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Tiertransportschiffe: Die gefährlichsten Schiffe der Welt

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Ein neuer Report und Film von Animal Welfare Foundation enthüllen gravierende Mängel und Gefahren. 

64 Tiertransportschiffe sind derzeit von der EU zugelassen europäische Tiere in EU-Häfen zu laden, um sie in Drittländer zu exportieren. Dieser Handel im Wert von mindestens 1,5 Milliarden Euro wird auf völlig unzulänglichen und überfüllten Schiffen durchgeführt. In Reaktion darauf, veröffentlicht die deutsche Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation e.V. (AWF) gemeinsam mit der französischen Umweltschutzorganisation Robin Des Bois einen umfangreichen Report zur Seetauglichkeit, Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Eignung in Hinblick auf Gesundheit und Tierschutz in Europa zugelassener Tiertransportschiffe.

Die Zahlen und die Aufnahmen dazu sprechen eine eindeutige Sprache: Der Transport lebendiger Tiere auf maroden Kähnen über das Meer muss sofort enden. Mindestens aber braucht es die Einhaltung international verbindlicher Standards. Die Organisation fordert die Europäische Union und ihre Kommission auf, nach weiteren drei Jahren lähmender Untätigkeit endlich Verantwortung in diesem Prozess zu übernehmen.

Alarmierender Stillstand: EU-Kommission vernachlässigt Sicherheit von Tiertransportschiffen trotz dringender Empfehlungen 

Bereits vor drei Jahren lag der EU-Kommission ein erster gemeinsamer Report zu 78 in der EU zugelassenen Tiertransportschiffen vor. Der diesjährige Bericht zeigt, dass die EU und ihre Kommission in diesen drei Jahren in inakzeptable Untätigkeit verfallen sind – und das entgegen der Empfehlungen ihrer eigenen Untersuchungsausschüsse. Heute herrscht diese Realität vor: Das durchschnittliche Tiertransportschiff ist ein fast 43 Jahre altes Schiff, das nur noch durch Rost und Hoffnung zusammengehalten wird. Vormals diente es als Frachtschiff, Autofrachter, Kühltransporter oder Containerschiff, aber seine Sicherheit reichte für diesen ursprünglichen Zweck nicht mehr aus. Für den Transport lebender Tiere scheint das jedoch kein Hemmnis zu sein. Tierwohl war nie eine Kategorie bei der Verwendung dieser Schiffe, die Seetauglichkeit und Sicherheit wurden ebenfalls ignoriert. Transporte lebender Tiere über den Seeweg dürfen auf diesen seeuntauglichen, unwürdigen und schlicht gefährlichen Schiffen so nicht weitergeführt werden.

Auch 2024 fahren knapp die Hälfte der in der EU zugelassenen Tiertransportschiffe unter einer Landesflagge, die vom Paris Memorandum of Understanding (Paris MoU) als schwarze Flagge aufgeführt wurde (bspw. Togo, Sierra Leone oder Tansania). Dies bedeutet, dass die Schiffe ein außerordentlich hohes Risiko für den maritimen Schiffsverkehr, aber auch für das Leben der Tiere und Besatzung an Bord sowie für die Umwelt darstellen. Selbst Schiffe, die unter einer grauen Flagge fahren, weisen noch so viele Mängel und Risiken auf, dass einige dieser Schiffe bis zu 10-mal in Häfen festgehalten wurden. Ein permanenter Bann dieser schwarz- und grau geflaggten Schiffe, gerechtfertigt aufgrund ihrer immensen Mängel, folgte aber zwischen 2021 und 2023 und bis heute nicht.

In der Schifffahrtsindustrie werden Schiffe, die aufgrund von Mängeln an Häfen festgehalten werden, in der Regel aus dem Verkehr gezogen und verschrottet. Ihr Schiffsrisiko-Profil ist inakzeptabel und sie werden in Häfen identifiziert und typischerweise von Inspektoren ins Visier genommen. Was den Lebendtiertransport betrifft, scheint es jedoch einen stillen Konsens zu geben, genau das zu vermeiden. Vor drei Jahren wurden 17 Schiffe als signifikantes Risiko identifiziert. 15 von diesen 17 Schiffen sind aber weiterhin von der EU zugelassen.

Unter den 64 von der EU zugelassenen Tiertransportschiffen finden AWF und Robin des Bois nur 4 Schiffe, die ursprünglich auch für den Tiertransport gebaut wurden. Alle anderen Schiffe wurden nach rund 30 Jahren auf See umgerüstet. Ein Film des AWF zeigt, dass scharfe Kanten, Rost und defekte Streben sowie steile Rampen dazu führen, dass die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere an Bord zu keiner Zeit garantiert werden können.

Tiertransportschiffe: Mangelnde Sicherheit und Gefährdung des Tierwohls auf umgerüsteten Schiffen 

So reiht sich in der maritimen Tiertransporthistorie ein Desaster an das nächste. Szenen wie jüngst auf der AL KUWAIT oder der BAHIJAH im Roten Meer sind auch in europäischen Gewässern an der Tagesordnung – wie es erst vor kurzem mit der ELBEIK und KARIM ALLAH deutlich wurde. Tausende Tiere verbringen gar Wochen auf ihren schwimmenden Gefängnissen, knöcheltief im eigenen Kot stehend - Hitze, Lärm, Krankheit und letztlich dem Tod schutzlos ausgeliefert.

Appell zum Handeln: AWF und Robin des Bois fordern dringende Maßnahmen gegen das Leid auf defekten Tiertransportschiffen 

Iris Baumgärtner, AWF-Projektleiterin, und Charlotte Nithart, Leiterin Kampagnen bei Robin des Bois, finden klare Worte: „Drei Jahre liegt der letzte Gemeinsame Bericht von AWF und Robin des Bois nun zurück. Drei Jahre, in denen das Leid der Tiere an Bord defekter Schiffe einfach so in Kauf genommen wurde. Drei Jahre, in denen die EU und ihre Kommission keinen Finger gerührt haben. In diesen drei Jahren ist eines noch klarer geworden: Die EU-Legislative muss sich endlich der brutalen Realität der Schiffstransporte lebendiger Tiere stellen und handeln.“

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 31.03.2024, hier in voller Länge sehen.

Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 02.04.2024, 18:30 Uhr   

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