Pakistan

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ISIS bekennt sich zu Anschlag auf Polizeischule

Rund 70 Tote und mehr als 120 Verletzte forderte die Attacke.

Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Angriff auf eine Polizeischule in Pakistan für sich in Anspruch genommen. Der Angriff sei von einer Gruppe von "IS-Kämpfern" ausgeführt worden, meldete die Nachrichtenagentur Amaq am Dienstag. Bei dem Angriff in der Stadt Quetta waren rund 60 Menschen getötet worden, 120 wurden verletzt.

Maskierte Männer drangen in die Polizeischule ein und eröffneten das Feuer auf schlafende Kadetten, zwei Angreifer hätten Sprengstoffwesten gezündet. Erst im August hatte sich der IS zu einem Angriff auf Trauernde in einem Krankenhaus in Quetta bekannt, bei dem 70 Menschen ums Leben kamen. Auch die pakistanische Taliban-Gruppe Jamaat-ur-Ahrar reklamierte die Tat für sich.
 

Der Innenminister von Baluchistan, Mir Sarfaraz Bugti, erklärte den stundenlangen Einsatz der Sicherheitskräfte in Quetta am frühen Morgen für beendet. Nach seinen Worten waren die Täter bis zu einem Schlafsaal vorgedrungen und hatten dort das Feuer auf die schlafenden Kadetten eröffnet.

IS will neue Provinz errichten

Die pakistanische Regierung betont immer wieder, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber regelmäßig Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern der Miliz. Der IS selbst sagt, er wolle unter anderem auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine neue IS-Provinz einrichten, die Khorasan-Provinz.

Zuletzt hatte der IS im August einen großen Anschlag in Pakistan für sich reklamiert - ebenfalls in Quetta. Bei dem Anschlag vor einer Klinik waren damals 71 Menschen getötet und fast 190 verletzt worden. Allerdings bekannte sich damals auch die pakistanische Talibangruppe Jamaat-ur-Ahrar zu der Tat. Doppelbekenntnisse sind in Pakistan nicht ungewöhnlich. Bis heute ist nicht klar, wer die Tat beging.

700 Kadetten in Akademie

Die drei Angreifer vom Montagabend waren nach Polizeiangaben gegen 22.00 Uhr in den Polizeikomplex am Rande der Großstadt eingedrungen. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich rund 700 Kadetten in der Akademie aufgehalten haben. Medien berichteten von heftigen Feuerwechseln und schweren Explosionen auf dem Gelände. Die Polizei befreite zum Ende der Gefechte etwa 250 Geiseln.

Baluchistan ist zugleich die größte, ärmste und unruhigste Provinz Pakistans. Dort sind mehr extremistische Gruppen präsent und aktiv als in den anderen Landesteilen. Separatisten kämpfen zum Beispiel für die Abspaltung von Pakistan oder für mehr politische und finanzielle Autonomie der Provinz. Auch einige pakistanische Taliban-Gruppen sowie die afghanischen Taliban haben hier ihre Basis.
 



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