Corona-Alarm beim isoliertesten Volk der Welt

Todesinsel in Gefahr

Corona-Alarm beim isoliertesten Volk der Welt

Wer ihre Insel betritt, wird sofort getötet. Nun bedroht Corona die Steinzeitmenschen.

Mehrere Corona-Fälle beim kleinen indigenen Volk der Groß-Andamaner haben in Indien Sorgen um die Ureinwohner der Andamanen-Inseln im Indischen Ozean ausgelöst. Nach Behördenangaben wurden bisher zehn Groß-Andamaner positiv auf das Coronavirus getestet.
 

Wer diese Insel betritt, wird getötet

Damit bedroht das Coronavirus auch die Sentinelesen, einem direkten Nachbarvolk. Die „Steinzeitmenschen“ leben völlig isoliert auf ihrer Insel und töten jeden, der ihr Territorium betreten will. Der gewaltsame Tod des 27-jährigen US-Bürgers John Chau hat das wohl am stärksten isolierten Volk der Erde vor zwei Jahren in den Blickpunkt gerückt. Gegen das Coronavirus sind aber wohl auch die Steinzeitmenschen machtlos.
 
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Über das winzige Inselvolk, das jeglichen Kontakt zur Außenwelt und moderne Einflüsse auf seine Lebensweise ablehnt, ist nur wenig bekannt. Die indische Regierung akzeptiert den Wunsch der Inselbewohner nach Abgeschiedenheit und verbietet es, sich den Bewohnern auf weniger als fünf Kilometer zu nähern. Auf das Fotografieren und Filmen der Sentinelesen stehen mittlerweile strenge Strafen. Umso größer ist die Faszination, die das Inselvolk ausübt.
 
North Sentinel gehört zu den indischen Andamanen und liegt etwa 50 Kilometer westlich von Port Blair, der Hauptstadt des Archipels im Indischen Ozean. Mit einer Fläche von rund 75 Quadratkilometern besitzt die Insel nur weniger als ein Fünftel der Größe von Wien.
 
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Seit 60.000 Jahren isoliert

Nach Angaben der Organisation Survival International, die sich für den Schutz indigener Völker einsetzt, stammen die Sentinelesen von den ersten Gruppen des Homo sapiens ab, die von Afrika in andere Erdteile wanderten. Auf den Andamanen leben sie demnach bereits seit 60.000 Jahren. Andere Experten halten dies nicht für erwiesen, gehen aber zumindest davon aus, dass die Sentinelesen bereits seit mehreren tausend Jahren dort siedeln.
 
Da Fremden der Zugang zu North Sentinel verboten ist, kann die Zahl der Bewohner nur geschätzt werden. Es sollen rund 150 Sentinelesen sein. Auf den wenigen Fotos, die aus der Luft von ihnen gemacht wurden, ist zu erkennen, dass sie dunkle Haut haben und keine Kleidung tragen.
 
Allerdings fertigen sie offenbar aus Blättern und anderen Naturmaterialien Schmuck wie Ketten oder Stirnbänder an. Chau schrieb kurz vor seinem Tod nieder, dass die Inselbewohner etwa 1,65 Meter groß und ihre Gesichter mit gelbem Puder bemalt seien.
 
Die Sentinelesen sind ein Volk der Jäger und Sammler und finden ihre Nahrung im Wald, der praktisch ihre gesamte Insel bedeckt, sowie im Meer. Laut Survival International ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die Entwicklung der Sentinelesen in der Steinzeit stehen geblieben ist. Ebenso verwendeten sie mittlerweile auch Metall, das sie auf Schiffswracks finden oder das vom Meer angespült wird.
 
Der indische Anthropologe T. N. Pandit gehört zu den wenigen Fremden, die die Sentinelesen je von Nahem gesehen haben. Im September erzählte er der Wissenschafts-Website "Down to Earth", bei seiner Expedition im Jahr 1967 auf North Sentinel habe er eine Siedlung mit 18 Hütten und großen Lebensmittelvorräten gesehen, darunter Früchte und geräucherter Fisch.
 

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