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In der Taborstraße

Wien: Drei Juden auf offener Straße attackiert

Die erste Attacke ­ereignete sich kurz nach 11 Uhr in der Lassallestraße in der Wiener Leopoldstadt. Der Täter, ein 24-jähriger ­arbeitsloser Österreicher mit türkischen Wurzeln, schlug wahllos auf eine Frau ein. Die 37-Jährige wurde nicht verletzt, war so geschockt, dass sie es auch ­ablehnte, von der Rettung abtransportiert zu werden.

 

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Danach attackierte der Mann vor einem jüdischen Restaurant drei Männer. Alle drei trugen eine Kippa, einer hatte eine Tasche mit hebräischer Aufschrift. Sie waren also klar als jüdische Bürger erkennbar, bestätigt auch Zeuge Benjamin Gilkarov ÖSTERREICH.

 

Fausthiebe gegen Burschen vor dem Restaurant

Augenzeuge. Gilkarov war auch dabei, als der Angreifer letztlich von der Polizei in der U-Bahn-Station am Schwedenplatz festgenommen wurde. Bei der Fest­nahme attackierte der Angreifer auch die Polizisten, schlug auf sie ein. Gilkarov erzählt ÖSTERREICH, dass der Angreifer bei der Attacke auf die drei Burschen vor dem Restaurant diese „auf Deutsch und Arabisch beschimpft“ habe. Er schien zwar „psychisch krank, aber hat die drei ganz gezielt angegriffen“. Einem der Männer sprang der Täter sogar mit beiden Beinen in den Rücken. Es sei eine Art Karateangriff gewesen, hieß es.

Attacke Juden Kippa Wien Täter © all Der mutmaßliche Täter Burkay S. kurz vor seiner Festnahme.


Verfassungsschutz in die Ermittlungen involviert

Der Verfassungsschutz wurde sofort in die Ermittlungen eingeschaltet. Über den Täter sind bisher nur wenige Details bekannt. Er soll ­türkische Wurzeln haben, arbeitslos sein und scheint auch schon polizeilich aufgefallen sein. Bei der Tat trug er ein weißes ­T-Shirt mit der Aufschrift „Miami Beach“, dunkle Shorts sowie Turnschuhe.

Attacke Juden Kippa Wien Täter © all Hier geht er Richtung Schwedenplatz, wo ihn die Polizei schnappt.

Laut Innenministerium werden derzeit ein antisemitischer Hintergrund sowie Kontakte zur radikalen Szene geprüft. Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Österreich steigt seit Jahren: 2014 waren es 255, im Vorjahr 503, so der Antisemitismusbericht 2017.

Attacke Juden Kippa Wien Täter © all Der Verdächtige am Schwedenplatz.

Daniel S.: "Angriff war antisemitisch"

ÖSTERREICH-Reporterin Larissa Eckhardt sprach mit Opfer Daniel S.

ÖSTERREICH: Wie ist diese Attacke genau abgelaufen?

Daniel S.: Ich hatte gerade die Synagoge verlassen und war auf der Taborstraße unterwegs, auf dem Weg nach Hause. Plötzlich spürte ich einen festen Tritt von hinten in die Hüfte.

ÖSTERREICH: Hat der Angreifer Ihnen etwas zugerufen?

Daniel S.: Nein, kein Wort. Dieser Angriff kam ohne Vorwarnung. Ich war im ersten Moment total durcheinander. Er muss Anlauf genommen haben, weil er irgendwie aus dem Sprung heraus auf mich eingetreten hat. Es tut mir noch immer weh.

ÖSTERREICH: Hat er Sie dann weiter attackiert?

Daniel S.: Nein. Ich habe mich umgedreht und da sah er mich so hasserfüllt an. In diesem Moment habe ich Angst bekommen. Ich dachte, dass er noch ein Messer dabei haben könnte. Ein Freund hat das Ganze beobachtet und die Polizei gerufen. Sie haben gesagt, dass wir ihm nachgehen sollen. Wir sind ihm dann vorsichtig bis zum Schwedenplatz gefolgt und haben der Polizei immer wieder durchgegeben, wo wir sind. Am Schwedenplatz wurde er dann in der Station von vier Polizisten verhaftet.

ÖSTERREICH: War diese Attacke antisemitisch?

Daniel S.: Ich habe von meinem Freund gehört, der das gesehen hat, dass der Täter zwei andere Männer, nach einer Zigarette gefragt hat, bevor er sie mit Fäusten und Tritten ins Gesicht schlug. Mein Freund hat dann beobachtet, wie er die Taborstraße überquerte und direkt auf mich zuging. Ich glaube, dass dieser Angriff antisemitisch war, weil er nur Juden attackiert hat. Wir waren alle als Juden erkennbar. Ich trug eine Kippa und meinen Zizit sowie eine Tefillin-Tasche. Die anderen Juden trugen auch Kippot.

Attacke Juden Kippa Wien Opfer © TZOe Eckhardt Eines der Opfer, Daniel (22): "Ich habe noch immer starke Schmerzen"

Oskar Deutsch: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"

"Die Liste der antisemitischen Vorfälle wird immer länger und heute ist leider ein weiterer hinzugekommen. Im zweiten Bezirk hat ein Mann junge Gemeindemitglieder attackiert, die eine Kippa trugen und somit klar als Juden erkennbar waren. Gott sei Dank verlief der Angriff für die Opfer relativ glimpflich. Ein Vorfall, der viele schockiert, aber auch zeigt, dass wir uns nicht einschüchtern lassen und uns zur Wehr setzen. In diesem Zusammenhang danke ich unserem IKG-Mitarbeiter Benni Gilkarov! Er wurde heute Augenzeuge und hat die Polizei verständigt. Dann folgte er dem Angreifer aus der Distanz, während er mit der Polizei sprach, um die Position durchzugeben. Auch den Polizisten danke ich, die täglich in enger Kooperation mit unseren Sicherheitsleuten für unsere Sicherheit sorgen. Politisch geht es darum, dass dieses in den letzten Tagen besonders von der FPÖ geschürte Klima der Unsicherheit in eines der Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalts gewandelt wird. Randfiguren wie Rechtspopulisten, Islamisten oder andere Fanatiker dürfen wir nicht gewähren lassen", so Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, gegenüber oe24.at.

Kanzler meldet sich zu Vorfall

Bundeskanzler Sebastian Kurz meldet sich aus den USA zu dem Vorfall in Wien. Die Bundesregierung tue alles, damit jüdisches Leben in Österreich in Sicherheit möglich ist, so Kurz. "Vielen Dank an die #Polizei, die heute bei dem Vorfall in Wien in der #Taborstraße schnell gehandelt und den Täter verhaftet hat, der auch einen Mann mit Kippa angegriffen hat. Ein möglicher antisemitischer Hintergrund wird derzeit von den zuständigen Behörden geprüft", schreibt Kurz auf Twitter.
 
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