Tödliches Erbe gefährdet Meeresbewohner

In der Nord- und Ostsee dämmern tödliche Weltkriegsrelikte wie Bomben und Minen vor sich.

In den Gewässern der Nord- und Ostsee vor den Küsten von Deutschland und Großbritannien liegt noch tonnenweise Munition aus dem 2. Weltkrieg und der Zeit des Kalten Krieges auf dem Meeresgrund. Dort frißt sich seit Jahrzehnten das Salzwasser in die Metallhüllen der Bomben und Minen. Durch diesen Zersetzungsprozess der tödlichen Waffen werden deren giftige Inhaltsstoffe frei und verseuchen das Meerwasser. Im schlimmsten Falle detonieren die Kriegsrelikte letztendlich und werden so zur tödlichen Gefahr für Meereslebewesen.

Diese Detonationen, deren Schallwellen sich rasend schnell und ungehindert über weite Strecken unter Wasser ausbreiten, sind, beispielsweise, für Meeressäuger wie Wale eine vernichtende Gefahr. Diese lärmsensiblen Lebewesen werden durch Schalwellen aus Detonationen stark irritiert und desorientiert. Ihre auf Akustik beruhendes Ortungs- und Orientierungssystem wird gestört. In weiterer Folge kann diese Störung dazu führen, dass Wale stranden, dort nicht mehr zu retten sind und in seichten Küstengewässern verenden.

Rund 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition (Spreng- und Brandbomben) und bis zu 300.000 Tonnen chemischer Munition (Senfgas und Tabun) liegen größtenteils verborgen am Grund von Nord- und Ostsee beziffert der deutsche NABU (Naturschutzbund). Die Munition stammt nicht nur von Kämpfen aus den beiden Weltkriegen, sondern um die Waffen der Deutschen nach Ende der Weltkriege zu vernichten, sahen die Allierten keine andere Möglichkeit als die Waffen im Meer zu versenken. Hinzu kommen zahllose Blindgänger und aus der Luft abgeworfene Seeminen, die nach 70 Jahren immer mehr zu einer tickenden Zeitbombe werden.

Deren Folgen:

• Mindestens acht Schweinswale wurden durch Schalltraumata getötet, die Schockwelle zerriss Gewebe, führte zu Organ- und Gehörschäden.
• Die Explosionen von jeweils über 300 Kilogramm Sprengstoff führten noch in mehreren Kilometern Entfernung zu tödlichen Verletzungen.
• Noch in über 20 Kilometern Entfernung wurde der Grenzwert von 160 Dezibel zum Schutz von Schweinswalen überschritten.
• 39 der Explosionen zerstörten geschützte Riffe in einem Radius von bis zu 30 Metern.

Die Munitionskörper korrodieren im Salzwasser und entlassen ihre giftigen Inhaltsstoffe in die Umwelt: krebserregendes und erbgutschädigendes TNT, leicht entflammbares Phosphor und Schwermetalle wie Quecksilber und Kadmium. Gleichzeitig stören Granaten oder Torpedos den Bau von Offshore-Projekten wie Windparks oder Pipelines. Immer wieder werden Bauarbeiten verzögert, verteuert und es gibt kein gemeinsames Rämungskonzept.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 22. November 2020, hier in voller Länge sehen.

Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 29. November, 18:30 Uhr.


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