Aktivist:innen besetzen NÖ-Schweinemastbetrieb

1200 Mastplätze, erbaut 2015 mit Fördermitteln österreichischer Steuerzahler, AMA geprüft aber grauenhafte Zustände.

Woche für Woche und Monat für Monat vergehen, und nichts passiert gegen die Schweinehaltung auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu, obwohl 96 Prozent der österreichischen Bevölkerung, so der Verein gegen Tierfabriken (VGT), eine Änderung wünschen. Aber Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger wiegelt, so der VGT, ab, es ginge alles nicht so schnell!

Tierschützer:innen dachten offenbar eher an "die armen Schweine" des Betriebes und besetzen am 20. Juli ab 6 Uhr früh kurzerhand einen Schweinemast-Betrieb bei Obermamau nahe St. Pölten. Laut einem Artikel in einer Landwirtschaftszeitung hat der Betrieb 1200 Mastplätze für Schweine, wurde 2015 mit Fördermitteln erbaut, ist AMA zertifiziert und wird vom Tiergesundheitsdienst betreut.

Außen hui, innen pfui

Alles Beruhigungspillen, so die Tierschützer:innen, für die besorgte Öffentlichkeit, aber ohne reale Wirkung. Innenaufnahmen aus der Schweinefabrik, die dem VGT zugespielt wurden, zeigen horrende Zustände. Die Tiere haben große, blutende Wunden, abgebissene Ohren und Schwänze. Zusätzlich ist alles mit Kot verklebt, die armen Schweine vollkommen verdreckt. Mit ihren blutenden Wunden müssen die Tiere unversorgt im Dreck liegen. Die Aktivist:innen fordern ein Verbot der Schweinehaltung auf Vollspaltenboden, verpflichtende Stroheinstreu und mindestens doppelt so viel Platz für die Tiere.

VGT-Obmann Martin Balluch war vor Ort: "80 Schweine sterben pro Stunde österreichweit an diesen Haltungsbedingungen auf scharfkantigen Spalten ohne Stroh. Und dennoch sagen die Betreiber:innen dieser Schweinefabrik in den Medien, dass sie stolz auf ihren Stall sind und wieder so bauen würden. Ohne Stroh. Vielleicht sind sie auch stolz auf die vielen abgebissenen Ohren, auf die blutenden Schwänze, auf die offenen Wunden ihrer Tiere. Vielleicht auch auf den Kot, der überall klebt. Diese Haltung ist eine Katastrophe und sicher nicht eines Landes würdig, das Tierschutz als Staatsziel in der Verfassung anführt. Und diese Katastrophe finanzieren wir Steuerzahler:innen auch noch mit! Den Besetzer:innen ist beizupflichten: es reicht! Das Verbot muss jetzt sofort erlassen werden. Von selbst ändern sich solche Menschen, die auf derartige Zustände stolz sind, sicher nicht!"

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 1. August 2021, hier in voller Länge sehen.

Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 8. August 2021, 18:30 Uhr.



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