Neun Tote bei israelischem Angriff in Gaza

Palästinensische Behörden:

Neun Tote bei israelischem Angriff in Gaza

Offenbar auch drei Kinder unter den Todesopfern.

Jerusalem/New York. Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind am Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza neun Palästinenser getötet worden. Darunter seien ein Kommandant der radikal-islamischen palästinensischen Hamas, aber auch drei Kinder. Israels Armee sprach von gezielter Tötung von "drei Aktivisten". Zuvor hatte die Hamas nach schweren Zusammenstößen in Ost-Jerusalem zahlreiche Raketen auf israelische Städte gefeuert, darunter auch auf den Großraum Jerusalem.

Nach palästinensischen Angaben ereignete sich der Vorfall in Beit Hanoun im Norden des Küstenstreifens. Israel reagiert auf Raketenattacken regelmäßig mit Beschuss von Zielen im Gazastreifen. Beobachter rechneten mit schweren Angriffen auf das Küstengebiet in der Nacht.

Zahlreiche Raketen auf Israel gefeuert

Militante Palästinenser hatten am Montagabend zahlreiche Raketen auf Israel gefeuert. Sieben Raketen seien abgeschossen worden, teilte das Militär am Montagabend mit. Eine sei vom Abwehrsystem Eisenkuppel abgefangen worden. Nach Angaben der israelischen Polizei gab es einige Einschläge in der Nähe von Jerusalem. Raketenalarm wurde auch in Jerusalem selbst ausgelöst, dies ist sehr selten. Abgeordnete wurden aus dem Parlament in Schutzräume und hunderte Gläubige von der Klagemauer ebenfalls in Sicherheit gebracht. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurde ein 49-Jähriger in der Nähe der Stadt Sderot von Splittern verletzt.

Vorausgegangen waren schwere Zusammenstöße von Palästinensern mit israelischen Sicherheitskräften in Jerusalem. Ein Sprecher der islamistischen und im Gazastreifen herrschenden Hamas sagte, dies sei eine "Botschaft" an den Feind Israel. Die Hamas hatte ultimativ einen Abzug von israelischen Sicherheitskräften aus Teilen der Stadt gefordert. Berichte über Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. In Jerusalem lieferten einander Palästinenser und israelische Polizisten Auseinandersetzungen vor der Al-Aqsa-Moschee. Ein Hamas-Sprecher sagte, man habe als "Botschaft" an den israelischen Feind Raketen auf Jerusalem gefeuert. Es handle sich um eine "Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt" sowie auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg und in Sheikh Jarrah.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Jahre 2007 haben Israel und die radikale Organisation einander drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie verfolgt die Zerstörung Israels. Rund zwei Millionen Menschen leben in dem Palästinensergebiet unter schlechten Bedingungen. Im August 2020 hatte die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel verkündet. Aber auch danach gab es immer wieder Verstöße.

Heftige Zusammenstöße in Jerusalem

Nach heftigen Zusammenstößen in Jerusalem hatte der militärische Hamas-Flügel Israel zuvor ein Ultimatum gestellt. Ein Sprecher der Organisation in Gaza forderte, Israel müsse bis 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 MEZ) alle Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheikh Jarrah in Ost-Jerusalem abziehen. Außerdem müssten alle im Rahmen der jüngsten Konfrontationen festgenommenen Palästinenser freigelassen werden. Es handle sich um eine Warnung.

Auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt war es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Vor der Al-Aqsa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschoße gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Der Marsch durch die Jerusalemer Altstadt anlässlich des israelischen Feiertags "Jerusalem-Tag" wurde unterdessen wegen der jüngsten Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der Polizei abgesagt. Am "Jerusalem-Tag" wird in Israel traditionell der israelischen Besetzung von Ost-Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg 1967 gedacht.

Drittheiligste Stätte im Islam 

Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Bei heftigen Zusammenstößen waren in Jerusalem schon seit Freitag rund 300 Palästinenser und rund 20 Polizisten verletzt worden.

Die tagelangen Proteste hatten im Viertel Sheikh Jarrah, ihren Ausgang genommen, weil dort 30 Palästinenser mit der Zwangsräumung ihrer Wohnungen rechnen müssen. Ein für Montag geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde am Sonntag verschoben.

UN: Dringlichkeitssitzung am Montag

Der UN-Sicherheitsrat beriet am Montag in einer Dringlichkeitssitzung über die Gewalteskalation in Jerusalem. Auf eine gemeinsame Erklärung konnten sich die Ratsmitglieder zunächst nicht einigen. Einem Diplomaten zufolge erklärten die USA, sie würden sich "hinter den Kulissen" darum bemühen, die Situation zu beruhigen. Washington äußerte demnach Zweifel, ob eine öffentliche Botschaft zu diesem Zeitpunkt hilfreich sei.

Die Beratungen im Sicherheitsrat über einen gemeinsam von Norwegen, Tunesien und China eingebrachten Entwurfstext dauerten nach Angaben von Diplomaten an. Die ursprüngliche Fassung enthält den Aufruf an Israel, auf Siedlungsaktivitäten, die Zerstörung von Häusern und Zwangsräumungen unter anderem in Ost-Jerusalem zu verzichten. Der Text könnte nach Einschätzung von Diplomaten noch abgeschwächt werden.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte aber vor einer weiteren Eskalation der Lage. "Er verurteilt aufs Schärfste den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel, zu denen sich Berichten zufolge die Hamas bekannt hat", sagte Guterres-Sprecher Stephane Dujarric am Montag in New York. Der Chef der Vereinten Nationen forderte von Israelis und Palästinensern "maximale Zurückhaltung". Die UN betonten erneut ihre "tiefe Besorgnis" über die "anhaltende Gewalt im besetzten Ost-Jerusalem" sowie die mögliche Vertreibung von palästinensischen Familien aus dem Stadtteil Scheikh Jarrah.



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