Maria: Sie wurde für 500 Euro verkauft

Opfer des Baby-Handels

Maria: Sie wurde für 500 Euro verkauft

Trotz tausender Hinweise verläuft die Suche nach Marias leiblichen Eltern bisher im Sand.

Der Fall Maria nimmt immer dunklere Formen an und führt direkt in Tiefen des internationalen Baby-Handels: Wie griechische Medien berichten, soll das blonde Mädchen, das die Polizei vergangene Woche bei einer Routine-Kontrolle in einer Roma-Siedlung nahe Athen fand, als Baby von ihren leiblichen Eltern verkauft worden sein. Gerade einmal 500 Euro sollen die Zieh-Eltern der bulgarischen Mutter bezahlt haben. Babis Dimitriou, Chef der Roma-Gruppe: „Die echten Eltern sind Bulgaren, die in Griechenland arbeiten.“ Aber: Trotz Tausender Hinweise fehlt von ihnen jede Spur.

Maria musste mit Tanzen Geld für Zieheltern verdienen

Daily Mail veröffentlichte ein Video, in dem Maria für Bettelgeld tanzen musste. Als sie entdeckt wurde, war sie dreckig, jetzt lebt sie im Kinderheim: „Es geht ihr gut, sie wirkt nur völlig schüchtern“, sagt Polizeichef Vassilis Chalastis (siehe unten). Eine Untersuchung der Zähne ergab, dass sie fünf oder sechs Jahre alt sein soll – nicht wie zuerst angenommen vier Jahre alt. Sie spricht Roma und versteht auch Griechisch.

Polizei vermutet Fall von Sozialbetrug im großen Stil

Die Zieh-Eltern Christos Salis (39, wegen Raubes polizeibekannt) und Eleftheria Dimopoulou (40) wurden am Montag befragt. Sie blieben bei ihrer Version, dass ihnen eine Bulgarin Maria überließ, weil sie sie nicht großziehen konnte. Und: „Wir lieben sie. Wir gaben ihr alles.“ Das Paar bleibt 72 Stunden in Haft. Die Polizei vermutet einen Sozialbetrug im großen Stil. Salis und Dimopoulou gaben an, 14 Kinder zu haben – und kassierten vom Staat 2.790 Euro pro Monat.

Zieh-Mutter will drei Kinder in sechs Monaten geboren haben

Die Zieh-Mutter von Maria hat zu ihren Kindern unglaubwürdige Angaben gemacht.

Die Roma-Familie hat bei den Sozialbehörden 14 Kinder angegeben und dafür 2790 Euro Kindergeld kassiert. Bei genauer Überprüfung der Dokumente stellte sich heraus, dass einige Angaben nicht stimmen können: So soll die Frau zwischen Juni und November 1993 drei Kinder zur Welt gebracht haben. 1994 will sie in vier Monaten drei weitere Kinder geboren haben. Nun werden von allen Kindern DNA-Proben genommen und verglichen.

Polizeichef: "Mädchen ist noch völlig schüchtern"

ÖSTERREICH: Wo ist Maria jetzt und wie geht es ihr?

Vassilis Chalastis: Dem Mädchen geht es gut, es ist nur völlig verschreckt und schüchtern. Es ist in einem Kinderheim untergebracht, hat neue Kleidung bekommen, spricht wenig.

ÖSTERREICH: Haben sich die biologischen Eltern des Kindes schon gemeldet?

Chalastis: Wir haben eine Vielzahl von Hinweisen, doch der entscheidende ist noch nicht dabei gewesen. Jetzt werden alle Daten über die Zieheltern des Kindes an Interpol weitergeleitet, vielleicht erhalten wir so die nötigen Hinweise. Die Zieheltern sind heute von der Staatsanwaltschaft in Larisa befragt worden, die nächsten 72 Stunden bleiben sie in Haft. Danach wird entschieden, was weiter passierten wird.

ÖSTERREICH: Weshalb ist die Roma-Siedlung überhaupt überprüft worden?

Chalastis: Das war eine reine Routineuntersuchung. Überprüft werden sollte, ob alle Angaben der Familien zu ihren Kindern auch richtig sind und ob die Angaben mit den vorhandenen Dokumenten übereinstimmen. Dabei ist das Mädchen aufgefallen, aber auch andere Ungereimheiten.

(prj, wek)