Mutter mit Kind bei Brand in Moria

Kommentar sorgt für Wirbel

Moria: ''Wenn sie das Feuer selber legten, taten sie das einzig Richtige''

Die Organisation "Sea Watch" geriet in Kritik, weil sie ein viel diskutiertes Zitat aus einem Artikel auf Twitter teilten.

Mehr als 5.000 Migranten sind nach offiziellen Angaben in den vergangenen Tagen ins Zeltlager von Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos gegangen. Auch am Freitag in der Früh bildeten Hunderte Menschen eine Schlange vor dem Eingang des Lagers, wie das Staatsfernsehen (ERT) zeigte.

Bisher wurden nach Angaben des Migrationsministers Notis Mitarakis 135 Migranten positiv auf das Coronavirus getestet. Sie wurden im Zeltlager isoliert. Humanitäre Organisationen bemängeln, es gebe nicht ausreichende Gesundheitsfürsorge im Lager. Dies wies die Regierung in Athen zurück.

Unterdessen sorgte die Organisation "Sea Watch" auf Twitter für Wirbel. Sie teilten ein Kommentar von der Autorin Mely Kiyak, die die menschenunwürdigen Zustände in dem Camp beschreibt. Daraus zitierte "Sea Watch": "Wenn sie das Feuer selber legten, taten sie das einzig Richtige. Ein mutiger Akt. Ein Aufstand der Verzweifelten. Unsere Aufgabe ist es nun, ihnen beizustehen."

Dies sorgte bei einigen Usern für Unmut. Sie kritisierten, dass die Organisation damit eine Straftat rechtfertige. "Euch ist nicht zu helfen", schreibt einer. "Dümmer kann Sea-Watch nicht argumentieren! Spenden bekommen die von mir nicht!", ärgert sich ein anderer.

Mely Kiyak ist bekannt für ihre provozierenden Texte. 2012 geriet sie schon einmal ins Kreuzfeuer der Kritik, als sie den EX-SPD-Politiker Thilo Sarrazin als "lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur" betitelte. Kurz darauf entschuldigte sie sich dafür.

 



Nach dem Brand des Lagers Moria waren vergangene Woche auf Lesbos gut 12.000 Migranten obdachlos geworden. Viele zögern, das neue Lager zu beziehen; sie befürchten, dort eingesperrt zu werden, und fordern stattdessen, von der Insel aufs Festland gebracht zu werden. Dies fordern auch humanitäre Organisationen. Athen hält sich aber an das Abkommen der EU mit der Türkei vom Jahr 2016. Demnach müssen alle Migranten auf den Inseln bleiben, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Wer kein Asyl bekommt, muss in die Türkei zurück.

Ein Sonderkommando der griechischen Polizei, darunter 70 Frauen, versucht seit Donnerstag allen voran Familien zu überreden, ins Zeltlager zu gehen. Bisher laufe die Aktion gut, sagte ein Polizeioffizier im Rundfunksender Skai. Wenn diese Phase mit den Familien vollendet ist, soll die Bereitschaftspolizei auch die Migranten aufsuchen, die sich vehement weigern, ins Lager zu gehen. Mit Flugblättern wurden alle informiert, dass der einzige Weg aus Lesbos über ein Asylverfahren führe. Und das gebe es nur, wenn man ins Zeltlager geht.
 



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