Viel zu wenig Frauen in der Politik

Aufregung zum Equal Pay Day

Viel zu wenig Frauen in der Politik

Das Parlament als Abbild der Bevölkerung? Im Hinblick auf den Frauenanteil keineswegs.

Wien. Das Parlament sollte als Interessenvertretung der Bürger dieses Landes in soziodemografischer Hinsicht den perfekten Querschnitt der Bevölkerung abbilden. Was das Alter betrifft, mag das in der neuen Legislaturperiode ja gelingen: Das Durchschnittsalter der Parlamentarier sank auf 45,9 Jahre und kommt damit dem auf 42,8 Jahre gestie­genen Altersschnitt recht nahe.
 
Von Mehr- zur Minderheit. Anders und beschämend sieht die Sachlage bei der Geschlechterverteilung aus: Stellen Frauen in der Bevölkerung mit 51 Prozent die Mehrheit, sind weibliche Nationalratsabgeordnete mit 39,7 Prozent deutlich in der Minderheit. Aber anstatt Hoffnung hegen zu können, dass sich die Situation hin zu einem zumindest ausgewogenen Geschlechterverhältnis entwickelt, lehrt die Tendenz Gegenteiliges: Im Vergleich zu 2017 sank der Frauenanteil gar um 0,5 Prozent.

 

Finanzieller Verlust. Mit diesem Ungleichverhältnis im Schoß der Demokratie schießen sich die Parteien nicht nur in moralischer, sondern auch in finanzieller Hinsicht ins eigene Knie: Seit dieser, der 27. Legislaturperiode gilt nämlich eine Frauenquote im Parlament von 40 Prozent. Wer diese überschreitet, bekommt einen Bonus von drei Prozent der Parteienförderung. In diesen Genuss kommen lediglich die Grünen und die SPÖ. Erstere lukrieren für einen Frauenanteil von fast 58 Prozent 96.000 Euro zusätzlich und die Roten (47,5 %) 118.000 Euro. Die Neos gehen mit einem Frauenanteil von genau 40 Prozent leer aus, ebenso wie die geschlechtsparitätischen Schlusslichter FPÖ und ÖVP.
 

Frauenanteil in den Parteien: Linke sind top, Rechte ein Flop

 
Sieht man sich den Frauenanteil der im Parlament vertretenen Fraktionen an, könnte man zu dem Schluss kommen: Je rechter, desto patriarchaler sind die Strukturen. Mit einem Anteil von nur 16,6 Prozent haben Frauen im Parlamentsklub der FPÖ am wenigsten zu sagen. Bei der ÖVP liegt der Frauenanteil mit 36,6 Prozent auch deutlich unter dem Nationalratsdurchschnitt. Die Neos erreichen gerade mal so die Quote von 40 %. Die Lorbeeren heimsen die Sozialdemokraten und die Grünen ein.
 

Equal Pay Day: Ab heute arbeiten Frauen "gratis"

 
In Österreich verdienen Frauen noch immer 20 Prozent weniger als Männer.
 
Der Equal Pay Day beschreibt jenen Tag im Jahr, an dem Männer bereits jenes Einkommen erreicht haben, für das Frauen noch bis zum Jahresende arbeiten müssen. Österreichs Frauen arbeiten heuer somit 72 Tage „gratis“. Diese 72 Tage bis zum 31. Dezember sind das zeitliche Äquivalent zum Gender Pay Gap, also dem geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschied von 20 Prozent in Österreich.
 
Während das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern bei 52.033 Euro liegt, verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen durchschnittlich 41.785 Euro brutto im Jahr. Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den Bundesländern: So wurde der Tag der Einkommensgerechtigkeit in Vorarlberg heuer bereits am 23. September begangen. In Wien sind die Einkommensunterschiede statistisch gesehen am geringsten, da ist es erst am 9. November so weit.


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