Niki Lauda: Sein neues Leben

Aus AKH entlassten, jetzt Reha

Niki Lauda: Sein neues Leben

Niki Lauda (69) ist zurück. So optimistisch sind seine Ärzte. Leben wie zuvor ist möglich.

Vor 72 Stunden ist er aus dem AKH in die Reha entlassen worden, seine Familie hat ihn abgeholt, ein Glücksmoment. Für ihn, aber auch für seine AKH-Ärzte: „Der Motor brummt wieder“, so Primar Walter Klepetko, jener Operateur, der Lauda am 2. August die neue Lunge eingesetzt hat: „Am Fahrgestell müssen wir halt noch arbeiten.“

Lauda-Reha: "Atemübungen, Muskulatur stärken"

Niki Lauda stand auf der Kippe. Er hing damals im August an der Lungenmaschine, war aber wach. Er wusste, dass er ohne neue Lunge nicht überleben würde: „Mit Nachdruck hat er der Transplantation zugestimmt“, so Christian Hengstenberg, Chef der kardiologischen Intensivstation im AKH, zu ÖSTERREICH.

Sieben Stunden dauerte die komplizierte OP, Primar Walter Klepetko führte sie erfolgreich durch: Brustkorb öffnen, alte, kranke Lunge raus, neue rein. Atemwege anschließen, Gefäße, die direkt neben dem Herzen liegen, ebenso. Alles verlief optimal: „Wir haben viel Erfahrung, 120 OPs dieser Art pro Jahr“, so Klepetko, der stolz ist auf das AKH und die Teams, die derart hochkomplexe Erfolge möglich machen.

Jetzt geht es für Lauda in die Reha. Er ist noch geschwächt, hat Probleme beim Stehen, ist wackelig beim Gehen. Besonders muss er darauf achten, keine Infektion „aufzureißen“. Bedeutet: Kein Kontakt zu Haustieren, die sind Bakterienschleudern. Mundschutz bei Gesprächen mit Menschen, die eine Infektion haben könnten.

Wo Lauda die Reha durchführt, wollten die Ärzte nicht sagen. Fest steht: Täglich bis zu sechs Stunden Training. Sitzen, aufstehen, gehen. Atemübungen. Gezielte Ernährung. Langsamer körperlicher Aufbau.

Ein Mal pro Woche muss er zur Nachuntersuchung ins AKH. Dabei werden die Lungenfunktionen getestet, die genaue Medikation überprüft. Das Wichtigste: „Disziplin“, so Arzt Klepetko, „und Zielstrebigkeit. In diesem Punkt haben wir die geringsten Bedenken.“ K. Wendl

Klepetko: "Läuft alles gut, wird Niki so sein wie zuvor"

Walter Klepetko ­setzte Lauda die neue Lunge ein.

ÖSTERREICH: Zufrieden mit dem Zustand Ihres Patienten?

Walter Klepetko: Es geht ihm sehr gut, die Organe funktionieren. Natürlich braucht er jetzt einen intensiven körperlichen Aufbau. Es gibt einen genauen Trainingsplan und viele Leute, die mithelfen, dass es bestens weitergeht. Wenn wir dieses Ziel erreichen, woran wir nicht zweifeln, sollte er in Sachen Lebensqualität bald wieder dort sein, wo er vorher war. Sein Motor brummt, am Fahrgestell ­arbeiten wir noch.

ÖSTERREICH: Können Sie sagen, wie lange die Rehabilitation dauern wird?

Klepetko: Nein, das kann ich nicht abschätzen, das wird sich von Woche zu Woche zeigen. Aber wenn es in dem Tempo weitergeht, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir zügig vorankommen.

ÖSTERREICH: Wie schlimm stand es im August um ihn?

Klepetko: Die Situation war dramatisch, knapp am Ableben des Patienten. Die Transplantation war der einzige Ausweg, das wusste auch er.

ÖSTERREICH: Wie stolz sind Sie auf das Erreichte?

Klepetko: Ja, ich bin stolz auf das AKH, ein tolles Haus, das derartige Möglichkeiten bietet. Wir helfen vielen Menschen in ähnlichen Situationen, aber das wird oft nicht wahrgenommen. (wek)

Jaksch: "30 Jahre ist Niki jetzt mein bester Freund"

Lungenfacharzt Peter Jaksch überwacht Laudas Reha.

ÖSTERREICH: Für die nächsten 30 Jahre ist Niki mein bester Freund, haben Sie gesagt.

Peter Jaksch: Ja, das stimmt, die nächsten 20–30 Jahre werden alle Kontrollen bei uns gemacht, wir haben im AKH ein Team von Betreuern. In den ersten drei Monaten muss er jede Woche kommen, dann alle zwei Wochen, schließlich folgen ein bis zwei Monatsintervalle.

ÖSTERREICH: Wie sehen die Untersuchungen aus?

Jaksch: Blutabnahme, Test der Lungenfunktion, Blutspiegelkontrollen, Röntgen, Bronchoskopie mit Biopsie, Überprüfung der Medikamente, die er schlucken muss. Gibt es Probleme, muss er sich auch an uns wenden, damit wir entsprechend therapeutisch vorgehen können bei Infektionen oder Abstoßungsverdacht. Je nach Befund wird therapeutisch etwas verändert.

ÖSTERREICH: Sie waren mit 10 Lungentransplantierten am ­Kilimandscharo, höchster Berg Afrikas. Haben Sie das auch mit Lauda vor?

Jaksch: Da muss er noch etwas trainieren, vielleicht suchen wir für ihn einen niedrigeren Berg aus. Tatsache aber ist, dass für Lungentransplantierte Höhe kein Problem darstellt. Die Patienten hatten am Kili die gleiche Sauerstoffsättigung wie nicht transplantierte Menschen.

ÖSTERREICH: Wird Lauda wieder fliegen können?

Jaksch: Ja, selbstverständlich. Fliegen, Auto fahren, Sport. Lebensqualität und Leistungsfähigkeit sind gut, sehr viel hängt aber von der Disziplin der Patienten ab. (wek)



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