Diese Straßenschilder werden jetzt weiblich

Sexismus-Debatte

Diese Straßenschilder werden jetzt weiblich

250 neue Schutzwegschilder sollen einen kleinen Schritt zu mehr Gleichberechtigung darstellen. Das Projekt erntet aber auch viel Kritik.

In der Schweiz werden die Straßenschilder jetzt auch weiblich. In der zweitgrößten Stadt des Landes, Genf, werden die Männchen auf den Schildern um einige Frauen erweitert. So soll es in Zukunft verschiedene weibliche Sujets geben, wie zum Beispiel ein Schild mit einer Schwangeren, einer älteren Dame, dünneren und dickeren Frauen sowie ein Schild mit einem lesbischen Paar.

Am Ende sollen in der Stadt dann gleich viele weibliche wie männliche Schutzwegfiguren zu sehen sein. Am Donnerstag wurde das neue Projekt von der Stadtpräsidentin Sandrine Salerno und dem Staatsrat Serge Dal Busco vorgestellt. Bei einigen stieß der Vorschlag der ausgewogenen Gender-Beschilderung allerdings nicht auf große Begeisterung. Wie die "Luzerner Zeitung" schreibt, versuchte sich ein Westschweizer Journalist an einem sehr abstrusen Konter. Er meinte nämlich, dass die bisherigen Männchen sehr wohl auch eine Frau repräsentieren würden, da manche Frauen auch flachbrüstig seien.

Erste Schilder demoliert

Salerno reagierte darauf schnell und schoss zurück. Sie suchte auf ihrem Smartphone ein Bild eines männlichen Straßenschildes und entgegnete dem Journalisten: "Ist das etwa eine Frau für Sie?". Salerno verweist auf die Wichtigkeit der Symbole im Alltag, die auch die Werte der gesammten Gesellschaft beeinflussen können. Allerdings sind anscheinend nicht alle in der Gesellschaft so weit, selbst einfache Piktogramme zu akzeptieren. Denn kurz nach der Errichtung der neuen Schilder wurden ein paar schon wieder beschädigt. So zeigt ein Foto ein Schild am Boden liegend. Salerno zeigte sich auf ihrer Facebook-Seite empört. "Offensichtlich ist es zu viel verlangt, die Änderung eines Piktogramms auf einem Schild zu akzeptieren. Und dann wird mir jemand erklären, dass die Herausforderungen der Sichtbarkeit der Frauen auf dem öffentlichen Raum eine lächerliche Problematik ist!!", so die SP-Politikerin erzürnt.

Kritik an fehlender Darstellung von Menschen mit Behinderung

Allerdings gibt es einen weiteren Kritikpunkt. Bei den neuen Sujets sind keine Frauen mit Behinderung abgebildet. Eine Tatsache, die bei der Organisation Inclusion Handicap auf Unmut stößt. Dass ausgerechnet ein Projekt, das die Diversität der Gesellschaft abbilden solle, auf Menschen mit Behinderungen vergisst, sei symbolisch für die Gesellschaft. "Die Schilder zeigen symbolisch auf, dass Menschen mit Behinderungen häufig vergessen gehen", wird der Sprecher des Dachverbands der Schweizer Behindertenorganisationen zitiert.

Aber auch viel Lob

Allerdings loben Experten das Projekt auch. Es sei ein kleiner, aber wesentlicher Beitrag auf dem Weg zur Gleichberechtigung. 56.000 Schweizer Franken kosten die 250 neuen Schilder. Damit kostet eines 224 Franken. Hetero- & homosexuelle Ampelpärchen so wie unter anderem in Wien werde es aber nicht geben, da man hier gewisse Normen erfüllen müsse.

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