25. Mai 2010 13:26
Vor mittlerweile fast 20 Jahren (10. August 1990) wurde das österreichische
Internet "geboren". Über eine Standleitung zum Genfer
Kernforschungszentrum CERN (Schweiz) wurde die Universität Wien permanent
mit dem Internet verbunden. Die Datenleistung betrug für damalige
Verhältnisse sagenhafte, für heutige mickrige 64 Kilobit pro Sekunde. Den
Siegeszug der Online-Verbindung beurteilt der "Vater" des
heimischen Internets, Peter Rastl, im Nachhinein als unvorhersehbar: "Mitte
der 80er Jahre haben wir noch gar nichts vom Internet gewusst, oder gar
seiner kommerziellen Bedeutung." Im CERN war der britische
Wissenschafter Tim Burners Lee für den weltweiten Siegeszug des Internets
hauptverantwortlich.
Entwicklung geht stetig weiter
Dieser Grundsatz gilt laut dem
Chef des Zentralen Informatikdienstes der Uni Wien noch heute. "Das
Internet kommt immer wieder mit Entwicklungen, die die großen Massen nicht
vorhersagen können", erklärte Rastl am Dienstag bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit der Telekom Austria Group. Dementsprechend
futuristisch muten seine Zukunftsprognosen an: "Ich bin überzeugt, in
einigen Jahren wird jedes Auto eine Internetadresse haben." Auch
Telekom-Generaldirektor Hannes Ametsreiter sieht noch unübliche Verwendungen
wie eine Online-Verortung von Tieren oder ein "Internet der Dinge",
das Waggons mit ihrer Ladung verbinden könnte, auf Bevölkerung und
Wirtschaft zukommen.
Die Österreicher sehen einer marketmind-Umfrage zufolge ebenfalls große
Zukunftstrends vorher: 90 Prozent der 506 Befragten glauben an eine
virtuelle Partizipation an öffentlichen Prozessen und 67 Prozent an individuelles
TV via WorldWideWeb. 60 Prozent sehen das Internet künftig als primäre
und offene Wissensplattform und 40 Prozent als Ermöglicher virtueller
Einkaufszentren.
Derzeit schreite eine Demokratisierung des Internet voran, meinte
Ametsreiter. "Immer mehr machen mit, immer mehr werden Produzenten."
Die internationale Plattform "Facebook" zähle mittlerweile schon zwei
Millionen österreichische Teilnehmer und jeder dritte
Internetnutzer veröffentliche an verschiedenen Stellen pro Woche mindestens
fünf Online-Beiträge.
Die Bedeutung des ersten Einloggens ins WWW komme der Erinnerung an die
erste Mondlandung gleich, erklärte Ametsreiter. "Drei Viertel der
Österreicher denken voller Emotionen an den ersten Einstieg ins Internet
zurück." Punkto mobiler Internetnutzung sei die Alpenrepublik in
Europa mit einem Anteil von 13,8 Prozent mittlerweile führend, der
EU-Schnitt liege vergleichsweise bei 4,2 Prozent.
Zukunftsaussichten
Laut marketmind glauben und hoffen die
Österreicher auf eine Reihe von Internet-Anwendungsmöglichkeiten in
der Zukunft: 90 Prozent wollen eine aktive Mitbestimmung der Bürger bei
Stadtplanungen, mehr als 40 Prozent sehen im WWW künftig eine politische
Plattform zur Interaktion und Mobilisierung, beispielsweise für
Demonstrationen. Frauen zeigten sich in der Umfrage tendenziell
aufgeschlossener: Rund 56 Prozent wünschen sich Hologramme beim TV-Konsum,
demgegenüber beurteilten 40 Prozent der Männer eine solche Entwicklung als
positiv.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Meinungsführer und Nutzer der Generation
50 plus denken visionärer. Während die Allgemeinheit eine ständige
Erreichbarkeit eher fürchtet, sehen die Experten-User darin einen Vorteil
und wünschen sich ein mobiles Büro. Ein Viertel der Meinungsführer plädierte
in der Studie sogar für eine Verschmelzung von Freizeit und Beruf und einen
ersten Kontakt zu möglichen Beziehungspartnern per Internet. Persönliche
Treffen soll es demnach erst nach einer Online-Vorselektion geben. Zwei
Drittel der ältere Nutzer sehen das Internet in einer dominanten Rolle bei
der Freundschaftspflege und glauben verstärkt an Durchsetzung von digitalen
Büchern.
Spezielle Veranstaltung
Zum 20. Geburtstag des heimischen
Internet veranstaltet die Universität Wien gemeinsam mit
Kooperationspartnern wie der Telekom am 8. und 9. Juni eine zweitägige
Veranstaltung. Diese beschäftigt sich mit den Themen "20 Jahre
Internet Österreich" sowie "20 Jahre ACOnet Infrastruktur."