So läuft der Angriff auf Assad

Geheime Karte

So läuft der Angriff auf Assad

Moskau warnt USA vor Attacke, London setzt politische und militärische Schritte.

US-Präsident Trump hat als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt. Die Raketen "werden kommen", schrieb Trump am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die USA haben einer Sprecherin des Präsidialamts zufolge nichtsdestotrotz noch keine abschließende Entscheidung über einen möglichen Angriff in Syrien getroffen.

Es lägen eine Reihe von Optionen auf dem Tisch, sagt sie. Auch habe Präsident Trump noch keinen Zeitplan aufgestellt.

 

Geheime Karte

Die BILD-Zeitung, die Einblick in geheime Militärkarten hat, berichtet von einer massiven Drohkulisse gegen Assad: Es würden unzählige Truppen und Schiffe in die Region zwischen Griechenland, Zypern, der Türkei und Syrien verlegt. Technik und Schiffe aus den USA, Italien, Frankreich und Deutschland befänden sich derzeit im Mittelmeer, zeigt die Karte. Außerdem hat Großbritannien Tornado-Jets nach Zypern verlegt, auch eine unbekannte Zahl von Kampfflugzeugen sollen folgen.

Wie BILD berichtet, sind sich die Schiffe der NATO und jene aus Russland zum Teil "gefährlich nah". Der Zerstörer "USS Donald Cook" liege derzeit neben der russischen Fregatte "Admiral Grigorowitsch" und einem weiteren russischen Kriegsschiff.

 

 

"Alle Optionen liegen auf dem Tisch"

Trump machte die syrische Regierung und ihren Verbündeten Russland für den Tod dutzender Menschen bei der Attacke am Wochenende verantwortlich. Russland warnte die USA vor einem Vergeltungsangriff. Die syrische Armee evakuierte offenbar mehrere Gebäude in Damaskus.

Trump sehe Syriens Machthaber Bashar al-Assad und Moskau in der Verantwortung, sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. Eine endgültige Entscheidung über einen Raketenangriff sei aber noch nicht gefallen: "Alle Optionen liegen auf dem Tisch." Auch US-Verteidigungsminister Jim Mattis betonte, die USA und ihre Verbündeten sammelten noch Informationen über den mutmaßlichen Giftgasangriff.

Raketen auf "Terroristen"

Russland wies Trumps Drohungen entschieden zurück. "Alle Seiten" müssten Schritte unterlassen, die in Wirklichkeit "durch nichts gerechtfertigt" seien, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Moskau beteilige sich nicht an Trumps "Twitter-Diplomatie".

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte, die Raketen sollten auf "Terroristen" abgefeuert werden und nicht auf die "legitime Regierung" Syriens, die schon seit Jahren den "internationalen Terrorismus auf ihrem Staatsgebiet bekämpft".

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, die Lage auf der Welt werde immer "chaotischer" und gebe Anlass zur "Sorge". "Dennoch hoffen wir, dass der gesunde Menschenverstand letztlich die Oberhand behält", meinte er in einer Rede vor ausländischen Diplomaten im Kreml.

Giftgasangriffe

Die USA und andere westliche Staaten machen Assads Truppen für mutmaßliche Giftgasangriffe in der Stadt Duma (Douma) verantwortlich, bei denen nach Angaben von Hilfsorganisationen am Samstag 48 Menschen getötet wurden. Syrien und Russland bestreiten, dass es einen Giftgasangriff gegeben hat.

Trump hatte schon zuvor eine "starke Reaktion" angekündigt und gewarnt, die Verantwortlichen müssten einen "hohen Preis" dafür zahlen. Nun warnte er Russland ausdrücklich vor einer Unterstützung Assads. Russland habe angekündigt, "alle auf Syrien abgefeuerten Raketen abzuschießen", schrieb der US-Präsident in einem Tweet. "Bereite dich vor, Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und smart!'"

Mit Blick auf Moskaus Unterstützung für Assad schrieb Trump: "Du solltest nicht Partner eines mit Gas tötenden Viehs sein, das sein Volk tötet und das genießt." Das Verhältnis der USA zu Russland sei mittlerweile "schlechter als es je war, den Kalten Krieg eingeschlossen", erklärte Trump in einem weiteren Tweet.

"Gefährliche Eskalation"

Trump hatte vor einem Jahr bereits als Vergeltung für einen Giftgaseinsatz in der nordsyrischen Stadt Khan Sheikhoun einen Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis angeordnet. Nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron könnten beide Länder nun wieder "chemische Einrichtungen unter Kontrolle des Regimes angreifen".

Die syrische Regierung wertete die Angriffsdrohung als "gefährliche Eskalation". Damaskus sei darüber aber nicht "überrascht", da die USA auch den "Terrorismus" in Syrien unterstützten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana einen Vertreter des Außenministeriums. In der Hauptstadt Damaskus wurden nach Angaben der von London aus betriebenen, oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte das Verteidigungsministerium und das Armee-Hauptquartier evakuiert. Auch mehrere Stützpunkte seien geräumt worden.

Die syrische Regierung hatte am Dienstag internationale Experten gebeten, den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff zu untersuchen. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) kündigte daraufhin an, "bald" ein Expertenteam nach Duma zu schicken. Am Mittwoch forderte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) "sofortigen und ungehinderten Zugang" zu dem Gebiet, um die Opfer behandeln zu können. Russland kündigte an, Einheiten seiner Militärpolizei nach Duma zu schicken.

 

UNO-Sicherheitsrat tagt erneut

Der UNO-Sicherheitsrat befasst sich am Donnerstag erneut mit dem Syrien-Konflikt. Bolivien hatte die Sitzung beantragt, um über "die jüngste rhetorische Eskalation" und die Gefahr "einseitiger Maßnahmen" zu beraten. Der Sicherheitsrat hatte erst am Dienstag zu Syrien getagt. Russland legte bei der Dringlichkeitssitzung erwartungsgemäß sein Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf zu dem jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien ein. Auch Bolivien stimmte dagegen. In dem Entwurf wurde ein neuer "unabhängiger Mechanismus" zur Untersuchung der Giftgasvorwürfe vorgeschlagen. Zwei von Russland zur Abstimmung vorgelegte Resolutionsentwürfe wurden ebenfalls abgelehnt.

Ebenfalls am Donnerstag kommt in London die britische Regierung auf Geheiß von Premierministerin Theresa May zu einer Sitzung über Syrien zusammen, wie der Sender Sky News meldete. Dabei gehe es um eine Zustimmung des Kabinetts, an einer militärischen Aktion gemeinsam mit den USA und Frankreich in Reaktion auf den mutmaßlichen C-Waffeneinsatz in Duma teilzunehmen, welche Syriens Chemiewaffenproduktion treffen soll. Inzwischen bringt Großbritannien einer Zeitung zufolge seine U-Boote bereits für einen etwaigen Militärschlag in Stellung. May habe ihnen befohlen, sich in Reichweite für einen Angriff mit "Tomahawk"-Marschflugkörpern zu bringen, berichtet der "Daily Telegraph" unter Berufung auf Regierungskreise. Der Angriff könne Donnerstagnacht beginnen.

 

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