Nach Europa

Flüchtlinge schildern Horror-Reise

Flüchtlinge schildern Horror-Reise
© AFP
194 Migranten berichten von ihrer hoffnungslosen Situation.
OE24 auf Google bevorzugen

Suleiman ist 25 Jahre lang und kommt aus Mali. Drei Tage lang verbrachte er im Mittelmeer an Bord eines aus Tripolis abgefahrenen Flüchtlingsbootes, bevor er von einem Frachtschiff gerettet und in den Hafen Catania gebracht wurde. "Ich will nach Paris, wo ich Bekannte habe. In Mali gibt es keine Zukunft, Europa ist die Rettung", sagt Suleiman.

In Libyen ausharren
Mehrere Wochen lang musste Suleiman vor der Abfahrt in Libyen ausharren. Er ist einer der 194 Flüchtlinge, die am Dienstag in Catania eingetroffen sind. Zu ihnen zählen auch 18 Frauen und zwei Minderjährige. Bei ihrer Ankunft in Catania war Grünen-Chefin Eva Glawischnig anwesend, die sich gemeinsam mit dem Grünen EU-Abgeordneten Michel Reimon und Menschenrechtssprecherin Alev Korun ein Bild der Lage der Bootsflüchtlinge an Ort und Stelle machen wollte.

Fünf Särge
Aus dem Frachtschiff wurden fünf Särge abgeladen. "Es könnte sich noch um Menschen handeln, die bei der großen Flüchtlingstragödie mit über 800 Toten vor zwei Wochen ums Leben gekommen sind", vermutet ein Sprecher des italienischen Zivilschutzes im Gespräch mit der APA. Bei Temperaturen von bis zu 30 Grad stehen die Flüchtlinge geduldig Schlange, um ihre Fingerabdrücke abzugeben und identifiziert zu werden. Der Geruch ist stark, das Personal des Zivilschutzes und des Roten Kreuzes hat alle Hände voll zu tun. Viele Flüchtlinge haben bei der Überfahrt ihre Schuhe verloren, die meisten tragen nur noch zerfetzte T-Shirts. In gebrochenem Französisch berichten sie über Verzweiflung, Gewalt und Hoffnungen auf ein besseres Leben in Europa.

"Wenn ich nur gewusst hätte, dass die Reise so hart sein würde, wäre ich nie abgefahren. Freunde hatten mir berichtet, dass es einfach sei, nach Libyen und dann nach Europa zu gelangen. Ich bin Christin, die Lage ist in meiner Heimat Nigeria für uns nicht einfach. Ich habe mein Jus-Studium nicht abschließen können, denn das Geld genügte nicht. So habe ich beschlossen, die Reise nach Europa zu wagen. Ich habe eine Bekannte in Deutschland, die ich gern erreichen würde, doch wenn ich gewusst hätte, dass alles so schwierig sein würde, hätte ich all dies nie unternommen", berichtet die 25-jährige Joy, eine magere junge Frau mit eng geflochtenen Haaren, die allein die Reise nach Sizilien geschafft hat.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden