Einer der Embryonen unter dem Mikroskop

Durchbruch für die Transplantationsmedizin

Forscher erzeugen Mischwesen aus Affe und Mensch

Wissenschaftler haben Embryonen aus Menschen- und Affenzellen hergestellt und in der Petrischale wochenlang am Leben erhalten.

Es klingt wie ein Grusel-Experiment, soll aber die Menschheit im Kampf gegen Krankheiten voranbringen. Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, mehrere Mischwesen aus Mensch und Affe zu erschaffen – sogenannte Chimären. Der Versuch gilt als Durchbruch für die Transplantationsmedizin.

Die Wissenschaftler setzten menschliche Zellen in Affen-Embryos ein, wie das Fachmagazin "Cell" berichtet. Diese Mischwesen sind nicht geboren, sondern wuchsen maximal 20 Tage lang in Petrischalen heran.

Der Leiter der Studie, Juan Carlos Izpisua Belmonte, machte die Ankündigung des Experiments bereits vor zwei Jahren und wurde bereits damals kontrovers diskutiert. Jetzt reicht der Forscher vom renommierten "Salk Institute" im kalifornischen San Diego mit einem internationalen Forschungsteam die entsprechende Studie im Fachmagazin "Cell" nach. 

So lief das Experiment mit Mensch-Affe-Embryos

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Versuche sechs Tage alte Embryonen von Javaner-Affen, denen sie 25 pluripotente Stammzellen einsetzten. Die menschlichen Stammzellen integrierten sich in die verschiedenen Zellschichten des Embryos und beteiligten sich dann an der weiteren Entwicklung.

In den folgenden Tagen lebten die menschlichen Zellen in dem Affen-Embryo nicht nur weiter, sondern vermehrten sich und entwickelten mehrere wichtige Zelllinien. Das Mischwesen erwies sich dabei als überraschend stabil: Nach zehn Tagen waren 103 der insgesamt 132 Embryonen am Leben, nach 19 Tagen noch drei. Das sind bei weitem bessere Ergebnisse als nach ähnlichen Versuchen mit Zellen von Mäusen und Schweinen. Das liegt vermutlich daran, dass der Javaner-Affe näher mit dem Menschen verwandt ist.

Noch bleibt unklar, ob ein solches Mischwesen auch zur Welt kommen könne und lebensfähig wäre. Medizinisch gesehen gilt der Versuch von Belmonte und seinem Team als Durchbruch. Die Hoffnung: In Zukunft menschliche Ersatzorgane in Schweinen züchten oder neue regenerative Therapien entwickeln.

Aus ethischer Sicht bewegen sich die Forscher allerdings in einem Grenzbereich: Fachleute sehen zwar keine Probleme darin, wenn es allein bei dem Versuch bleibe, mehr über die Entwicklung von chimären Embryonen zu lernen. Aber ein rote Linie wäre laut Experten etwa dann überschritten, wenn solche Versuche die Geburt eines Mischwesens zum Ziel hätten.

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