Harter Arbeitskampf

Handel, Metaller, Kindergärtner – Jetzt droht Streik-Welle

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Mega-Demos für mehr Lohn und Personal geplant. 100.000 Kinder sind betroffen.

Mehr Lohn. Die Metaller-Gewerkschaft hat am Montag damit begonnen, sich Streik-Beschlüsse bei österreichweiten Betriebsversammlungen zu holen. Sollte es bei den nächsten Kollektivvertragsverhandlungen am 2. November keine Einigung geben, werde ab 6. November gestreikt.

Bisher bieten die Arbeitgeber 2,5 % Lohnerhöhung plus 1.050 Euro Einmalzahlung. Zusammen mit den Anti-Teuerungs-Maßnahmen der Regierung würde dadurch die Inflation abgedeckt, argumentiert die Arbeitgeberseite. Die Metaller-Gewerkschaften wollen hingegen 11,6% mehr Lohn.

Aufzugsmonteure mit Schildern zu Beginn der Betriebsversammlungen.

Aufzugsmonteure mit Schildern am Montag, 23. Oktober 2023, zu Beginn der Betriebsversammlungen der Metallindustrie nach Abbruch der KV- Verhandlungen in Wien.  

© MAX SLOVENCIK/APA
× Aufzugsmonteure mit Schildern zu Beginn der Betriebsversammlungen.

 

Streik-Beschlüsse. Für Montag wurden, wie die Gewerkschaft PRO-GE mitteilte, rund 80 Betriebsversammlungen österreichweit angesetzt. Aber auch in den folgenden Tagen sind zahlreiche Betriebsversammlungen geplant. Die Gewerkschaft spricht von mehr als 100 Versammlungen am Tag, bei denen mit ähnlichen Beschlüssen zu rechnen sei.

Metaller-Chefverhandler.

Metaller-Chefverhandler.

© oe24
× Metaller-Chefverhandler.

 

Jetzt streiken auch 
Kindergärtner und Co.

Personalmangel. Das Personal der Wiener Kindergärten, Horte und schulischen Freizeitbetreuung demonstrierte gestern ein weiteres Mal für bessere Rahmenbedingungen. Seit Herbst 2021 hat das Personal der Kindergärten, die zunehmend mit Personalmangel zu kämpfen haben, schon mehrmals für bessere Rahmenbedingungen protestiert. Gefordert werden mehr Zeit, Raum, Geld und mehr Personal.

Handel, Metaller, Kindergärtner – Jetzt droht Streik-Welle
© oe24
× Handel, Metaller, Kindergärtner – Jetzt droht Streik-Welle

 

100.000 Kinder. Die Kindergärten der meisten privaten Träger blieben gestern geschlossen, in städtischen Einrichtungen gab es einen Not­betrieb. Von den Auswirkungen der Protestmaßnahmen waren potenziell knapp 100.000 Kinder und deren Familien betroffen.

11 Prozent: Handel will mehr Gehalt

Handels-KV. Das Ringen um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die Handelsangestellten ist am Dienstag gestartet – doch eine Einigung gab es nicht. Die wirkt weit weg. Die Gewerkschaft fordert ein Gehaltsplus von 11 %. Die Arbeitgeber verweisen auf die schwierige wirtschaftliche Lage im Handel und wollen „kreative“ Lösungen für den KV-Abschluss.

Sie stellen auch in Frage, ob die 9,2 % Jahresinflation die Basis für Verhandlungen sein müssen. Es gehe um „eine faire und dauerhafte Erhöhung der Gehälter“, so die gewerkschaftliche Chefverhandlerin Helga Fichtinger (GPA). Die Antwort von WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik: „Heuer wird es ein ganz, ganz schwieriger Verhandlungsprozess.“ So eine „multiplen Krise“ habe es „seit 40 Jahren“ nicht gegeben.

TREFELNIK/FICHTINGER
© APA/EVA MANHART
× TREFELNIK/FICHTINGER

 

Gestern gab es keine Einigung – jetzt ruft die Gewerkschaft zu Betriebsversammlungen auf. Am 9. November soll aber weiterverhandelt werden.

Protestmarsch der Ärzte am 4. Dezember

Die Wiener Ärztekammer will die Medizinerinnen und Mediziner in den Spitälern zwar vorerst doch nicht zum Streik aufrufen. Man wolle nicht in der Grippewelle streiken, wurde betont. Aber stattdessen ist ein Protestmarsch am 4. Dezember geplant.

Bei der Demo wollen die Ärzte ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Verlangt werden u.a. 30 % mehr Gehalt und um ein Drittel mehr Personal. „Es reicht uns“, so der Obmann der „Kurie angestellte Ärzte“, Stefan Ferenci. Die Arbeitsbedingungen würden immer schlechter.

Stefan Ferenci
© APA/EVA MANHART
× Stefan Ferenci

 

Am 4. Dezember will man am Nachmittag durch Wien ziehen. Die Ambulanzen in den Krankenhäusern sollen dazu zumindest pünktlich schließen – das sei nämlich oft nicht der Fall. Gröbere Auswirkungen auf den Betrieb soll es aber nicht geben.

Ein Streik sei erst möglich, wenn es das Krankheitsgeschehen in Wien zulasse, erklärte Ferenci. Ausschließen will man einen solchen aber nicht generell. Falls es keine Gesprächsbereitschaft im Rathaus bzw. bei Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gebe, könnte ein solcher im Frühjahr folgen, hieß es.

Nach der Kundgebung im Dezember will man jedenfalls mit Kampagnen auf die Problematik aufmerksam machen. Erste Plakate und Flyer gibt es jetzt schon. „Ohne uns stirbt Wien“, ist auf denen etwa zu lesen.

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