Die Mehrheit der Amerikaner (61 Prozent) unterstützt die Abschiebung illegaler in den USA lebender Menschen, wie eine aktuelle Online-Umfrage von Reuters/Ipsos unter 4.638 Erwachsenen zeigt.
Zugleich kritisieren viele Befragte das harte Vorgehen der Regierung, was der Republikanischen Partei bei den Kongresswahlen am 3. November schaden könnte. Deutliche Unterschiede in der Zustimmung der Abschiebepolitik zeigen sich dabei zwischen Demokraten und Republikanern.
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Einwanderung als Faktor im Wahlkampf
Während nur 35 Prozent der Demokraten die Abschiebung illegaler Einwanderer unterstützen, sind es bei den Republikanern 92 Prozent. Trumps Haltung zu diesem Thema verhalf ihm zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2024. Damals warf er den Demokraten vor, "offene Grenzen" zu befürworten.
Während seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag versuchte Trump, das Thema Einwanderung wieder für sich zu gewinnen. Dieses zählte ursprünglich zu seinen größten politischen Stärken, bevor es zu einer Welle von Straßenkämpfen zwischen Zivilisten und maskierten Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) gekommen war. Dabei kamen zwei US-Bürger durch tödliche Schüsse ums Leben. Familien wurden getrennt. Trump sagte am Dienstag, sein Fokus liege auf Kriminellen und merkte an: "Wir schaffen sie verdammt schnell aus dem Land."
Umfrage: ICE zu weit gegangen
Fast genau so viele Befragte, die Trumps Abschiebungspolitik befürworten, lehnen allerdings seine Vorgehensweise ab (60 Prozent). Hinsichtlich der Parteilinien zeigt sich hier das umgekehrte Bild: Nur ein Fünftel der Republikaner sind der Meinung, die Einwanderungsbeamten wären zu weit gegangen. Bei den Demokraten sind es hingegen 9 von 10 der Befragten. Unter den unabhängigen Wählern und Wählerinnen sind es 65 Prozent. Diese Wählergruppe könnte im November das entscheidende Gewicht sein, wenn die Republikaner versuchen werden, ihre knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat der Vereinigten Staaten zu halten.
Besonders hoch ist die Ablehnung von Tumps Vorgehensweise unter schwarzen und hispanischen US-Amerikanern, zwei Wählergruppen, bei denen Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2024 Fortschritte gemacht hatte. 74 Prozent der schwarzen Befragten und 72 Prozent der hispanischen Befragten lehnen Trumps Vorgehensweise ab. Unter der weißen Befragten sind es 51 Prozent.
Fallende Umfragewerte Trumps
Seit Februar 2025 ist Trumps Zustimmungsrate unter hispanischen Amerikanern um 7 Prozentpunkte auf 29 Prozent gesunken. Unter schwarzen Amerikanern liegt sie nach einem Rückgang von 2 Prozentpunkten auf 14 Prozent. Unter weißen Amerikanern ist sie um 4 Punkte auf 49 % gesunken.
In beiden politischen Parteien sind erhebliche interne Meinungsverschiedenheiten über die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze aufgetreten. Unter den Republikanern, die Abschiebungen befürworten, gaben 23 Prozent an, dass sie mit den derzeitigen Vorgehensweisen der Einwanderungsbeamten nicht einverstanden sind. Die Demokraten sind sich nicht nur uneinig darüber, ob illegale Einwanderer überhaupt abgeschoben werden sollten, sondern auch darüber, ob ICE aufgelöst werden sollte.
Ablehnung von ICE unter Demokraten nimmt zu
Der Anteil jener Demokraten, die sich eine Abschaffung von ICE wünschen, steigt deutlich: Während bei einer Umfrage von Reuters/Ipsos 2018 noch 44 Prozent dieser Meinung waren, ist der Anteil mittlerweile auf etwa 63 Prozent gestiegen. Doch nur wenige demokratische Kandidaten für den US-Kongress haben in diesem Jahr die Auflösung der Behörde gefordert. Gemäßigte Organisationen wie Third Way warnen, dass die Forderungen nach einer Abschaffung von ICE den Demokraten bei den Wahlen im November schaden könnte. Die jüngste Umfrage ergibt, dass nur ein Drittel der unabhängigen Wähler und Wählerinnen die Abschaffung von ICE befürwortet, was sich gegenüber 2018 kaum verändert hat.