Baghus Syrien

Letzte Schlacht geschlagen:

Ist der IS jetzt wirklich besiegt?

Mit Baghus fiel nun die letzte Bastion der Dschihadisten in Syrien. Die fünfjährige Schreckensherrschaft sei nun Geschichte.

Nach fünf Jahren Schreckensherrschaft in weiten Teilen Syriens ist die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in dem Land besiegt: Die letzte IS-Bastion Baghus nahe der irakischen Grenze eroberten Kämpfer der kurdisch-arabischen Allianz SDF nach wochenlangen, erbitterten Gefechten, wie ein SDF-Sprecher am Samstag mitteilte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May würdigten den Sieg als historisch, die Bedrohung durch den IS bleibt Macron zufolge aber bestehen.

Das vor knapp fünf Jahren vom IS ausgerufene "Kalifat" im Irak und Syrien sei nun "vollständig" beseitigt, sagte ein Sprecher der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die bei ihren Kämpfen gegen die Jihadisten vom US-Militär aus der Luft unterstützt wurden. Sprecher Mustefa Bali erklärte, die Jihadisten hätten eine "hundertprozentige territoriale Niederlage" erlitten. Was vom IS jetzt noch übrig sei, werde "verfolgt und vernichtet".

Freudentänze und gehisste Fahnen

Zum Zeichen ihres Siegs hissten SDF-Kämpfer ihre gelbe Fahne über dem ostsyrischen Baghus am Ufer des Euphrat, wo IS-Jihadisten bis zuletzt verzweifelt Widerstand geleistet hatten. Einige Meter vom Fluss entfernt lag eine schwarze IS-Fahne inmitten ausgetrockneter Äste am Boden, wie AFP-Reporter berichteten.

In Al Omar, einem als Ausgangspunkt für die Offensive dienendem Ölfeld bei Baghus, vollführten die SDF-Kämpfer, unter ihnen viele Frauen, Freudentänze. Eine Militärkapelle spielte vor kurdischen Kommandeuren und Politikern verschiedene Hymnen, darunter diejenige der USA.

Das Weiße Haus hatte bereits am Freitag die Vertreibung des IS aus Baghus verkündet, obwohl die Kämpfe zu dem Zeitpunkt laut SDF noch andauerten. US-Präsident Donald Trump hatte schon zuvor mehrfach eine unmittelbar bevorstehende Niederlage des IS vorhergesagt.

IS-Kämpfer wehrten sich bis zuletzt

Die letzte IS-Bastion war am Freitagmorgen nach zweitägiger Pause wieder unter Beschuss genommen worden. Die Angriffe dauerten auch in der Nacht zum Samstag an.

Die Schlussoffensive zur Einnahme von Baghus hatte am 9. Februar begonnen. Es war die letzte Phase eines im September 2018 gestarteten Einsatzes, um den Jihadisten die Kontrolle über ihre letzten Gebiete in Syrien zu entreißen.

Die IS-Kämpfer hatten sich erbittert zur Wehr gesetzt und auch Selbstmordattentäter für ihre Verteidigung eingesetzt. Zehntausende Menschen flohen in den vergangenen Monaten aus Baghus. Tausende Jihadisten ergaben sich oder wurden gefangengenommen, unter ihnen viele aus europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Tausende Frauen und Kinder sind nun in einem überfüllten Lager in Nordsyrien untergebracht.

630 tote Zivilisten

"Die Jihadisten, die sich bis zum Schluss in Baghus verschanzten, waren größtenteils Ausländer - Tunesier, Marokkaner und Ägypter", sagte der 21-jährige SDF-Kämpfer Hisham Harun. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab die Zahl der getöteten SDF-Kämpfer während sechsmonatiger Gefechte mit mehr als 750 an, die der Jihadisten mit fast doppelt so viel. Zudem seien über 630 Zivilisten getötet worden, 209 Kinder und 157 Frauen, darunter Angehörige von IS-Kämpfern.

Der IS hatte 2014 weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht und auf einem Gebiet von der Größe Großbritanniens ein "Kalifat" ausgerufen. In ihrer inoffiziellen Hauptstadt Raqqa in Nordsyrien errichteten die Jihadisten eine Schreckensherrschaft. Die UNO wirft dem IS Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und kritisiert willkürliche Enthauptungen, Steinigungen, Vergewaltigungen und Missbrauch von Frauen der religiösen Minderheit der Jesiden als Sexsklavinnen.
 

"Kalifat" ist nun Geschichte, aber IS bleibt eine Gefahr

Im Irak galt der IS bereits 2017 als besiegt. Mit der Einnahme von Baghus ist das "Kalifat" nun Geschichte. Die Jihadisten sind aber weiterhin in der Badia-Wüste präsent. In Syrien und im Irak verfügen sie überdies über zahlreiche Zellen, die immer wieder Anschläge verüben. International gibt es Befürchtungen, dass der IS nun im Untergrund ein globales Terrornetzwerk aufbauen könnte.

Macron begrüßte die Eroberung von Baghus, eine "große Gefahr" für Frankreich sei beseitigt. Er warnte zugleich vor der weiter bestehenden "Bedrohung": "Der Kampf gegen die terroristischen Gruppen muss weitergehen." May sprach von einem "historischen Meilenstein" und lobte den Mut der Anti-IS-Truppen.
 



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