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Eva Glawischnig

„Die Wahrheit über mein neues Leben“

Eva Glawischnig heuert beim Glücksspielkonzern Novomatic an, einem „Erzfeind“ der Grünen.

Damit hätte niemand gerechnet: Eva Glawischnig lüftete am Freitag das Geheimnis um ihren neuen Job – und es ist ausgerechnet der Glücksspielkonzern Novomatic, bei dem die Ex-Grünen-Chefin mit 1. März angeheuert hat. Als Leiterin des Bereichs „Corporate Responsibility and Sustainability“, einfacher ausgedrückt: Nachhaltigkeit.

Glawischnig Gage: Etwas weniger wie als Klubobfrau

Die Grünen standen der Glücksspielbranche und Novomatic stets kritisch gegenüber. Dass Glawischnig jetzt ausgerechnet dorthin wechselt, sorgt für Empörung bei ihren früheren Parteikollegen. Sie werde ihren kritischen Geist nicht aufgeben, sagt Glawischnig, werde sich bei Novomatic um ökologische Belange und verantwortungsbewusstes Glücksspiel kümmern: „Verbote bringen nichts.“

Über ihre genaue Gage hält sich Eva Glawischnig bedeckt. Sie verdiene etwas weniger als in ihrer Zeit als Klubofrau. Das waren vierzehn Mal im Jahr 14.885 Euro.

Glawischnig im oe24-Talk: »Im 
Herzen bleibe ich immer Grüne«

ÖSTERREICH: Es gibt Riesen-Aufregung um Ihren Job. Was tun Sie bei Novomatic?

Eva Glawischnig: Ich kann die Überraschung und Irritation bei einigen nachvollziehen. Ja, es ist Glücksspiel und Sportwetten, da gibt es auch gesellschaftliche Schattenseiten. Genau darum soll es auch erlaubt, aber reguliert sein. Mein Verantwortungsgebiet dort wird Nachhaltigkeit und auch Spielerschutz im globalen Konzern sein.

ÖSTERREICH: Novomatic war für die Grünen immer eine Art „Teufelsunternehmen“, weil das Automatengeschäft Menschen süchtig machen kann.

Glawischnig: So sind wir ja auch in einen Dialog gekommen. Es gab insbesondere bis 2010 Problembereiche, man hat genau hinschauen müssen. Seit 2011 muss jeder einzelne Automat ans Bundes­rechenzentrum angeschlossen sein. Es gibt sehr strenge Zugangsbarrieren, Jugendschutz und Präventions­arbeit.

ÖSTERREICH: Sie selbst haben Novomatic ebenfalls immer wieder kritisiert. Wie verantworten Sie das moralisch?

Glawischnig: Novomatic hat gerade in den letzten Jahren sehr viel für den Spielerschutz gemacht. Und es gibt mit Harald Neumann einen neuen Generaldirektor, der mich persönlich mit seiner Integrität überzeugt hat. Als selbst begeisterte Sport-Zuseherin habe ich mir früher auch ab und zu im Admiral ein Match angeschaut. Das hat schon Qualität. Das ist auch Novomatic. Wichtig ist letztendlich dabei darauf zu achten, wo problematisches Spielverhalten anfängt.

ÖSTERREICH: Peter Pilz hat gesagt, das wäre so, als würde er zu Eurofighter gehen?

Glawischnig: Vielleicht kommt es ja mal dazu (lacht). Klar ist: Beim Glücksspiel führen generelle Verbote zu Illegalität und dazu, dass ohne Jugend- und Spielerschutz im Hinterzimmer gespielt wird. Dort passieren Geld­wäsche und Kriminalität.

ÖSTERREICH: Das heißt, Sie sind jetzt zuständig für „verantwortungsbewusstes Glücksspiel“? Wie sieht das aus?

Glawischnig: Das wird ­sicher einer meiner Kernbereiche sein. Das sieht so aus, dass Zugangsbarrieren zu 1000 % garantieren, dass nicht ein Jugendlicher seinem Papa die Karte klaut, sondern auch noch ein PIN nötig ist. Ich bin auch direkt unter dem Vorstand für die ökologische Nachhaltigkeit zuständig, weil Novomatic ja auch Industrieproduktion bedeutet. Da gibt es eine Lackieranlage, eine eigene Tischlerei. Bis hin zum Luster werden für Casinos alle möglichen Gegenstände hergestellt.

ÖSTERREICH: Darf man als Grüne überhaupt für Novomatic arbeiten?

Glawischnig: Ich bin seit acht Monaten Privatperson und bringe jetzt meine gesamte berufliche Expertise in einem Management-Job ein. Das Unternehmen ist weltweit erfolgreich tätig, bekennt sich aber voll zum Head Quarter und Tausenden Mitarbeitern in Österreich. Ich habe mich trotz anderer Möglichkeiten bewusst dafür entschieden.

ÖSTERREICH: Einige fordern schon Ihren Parteiausschluss?

Glawischnig: Aus Neutralitäts-Gründen stelle ich meine Mitgliedschaft ruhend.

ÖSTERREICH: Das heißt, Sie sind nicht mehr Mitglied bei den Grünen?

Glawischnig: Ich war von Herzen immer Grüne, werde es bleiben, stelle jetzt aber meine Mitgliedschaft ­ruhend.

ÖSTERREICH: Sie haben den Grünen zu ihren größten Erfolgen verholfen, haben in monatelanger Arbeit Van der Bellen angesungen, dass er antritt. Er wollte ja erst nicht ...

Glawischnig: Er war anfangs sehr skeptisch, ja.

ÖSTERREICH: Warum sind Sie dann zurückgetreten?

Glawischnig: Bei mir war einfach das Pulver verbraucht, das ich hatte. Dann kam die Geschichte mit dem allergischen Schock dazu. Das war einfach Wahnsinn.

ÖSTERREICH: Ein allergischer Schock auf die Überlastung?

Glawischnig: Nein, das war die Birke, die in diesen Tagen geblüht hat. Aber alles zusammen: Neun Jahre an der Parteispitze waren eine lange Zeit. Das ist schon ein Job, den man nicht ewig machen kann ...

ÖSTERREICH: Sie haben gesagt, es war auch zum Teil die Medienöffentlichkeit, die Sie sich nicht länger antun wollten ...

Glawischnig: Ich habe sukzessive begonnen, Musterverfahren gegen Hass in den sozialen Medien zu führen. Das ist auch heute noch mein Anliegen und da bleibe ich dran. Aber natürlich waren viele Dinge nicht lustig, was da alles an Wünschen nach dem allergischen Schock gekommen ist. Ich hätte mir nicht gedacht, dass man Menschen so den Tod wünscht. Irgendwann geht das dann durch den Panzer.

ÖSTERREICH: Dann wollten Sie nicht mehr ...

Glawischnig: Das war dann der Punkt. Keinen Tag mehr.

ÖSTERREICH: Der 25. Oktober muss ein furchtbarer Tag für Sie gewesen sein. Sie wollten Schwarz-Blau immer verhindern. Genau das kommt und dann fliegen auch noch die Grünen raus ...

Glawischnig: Ja, ein trauriger Tag für mich. Für mich war es ein Teil des Lebenswerks. Aber es war offensichtlich nicht abwendbar.

ÖSTERREICH: Sie sind auch zurückgetreten, weil Sie mehr Zeit für die Familie haben wollten ...

Glawischnig: Ich habe das sehr genossen. Mit den Buben, acht und elf Jahre alt – nur für sie da zu sein, das wird aber auch in Zukunft ein Thema bleiben, die Vereinbarkeit zwischen Job und Kindern. Und auch für Partnertime mit dem Volker wieder Zeit zu haben.

ÖSTERREICH: Sie haben jetzt wirklich acht Monate Pause gemacht?

Glawischnig: Ich habe viel gekocht und gelesen, war viel unterwegs in der Natur ...

ÖSTERREICH: Jett erfüllen Sie sich einen Traum und siedeln aus der Stadt hinaus?

Glawischnig: Das war schon länger geplant, jetzt ist es geglückt. Wir werden Niederösterreicher und werden uns an diesem Schotterteich niederlassen. Am Wasser zu sein, das ist ein besonderes Geschenk. Darauf freue ich mich sehr.



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