Pensionistin (85) muss stehlen um zu überleben – Haft

Mitten in Bayern

Pensionistin (85) muss stehlen um zu überleben – Haft

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Weil sie eine Witwenrente von 725 Euro bekommt, muss sie abzüglich der Fixkosten mit 100 Euro im Monat auskommen. 

Memmingen, Bayern. Die Pensionistin Ingrid M. (85) aus Bad Wörishofen, ist wie drei Millionen Rentner in Deutschland armutsgefährdet. Sie erhält eine Witwenrente von 725 Euro im Monat. Grundsicherung erhält sie nicht. Monatlich blieben ihr nach eigenen Angaben weniger als 100 Euro zum Leben. Also sah sich Ingrid M. gezwungen zu stehlen. Gulasch, Fertigsuppen, eine Flasche Rum und später Tabletten, Mascara, Feuchtigkeitscreme, Pflaster, Eyeliner, Puder, Wimperntusche.

Serien-Diebin. Nach dem fünften Delikt musste Ingrid M. im Oktober 2017 ins Gefängnis, wurde aber nach 55 Tagen wurde die Frau vorzeitig aus der Haft entlassen. Sie wolle das nie wieder erleben, bekundete M. öffentlich. Doch dann folgte ein sechstes Delikt. Dabei ging es um Puder, Wimperntusche, Haarklammern, Reinigungscreme und Sahnesteif. Gesamtwert: 18,73 Euro. Im August 2018 wurde sie dafür vom Amtsgericht zu vier Monaten Haft verurteilt.

Vier Monate Haft ohne Bewährung seien zu hart für eine Frau in ihrem Alter, befand die Verteidigung. Zu milde für eine Wiederholungstätern, meinte die Staatsanwaltschaft. Beide Seiten legten Berufung ein.

85-Jährige muss wegen 18,73 Euro in Haft

Am Dienstag wies das Landgericht Memmingen nun beide Sichtweisen als unbegründet ab. Rentnerin M. muss wieder in Haft.
 
Gestohlen um zu überleben. Im Berufungsprozess stritt die Pensionistin ab, gestohlen zu haben: "Das ist mir von irgendeinem Menschen zugetragen worden." Doch mehrere Zeugen belasten die Seniorin. Ihr Motiv aus den vergangenen Prozessen scheint nicht zu halten. Damals hatte sie immer wieder beteuert, aufgrund ihrer geringen Rente gestohlen zu haben. "Das habe ich getan, weil ich sonst verhungert wäre", äußerte sie sich auch am Dienstag.
 
Beim ersten Diebstahl beobachtete eine Verkäuferin, wie M. Gulasch aus der Fleischtheke in einen Gefrierbeutel füllte. Das preisreduzierte Fleisch kostete sie nach einem Urteil des Amtsgerichts Memmingen 1800 Euro Strafe.

Vier Monate Haft

"Sowohl psychisch als auch physisch hat sie die Haft sehr mitgenommen", erklärt ihre Bewährungshelferin am Dienstag vor Gericht.
 
Wegen der vielen Vorstrafen und die Bewährungsstrafen, die sie nicht genutzt habe, bestätigte das Gericht das Urteil: Vier Monate Haft. "Die Justiz hat sehr viel Geduld mit Ihnen gehabt", so der Richter. 
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