Grosz gesagt: Der kritische Blick

Wer zu lange bleibt, den bestraft der Wähler.

Polit-Blogger und oe24-Kolumnist Gerald Grosz kommentiert für Sie die Polit-Woche in seiner bekannt charmanten Art.  

Lieber User und Seher von oe24
Willkommen bei Grosz gesagt, dem überaus kritischen Blick auf die aktuellen Geschehnisse unserer Zeit. Kritisch, direkt, unabhängig und scharf wie Messer. Versprochen!

Am Wiener Wesen wird das coronaverseuchte Österreich genesen. So stellt sich der kleine Virenjäger Michael, auch Bürgermeister Ludwig genannt, die große Welt außerhalb der Bundeshauptstadt vor und übt sich bereits jetzt vorsorglich in der anbrechenden Olympiade der Covid-19-Verschärfungsorgie. Mehr Härte, mehr Zwang, Zucht und Ordnung lautet sein diesbezügliches Motto – zumindest wenn es um Corona geht. Bei allen anderen Themen ist die letzte rote Trutzburg Österreichs nicht so hart, sogar sehr liberal, zu liberal, wie der jüngste Frauenmord mit Asylhintergrund von vor zwei Wochen in Wien zeigt. Wien prescht also vor, überholt selbst die beiden Zuchtmeister Kurz und Mückstein und das noch vor dem magischen Wahltag, dem nahen 26. September 2021. Ab 1. Oktober werden alle Bürger – egal ob geimpft oder ungeimpft – in Wien wieder in eine Pestmaske gezwungen. Das Mittel der Wahl ist die gute alte FFP2-Maske, der räudige Mund-Nasenschutz hat wegen chronischer Erfolglosigkeit ausgedient. Die Geimpften fühlen sich genarrt, denn für sie ist ja – wenn‘s nach Bundeskanzler Kurz geht – die Pandemie längst beendet.

So hieß es doch, so wurde es versprochen. Und tatsächlich wurde ja dem Volke vorhergesagt, dass man mit der rettenden Impfung das moderne Vireninferno, die Wuhaner Höllenqualen hinter sich gebracht hätte. Ein Satz mit X, war wohl nix. Und so genießen Wien und Österreich die letzten Tage in unbeschwerter, spätsommerlicher Freude, denn längst pfeifen die Spatzen von den Dächern des Wiener Regierungsviertel, dass ohnedies für das ganze Land nach dem Wahltag in Oberösterreich und Graz, also wenn die braven und demütigen Wahlschafe ihre türkis/grünen Stimmen in die Urne geworfen haben, die Freiheit endenwollend ist. Die freiheitsraubenden Giftpfeile im Köcher von Bundeskanzler Kurz und seinem treuen Corona-Laborassistenten Mücke Mückstein haben es in sich: Die drei G-Regel wird von der Gastronomie auf den gesamten beruflichen Bereich ausgeweitet. Keine Arbeit und damit kein täglich Brot ohne Impfung oder regelmäßigen Test.

Dass damit ein Drittel der Menschen von ihrem Arbeitsplatz und von ihrem Lohn und Gehalt ausgesperrt werden, scheint nicht einmal die idealistischen Arbeiterführer, die Gewerkschaftsfunktionäre zu jucken. Die Gastro hingegen wird – wenns nach den strafverschärfenden Plänen der Regierung geht - auf 2-G verkürzt, das heißt nur mehr Geimpfte und Genesene dürfen die Pforten ihres Lieblingswirten überschreiten. So hört man es zumindest hinter den Kulissen der politischen Kerkermeister. Dass es ausgerechnet die ohnedies gepeinigte Gastronomie wieder als Erster trifft, wird als kalkulierbarer Kollateralschaden hingenommen. Das Perfide ist, dass die Gastronomen auf die Nichtgeimpften als treue Kunden verzichten müssen, denn die werden von Kurz und Co ausgesperrt, der Umsatzentgang durch die ausbleibenden Kunden wird den Wirten hingegen nicht ersetzt. Das passt gut in das Bild der Branche, die seit Monaten nach wie vor um ihr Überleben kämpfen muss. Nicht nur, dass man die Gastro monatelang sperrte, so fehlen diesem Pfeiler unserer Wirtschaft auch dringend gebrauchte Arbeitskräfte.

Fast ein Drittel des Personals wurde – freundlicherweise durch das Arbeitsmarktservice – während der Lockdowns um- und vom Herd und den Lokalen weggeschult. Ein Hoch auf die Weitsicht unserer Regierung. Und dieser Wirtschaftszweig soll nun nach den Wahlen in Graz und Linz wieder büßen, als ob die Last des Wahnsinns nicht ohnedies schon genug wäre. Eine österreichweite Maskenpflicht – egal ob für Geimpfte oder Ungeimpfte – steht auch ins Haus. Das Wiener Vorbild wird also auf das gesamte Bundesgebiet ausgerollt. Dass dieser Alarmismus ausgerechnet der Tatsache geschuldet ist, dass in der Bundeshauptstadt mit 1,9 Millionen Einwohnern und den meisten Intensivbetten im Lande gerade einmal 88 Corona-Infizierte auf der Intensivstation liegen, muss man dem aufgebrachten Bürger, der angesichts solcher Zahlen zurecht die Welt nicht mehr versteht, erst einmal erklären. Aber es war klar: Zahlen hin oder her, die Zeit der Angst und Panik ist wieder angebrochen. Ausgebrochen ist jüngst auch ein Streit zwischen der ÖVP und der FPÖ, der sogar in einer Du-Wort-Aufkündigung im Parlament mündete. Innenminister Nehammer entzog Herbert Kickl das Du-Wort.

Der ist sicherlich sehr traurig darüber. Aber zur Vorgeschichte: Der Kanzlerintimus und Wiener Berater Wolfgang Rosam beschuldigte Herbert Kickl jüngst in der Sendung Fellner Live auf oe24.tv, dass sich ausgerechnet der blaue Klubchef still und heimlich impfen habe lassen. Dies ließ der Ungeimpfte und gegen den Corona-Wahn wetternde Kickl nicht lange auf sich sitzen, klagte seinerseits Rosam, der sich nun in Folge so zu verteidigen versucht, er habe ein gehörtes Gerücht nur so weitergegeben. Ja, nicht jedes Gschichtl stimmt und Recherche war noch nie die Stärke des Fallstaff-Herausgebers. Aber nun ist es amtlich, Österreichs Politik wird nun durch Gerüchte bestimmt. Aber das war doch immer schon so, oder? Sie erinnern sich sicherlich an Tal Silberstein, den roten Wahlkampfberater von Christian „Prinzessin Glaskinn“ Kern, der eine Sudelkampagne aus Gerüchten gegen Sebastian Kurz höchstselbst fuhr. Die ÖVP beschwerte sich darüber zu Recht, die SPÖ wurde in Folge vom Wähler eindrucksvoll abgestraft. Dass ausgerechnet diesmal das Beraterumfeld von Kurz diese verächtlichen Silbersteinmethoden anwendet, ist hingegen neu. Aber wie gesagt: Wasser predigen, Wein saufen, war schon immer eine christlich-soziale Tugend, wie wir Klosterbrüder sagen würden. Die Christlich-Sozialen in Deutschland werden hingegen bei der Bundestagswahl eine Abfuhr erhalten. Denn wer zu lange bleibt, den bestraft der Wähler, sagt der bundesdeutsche Volksmund mit Blick auf Merkel, deren Jahre schon allzu lange gekommen waren. Nun können sich ihre Erben mit den Folgen Angelas Sesselklebens herumschlagen. Armin Laschet, glückloser Masseverwalter der Reste von Mutti-Merkel wird – wenns nach den Vorhersagen geht – das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der deutschen Schwesterpartei der ÖVP verantworten müssen. Dass ausgerechnet eine linke Koalition aus der SPD, der SED-Nachfolgepartei Honeckers Die Linke und den GrünInnen droht, scheint die Deutschen nach den Jahren mit Merkel auch nicht mehr zu schrecken.

Man könnte angesichts dieser Entwicklung und der Verortung der Schuldigen meinen: Angela Merkel, die Rache Honeckers an Deutschland. Olaf Scholz, der farblose SPD-Kandidat, der es nicht einmal zum Parteivorsitzenden gebracht hat, könnte tatsächlich neuer deutscher Bundeskanzler werden. Und es bewahrheitet sich die alte Volksweisheit: Es kommt halt selten was Besseres nach. Den deutschen Wählern rufe ich wenig politisch korrekt zu: Es ist nicht ratsam, mit dem Bettler Stecken zu tauschen. Wechselstimmung verortet man in Graz und in Oberösterreich hingegen nicht. Am kommenden Sonntag sind Linz und Graz die Mittelpunkte österreichischer Innenpolitik. Sowohl der oberösterreichische Landeshauptmann Stelzer, als auch der Grazer Bürgermeister Nagl führen unumstritten und mit Respektabstand. Und das wird auch so bleiben, wenn man den Umfragen trauen kann. Die Sozialdemokraten hingegen werden ihre Serie der Niederlagen fortsetzen. Sowohl in Oberösterreich als auch in Graz spielen sie keine Rolle mehr und werden dies auch in absehbarer Zeit nicht tun. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis man an der der glücklosen Pamela Joy Rendi Wagner wieder sägt, der ein großer Anteil am prognostizierten Misserfolg bereits jetzt schon parteiintern zugeschrieben wird. Sehr zum Missfallen von Bundeskanzler Kurz und seinem grünen Regierungspartner Werner Kogler könnten sich die Freiheitlichen unter Herbert Kickl an diesem Wahlsonntag wieder positiv hervortun.

Umfragen prognostizieren der FPÖ in Oberösterreich den 2. Platz und auch in Graz dürften sich die Blauen nach dem Fiasko um Strache und dem hatscherten Interregnum mit Norbert Hofer wieder stabilisieren. Stagnieren könnten hingegen die GrünInnen. Ja die Bäume wachsen nicht in den Himmel, schon gar nicht, wenn man in der Bundesregierung genau das vollziehen muss, was man zuvor jahrelang selbst bekämpft hat. Und die Neos? Ja, die Pinken grundeln unter der Wahrnehmungsgrenze dahin. Kein Mensch weiß, ob sie tatsächlich in den Linzer Landtag einziehen und ihre Mandate im Grazer Gemeinderat verteidigen. Aber: Das letzte Wort hat der Wähler am Sonntag und der hat bekanntlich immer recht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein spannendes Wochenende und bleiben Sie mir treu, wenn es nächste Woche wieder heißt: Grosz gesagt.


  



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