Japan

Fukushima: Neue Panne in Atom-Ruine

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Arbeiter hatten ein Kabel beschädigt, woraufhin Alarm ausgelöst wurde.

Die Pannen in der Atomruine Fukushima reißen nicht ab: Wegen eines Ausfalls des Kühlsystems für das Abklingbecken Nummer 4 mussten die Arbeiten zur Auslagerung von Brennstäben am Dienstag vorübergehend ausgesetzt werden, wie der Betreiberkonzern Tepco bekanntgab. Arbeiter hatten ein Kabel beschädigt, woraufhin Alarm ausgelöst wurde.

Temperatur unter 65 Grad
Das Kühlsystem lief am Nachmittag wieder. Die Temperatur in dem Becken sei unter der vorgeschriebenen Grenze von 65 Grad geblieben, versicherte Tepco. Der Betreiber hatte im November damit begonnen, rund 1.500 Brennstäbe aus dem Abklingbecken des beschädigten Reaktorgebäudes 4 zu bergen.

Erst in der vergangenen Woche waren aus einem Speichertank auf der Atomanlage mindestens 100 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten. Es handelte sich um das größte Leck, seit im August rund 300 Tonnen Wasser aus einem anderen Tank gesickert waren. Die Atomaufsicht warf Tepco schlampiges Management vor, wie die Zeitung "Tokyo Shimbun" am Dienstag meldete.

Das neue Leck sei Folge einer unsachgemäßen Ventilinstallation gewesen, wodurch der Tank übergelaufen sei. Außerdem sei der Wasserstand der Tanks nicht richtig kontrolliert worden. Tepco habe eingeräumt, dass Arbeitskräfte in einem Kontrollraum das Problem nicht früh genug erkannt hätten.

Infolge des schweren Erdbebens und Tsunamis im März 2011 waren drei der sechs Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima zerstört worden. Es kam zu Kernschmelzen. Tepco flutet die Anlage seither mit Wasser, um die überhitzten Reaktoren zu kühlen. An den Speichertanks, in denen jenes verseuchte Wasser gelagert wird, werden immer wieder undichte Stellen entdeckt.

Regierung hält an Atomstrom fest
Ungeachtet der wiederholten Pannen in der Atomruine Fukushima hält die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe auch für die Zukunft an der Atomenergie fest. Atomenergie sei eine wichtige Stromquelle, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Entwurf für einen langfristigen Energieplan.

Derzeit sind sämtliche der 48 Atomreaktoren in Japan in Folge der Atomkatastrophe in Fukushima außer Betrieb. Als Ersatz für den Atomstrom führt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt seit Jahren riesige Mengen an Öl, Gas und Kohle ein. Als Folge schreibt Japan rote Zahlen in seiner Handels- und Leistungsbilanz.

Um die über gestiegene Energiekosten klagende Industrie zu entlasten, will der Atombefürworter Abe schnell die ersten Meiler wieder in Betrieb nehmen. Die Atomaufsichtsbehörde prüft bereits Anträge zur Bescheinigung der Sicherheit für den Neustart von 17 Reaktoren.

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Fukushima: Brennstäbe werden geborgen

In der Atomruine Fukushima hat die Bergung von rund 1.500 Brennstäben aus dem Abklingbecken eines beschädigten Reaktorgebäudes begonnen.

Die in einem Becken in rund 30 Metern Höhe von kleinen Trümmerteilen umgebenen Brennstäbe gelten neben den täglich zunehmenden Massen verseuchten Wassers als eine der größten Gefahrenquellen auf dem AKW-Gelände.

Die voraussichtlich ein Jahr lang dauernde Bergung müsse mit "höchster Vorsicht" erfolgen, erklärte der Chef der Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka.

Das Gebäude des Reaktors 4 war bei einer Wasserstoffexplosion in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom März 2011 beschädigt worden.

Arbeitskräfte sollen die 1.331 abgebrannten sowie 202 unbenutzten Brennstäbe einen nach dem anderen mit einer Spezialvorrichtung in einen castorähnlichen Behälter hieven.

Dieser Vorgang geschieht in dem Becken unter Wasser. Sobald der Container mit 22 der 4,5 Meter langen Brennstäbe gefüllt ist, wird er mit einer Kranvorrichtung auf einen Lkw gehoben.

Dieser bringt ihn dann zu einem anderen Gebäude in rund 100 Meter Entfernung, wo die Brennstäbe laut Tepco sicherer als bisher gelagert werden können.

Die Umlagerung gilt als erster großer Schritt zur Stilllegung des AKW. Der vollständige Rückbau der Anlage dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern.

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