Schlägerei wegen gepflückter Rosen in Wien-Floridsdorf

Auf dem Weg zu einem Date

Schlägerei wegen gepflückter Rosen in Wien-Floridsdorf

Ein Pensionist ohrfeigte einen Rosenkavalier wegen gepflückter Blumen.

M. (55) war im Sommer 2019 auf dem Weg zu einem Rendezvous. Auf der Jedlersdorfer Straße in Wien-Floridsdorf kam er an einem öffentlichen Rosenbeet vorbei und beschloss spontan, seiner Angebeteten ein paar Blumen zu pflücken. „Ich war an diesem Tag eigentlich bestens gelaunt“, sagte der 55-Jährige zu ÖSTERREICH. Im nächsten Moment geriet der Rosenkavalier in einen Streit mit einem wohlgenährten Pensionisten (70). Die zunächst verbale Auseinandersetzung artete in eine Schlägerei aus. M. musste sich dafür am Bezirksgericht Floridsdorf verantworten.

Der 70-jährige Anrainer hatte sich anfangs beschwert: „Das ist Diebstahl. Ich rufe die Polizei.“ M. konterte aber unbeeindruckt: „Ich wusste nicht, dass es einen Blumen-Sheriff gibt“ und kassierte dafür eine Watsche vom Pensionisten. Bei der anschließenden Schlägerei gewann der schmächtige Romantiker aber die Oberhand. Die Männer stürzten auf die Straße. Der Pensionist erlitt eine Verletzung am Kopf, Abschürfungen; der Rosenkavalier Rippenprellungen. Erst als ein Passant rief: „Hört auf mit dem Blödsinn, ich habe die Polizei gerufen!“, kamen die Raufbolde wieder zur Besinnung.

© TZOE/Artner
Anwalt Andreas Strobl
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Anwalt Andreas Strobl

Angreifer wollte Schmerzensgeld

Bei der Hauptverhandlung versuchte der Pensionist Schmerzensgeld in Höhe von 9.000 Euro geltend zu machen, wegen einer angeblichen Erblindung am linken Augen. Dann drehte er sich zum Rosenkavalier um und pfauchte: „Des wird dich noch einiges kosten.“ Allerdings widerlegte ein medizinisches Gutachten seine Behauptung und führte allfällige Sehprobleme auf das Alter zurück.
In seinem Plädoyer hielt M.'s Anwalt, Andreas Strobl fest, dass die erste Reaktion auf die Ohrfeige von Notwehr gedeckt sein muss, die darüber hinausgehenden Schläge seien nicht mehr notwendig gewesen. M. zeigte sich dazu geständig.

Mildes Urteil

Das milde Urteil: 3 Monate bedingt (bei einem Jahr Strafdrohung) und 1.600 Euro Schmerzensgeld. Der Richter begründete das damit, dass der 70-Jährige als erster zuschlug und auch der Rosenkavalier verletzt wurde. Der 55-Jährige habe aber nicht aus Notwehr mit einem Gegenschlag reagiert, sondern aus Zorn. Ungewöhnlich: Der Pensionist wurde trotz Watsche nicht angeklagt und trotz falscher Aussage nicht von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Ein Happy End gab es für den Rosenkavalier dennoch. M. und sein Rendezvous sind heute ein Paar, verriet er ÖSTERREICH.

Larissa Eckhardt




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