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Neuer Briten-Premier

Johnson gewählt: Mister Brexit an der Spitze

Die konservative Partei bestimmte Boris Johnson zum Nachfolger von Theresa May.

London. Seine Wahl war keine Überraschung. Für Großbritannien und ganz Europa ist sie aber eine fundamentale Weichenstellung. Mit Boris Johnson steht nun der „Mister Brexit“ an der Spitze Großbritanniens. Die 160.000 Mitglieder der konservativen Tory-Partei wählten ihn zum Parteichef und Nachfolger von Theresa May. Damit wird er nun automatisch Premierminister. Heute soll er von der Queen angelobt werden.

Klarer Sieg. Brexit-Hardliner Johnson erhielt doppelt so viele Stimmen wie Konkurrent Jeremy Hunt – 92.153 stimmten für ihn, 46.656 für Hunt. In seiner ersten Rede kündigte er an, er wolle „das Brexit-Chaos beenden“. Er wolle die Spaltung des Landes überwinden und Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour-Partei bekämpfen.

London. Vorgängerin Theresa May gratulierte unmittelbar nach der Wahl. „Du hast meine volle Unterstützung von den Hinterbänken aus“, schrieb May im Kurznachrichtendienst Twitter. May hatte drei Jahre erfolglos versucht, den EU-Ausstieg zu managen. Sie war dabei auch am Widerstand ihres Ex-Außenministers Johnson gescheitert.

Donald Trump gratuliert: "Er wird großartig sein"

Rücktritte. Der muss nun liefern, woran Theresa May scheiterte. Am 31. Oktober soll das Land nun endgültig aus der EU austreten. Johnson hat immer wieder betont, den Brexit notfalls auch ohne Abkommen zu vollziehen. Für viele Briten, darunter nicht wenige Parteikollegen, ein Horrorszenario. Justizminister David Gauke und Finanzminister Philip Hammond kündigten an, zurückzutreten, falls Johnson Johnson Premier wird. Am Dienstag gesellte sich Bildungsministerin Anne Milton dazu.

Großartig. Applaus kam aus dem Weißen Haus. „Er wird großartig sein“, twitterte Donald Trump.

Boris’ Urgroßvater war letzter Innenminister der Osmanen

Neo-Premier hat schillernde Biografie und schon immer ein lockeres Verhältnis zu Fakten.

London. Als Kind, so verriet es Schwester Rachel, wollte Boris Johnson „König der Welt“ werden. Jetzt wird der Mann, den alle nur „Boris“ nennen, Premierminister.

  • Türkische Wurzeln. Johnsons Urgroßvater Ali Kemal war letzter Innenminister des Osmanischen Reiches. Er ließ Mustafa Kemal Atatürk, den späteren Gründer der Türkei, verhaften. 1922 wurde Kemal gelyncht. Großvater Osman Ali flüchtete nach London, nannte sich fortan „Wilfried Johnson“.
  • Als Kind in EU-Hauptstadt. Vater Stanley arbeitete für EU-Kommission und Parlament. In dieser Zeit erlitt Johnsons Mutter einen Nervenzusammenbruch, die Eltern trennten sich. Später zog Stanley ins „Dschungelcamp“.
  • Eliteschüler. Geboren wurde Alexander Boris de Pfeffel Johnson, so sein voller Name, 1964 in New York. Er besuchte das Elite-Internat Eton, studierte in Oxford. Dort traf er auf den späteren Premierminister David Cameron und Konkurrent Jeremy Hunt.
  • „Fake News“. Im Jahr 1989 ging er zum zweiten Mal nach Brüssel, als EU-Korrespondent für den Daily Telegraph. Zuvor war er bei der ehrwürdigen Times rausgeflogen, weil er Zitate fälschte. Mit der Wahrheit nahm er es auch fortan nicht so genau: Artikel darüber, dass die EU britische Chips mit Shrimps-Geschmack verbieten wolle, waren teils frei erfunden.
  • London-Chef. Er wechselte er ins politische Fach, wurde 2008 und 2012 zum Bürgermeister Londons gewählt. Leistungen seines Vorgängers heftete er sich selbst an.
  • Mister Brexit. Sein „Meisterstück“ folgte 2016. Aus Opportunismus setzte er sich an die Spitze der Brexit-Bewegung. Auf Busse schrieb er, London zahle wöchentlich 350 Millionen Pfund an die EU. Geld, das ins Gesundheitssystem gesteckt werden sollte. Das entbehrte den Fakten, zog aber bei den Wählern.
  • Außenminister. Theresa May berief Johnson zum Außenminister, im vergangenen Jahr trat er aus Protest gegen ihren Kurs zurück. Politikinstitute nannten ihn danach den „erfolglosesten“ Außenminister seit dem Zweiten Weltkrieg.

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