegen 22.30 Uhr in der Nacht auf Samstag in einer Gemeinschafts-Zelle im ersten Stock des Polizeianhaltezentrums (PAZ) am Hernalser Gürtel ausgebrochen. Wie sich später herausstellte, hatten die Insassen den Brand selbst gelegt, um – wie es anfangs aussah – zusammen Selbstmord zu begehen. Dazu hinterließen die fünf Afghanen und der Iraner im Alter von 18 bis 33 Jahren auch einen Abschiedsbrief. Laut Polizei-Ermittlungen stellte sich aber heraus, dass die Aktion inszeniert war (siehe Story unten), ehe sie eskalierte.

Welches Ausmaß einer Katastrophe die Insassen genau geplant hatten, ist nicht klar – jedenfalls zündeten sie ihr Bettzeug und die Matratzen an, ehe sie die Zellentür mit einem Spind blockierten und sich im Bad einschlossen.

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Auch Katastrophenzug der Feuerwehr kam vor Ort

Noch bevor die Flammen und der Rauch bemerkt wurden und der Alarm losging, machte einer von ihnen (ein 19-jähriger Afghane) die Tür vom Waschraum zur Zelle auf, weil doch auch Rauch ins Bad eindrang und sie der Reihe nach kollabierten. Im letzten Moment wollte er offenbar Hilfe holen und brach ebenfalls zusammen. Die Helfer kamen nur Sekunden später – in einem wahren Großaufgebot mit 50 Polizisten, 20 WEGA-Leuten und ebenso vielen Kräften von der Bereitschaft. Die Berufsfeuerwehr kam mit 20 Einsatzfahrzeugen und dem Katastrophenzug.

Alle auf Intensivstation und auf Weg der Besserung

Den Polizisten gelang es, in den Raum einzudringen. Sie fanden einen 19-Jährigen reglos auf dem Boden. Ihn bargen die Beamten, die anderen fünf wurden von der Wiener Berufsfeuerwehr in Sicherheit gebracht. 39 weitere Häftlinge aus dem ersten Stock wurden evakuiert. Die Flammen selbst waren rasch gelöscht, die starke Rauchentwicklung brachte für die Opfer (und Zündler), die in vier Spitäler gebracht wurden, Lebensgefahr. Zwei mussten künstlich beatmet werden, alle sechs wurden auf Intensivstationen gebracht.

Samstag dann die erlösende Nachricht: Alle sechs dürften es nach erlittenen Rauchgasvergiftungen und Inhalationstrauma schaffen. Nur dem 19-Jährigen geht es noch sehr schlecht: Er hat Verbrennungen von 10 Prozent der Haut.

41808251_2023436424343122_1.jpg © Viyana Manset Haber

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Warum die Insassen Feuerzeuge hatten, lässt sich ganz einfach erklären: Da Schubhäftlinge keine Strafgefangenen sind, leben sie im PAZ in einer Art offenem Vollzug in ihrem Block bis 17 Uhr. Danach erst müssen sie in ihre zugewiesenen Räume – wobei es tatsächlich Raucher- und Nichtraucherzellen gibt …

(kor)

Abschiedsbrief: "Kein gutes Leben"

Zunächst sah alles nach einem verabredeten Massen-Suizid aus, der im letzten Moment verhindert wurde. Vor allem ein teils verbrannter Brief, in dem die Schubhäftlinge (18, 19, 22, 30, 31, 33), die teils schon seit Monaten hier sind, über die Bedingungen und die Aussichtslosigkeit ihrer Unterbringung verzweifeln, wies in diese Richtung. Dann aber stellte sich heraus, dass sich alle sechs, als das Feuer ausbrach, in den an die Zelle angeschlossenen Nassraum geflüchtet hatten.

Mit nassen Tüchern und Fetzen versuchten sie, die Tür und einen Luftschlitz abzudichten, sodass kein Rauch in das Bad eindringt. Als dennoch die Brandgase zu ihnen vordrangen, eskalierte die Situation – zumal einer plötzlich die Tür öffnete, um nachzuschauen bzw. im letzten Moment doch noch Hilfe zu holen. Laut Polizeisprecher Harald Sörös deutet alles darauf hin, dass sie auf ihre Situation aufmerksam machen und ein Zeichen setzen wollten. Ermittelt werden sollte auch, ob sie dabei eventuell von einem Asyl-Betreuer beraten wurden. 

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