Dramatisches "Bergamo-Szenario" für Wien

Notfallplan: Rettungsautos als "Intensivstationen"

Insgesamt hat Wien 550 Intensivbetten. Man sucht nach letzten Reserven.

Wien. Die Horror-Prognosen über die Intensivbetten-Belegung mit Corona-Patienten in Wien lassen bei den Einsatzplanern des Krisenstabs die Alarmglocken schrillen.

So sagt AKH-Intensiv­mediziner Thomas Staudinger, dass „in Ostösterreich die Krankenhäuser schon über die Grenze hinaus mit Corona-Kranken belastet sind“. Das „Bergamo-Szenario“ des März 2020, dass Spitalsärzte in italienischen Notaufnahmen entscheiden mussten, welcher Patient noch ein Intensivbett erhält – und wer sich selbst überlassen wird – ist der absolute Horror. Und es rückt näher.

Bettenkapazität wird aufs Maximum erhöht

Aufstockung. Offiziell ­wurde die Zahl der Wiener Intensivbetten für Corona-Patienten durch erste Verschiebungen von Operationen zuletzt auf 310 erhöht. „Im Höchstfall haben wir 550 Intensivbetten in den städtischen Spitälern zur Ver­fügung“, heißt es vom Wiener Gesundheitsverbund.

Rollende Intensivbetten auf Spitalsparkplätzen

Sind die voll, können letzte Restbetten möglicherweise im Heeresspital in Stammersdorf, in Privatkliniken und in anderen österreichischen Spitälern „zusammengekratzt“ werden. Die Kollateralschäden durch ausfallende Operationen wären dann zwar hoch. „Aber da könnten wir gerade noch durchkommen“, heißt es.

Geheimplan. Hinter den Kulissen arbeiten Ex­pertInnen aber schon neue Notfallpläne aus. Die – bisher auf der achtstufigen Krisenskala gar nicht existierende – Stufe 9 wird vorbereitet. Und da verrät ein Insider, dass überlegt werde, einen Teil des Fuhrparks der Rettungsorganisationen – allein die Berufsrettung hat rund 100 Einsatzfahrzeuge vom Notarzt- bis zum Katastropheneinsatzwagen – auf einen Spitalsparkplatz zu stellen.

Diese voll ausgerüsteten Fahrzeuge könnte man zu rollenden Mini-Intensivstationen umfunktionieren, da sie vom Defibrillator bis zum Beatmungsgerät tatsächlich fast so hochwertig ausgestattet sind wie eine Intensivstation im Spital. „Normale Patienten“ würde dann das Heer abholen. Ein Albtraum würde wahr...

Wien-Insider von Joe Galley

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