Rebellen wollen Gaddafi sterben sehen

Libyen

Rebellen wollen Gaddafi sterben sehen

Rebellen haben Sirte erreicht. Kampf um Gaddafis Heimatort.

Die Rebellen jubeln, schießen Salven mit schweren Waffen in die Luft. Sie haben im Eiltempo in Sirte erreicht. Allein das ist schon ein Erfolg – auch wenn die Eroberung noch fehlt. Der Widerstand war offenbar zu groß.

Am Samstag fiel Adschdabija in ihre Hand, dann eroberten sie die Ölstadt Brega, danach fiel Ras Lanuf und am Sonntagabend landeten sie in Ben Dschawad. Und nun stehen sie vor den Toren von Sirte. Hunderte von Kilometern legten die Rebellen in nur wenigen Tagen zurück.

Gaddafis Heimat
Strategisch gesehen ist die Küstenstadt nicht wichtiger als die anderen Ölstädte. Aber der Triumph in Sirte wäre von einer ungeheuren Symbolik. Ist doch in dieser Stadt der verhasste Diktator Muammar Gaddafi geboren. Hier ist neben Tripolis das Mekka der Gaddafi-Getreuen, und in Sirte ist auch der Stamm des Diktators beheimatet.

Eroberung symbolisch wichtig
Fällt die letzte Gaddafi-Bastion, dann ist auch das Ende des Despoten nur mehr eine Frage von Tagen. Auch der deutsche Nahost-Experte Peter Scholl-Latour schätzt die Chancen gut ein, dass Sirte einnehmbar ist: "Die Gaddafi-Getreuen besitzen nicht den Opfermut der Taliban", analysiert er im ÖSTERREICH-Interview. Unterstützung bekommen die Rebellen, wie schon in den letzten Tagen, von den Alliierten aus der Luft. Ohne diese Bombardements wäre die Rückeroberung der Städte nie möglich gewesen. Und jetzt nimmt die Koalition, die mittlerweile unter der Führung der NATO agiert, auch Sirte ins Visier.

Gaddafis Heimatstadt war bis jetzt von Luftangriffen verschont geblieben. Denn in der Stadt gab es bisher keine Auseinandersetzungen oder politischen Proteste. Dass die Koalition den Rebellen – weiterhin eine zusammengewürfelte Guerillatruppe ohne politische Führung – den Weg gen Westen quasi freischießt, markiert eine neue Qualität der Mission. Denn damit stellt sich der Westen offiziell immer mehr auf die Seite der Rebellen.

Fällt Sirte, dann ist Weg in die Hauptstadt Tripolis quasi frei. Gaddafi geht es immer mehr an den Kragen.
 

Nahost-Experte Scholl-Latour: "Gaddafi in Situation wie Hitler"

ÖSTERREICH: Herr Scholl-Latour, die Rebellen haben eine rasante Siegestour hingelegt. Sind die Tage von Gaddafi jetzt gezählt?
Peter Scholl-Latour: Auf die genaue Anzahl der Tage möchte ich mich nicht festlegen. Aber aus mehreren Gründen wird das kein Endloskrieg. Die Frage ist, was kommt nach dem Sturz von Gaddafi. Niemand kennt die Rebellen. In der Rebellenregierung in Bengasi sitzen viele ehemalige Angehörige der Gaddafi-Regierung.

ÖSTERREICH: Welche Gründe sprechen für ein schnelles Ende?
Scholl-Latour: Aus geografischer Sicht kann man Libyen nicht mit Afghanistan vergleichen. Libyen ist eine Platte, die sich gut für einen Krieg aus der Luft eignet. Hier gibt es keine Tarnungsmöglichkeiten wie in Afghanistan. Die Ziele sind leicht bombardierbar.

ÖSTERREICH: Sind Sie überrascht, dass die Rebellen so schnell bis in Gaddafis Heimatstadt Sirte vordringen konnten?
Scholl-Latour: Auch Diktatoren-Geburtsstädte können erobert werden. Aber die Gaddafi-Getreuen besitzen nicht diesen Opfermut der Taliban. Deswegen können die Rebellen rasche Erfolge feiern.

ÖSTERREICH: Wie schätzen Sie jetzt die Situation von Gaddafi ein?
Scholl-Latour: Er ist in der gleichen Situation wie Adolf Hitler. Gaddafi hat sicher keine Lust, in Den Haag in einer Zelle jahrelang auf seinen Prozess zu warten.

ÖSTERREICH: Italien bastelt an einem Exilplan für Gaddafi
Scholl-Latour: Wohin soll er gehen? Auch im arabischen Raum ist Gaddafi nicht beliebt.

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