Augmented Reality: Wien ganz vorne

Geniale Handy-Software

© Screenshot: telepresenceoptions.com

Augmented Reality: Wien ganz vorne

Eine in Österreich entwickelte Technologie könnte mittelfristig auf einem großen Teil der weltweit verkauften Handys zu finden sein. Davon ist zumindest der US-Mobilfunkzulieferer Qualcomm überzeugt, der vor knapp einem Jahr die Forschungsabteilung des Wiener Unternehmens Imagination übernommen hat. Wie berichtet stattet Qualcomm zahlreiche atkuelle Smartphones mit bis zu einem GHz schnellen Prozessoren aus. In Kürze sollen die ersten Dual-Core-Chips folgen.

Augmented Reality
Konkret geht es dabei um "Augmented Reality" (AR) - also die Anreicherung der wahrgenommenen Realität mit digitalen Informationen - für mobile Endgeräte, auf die das aus dem Zukauf hervorgegangene "Qualcomm Austria Research Center" spezialisiert ist. Wer beispielsweise seine Handykamera auf ein Gebäude oder ein Produkt richtet, bekommt dabei zusätzliche Informationen eingeblendet.

Völlig neuer Ansatz
Im Gegensatz zu Anbietern wie der österreichischen Mobilizy - bekannt vor allem durch die Anwendung "Wikitude" - setze Qualcomm aber nicht auf ein System, das auf GPS, Kompass und Co. basiert, und somit vor allem den Aufenthaltsort berücksichtigt, sondern auf Bilderkennung. Gegenstände sollten also tatsächlich aufgrund ihres Aussehens identifiziert werden. Dadurch würde sich eine Fülle an Möglichkeiten ergeben, erklärte Michael Gervautz, Mitgründer von Imagination, der damals mit vier weiteren Mitarbeitern zum US-Unternehmen gewechselt ist, im Gespräch mit der APA.

Anwendungsfelder
Sehr interessant sei Augmented Reality beispielsweise für das Marketing und den Spielesektor. So habe man ein Pilotprojekt umgesetzt, bei dem aus einem Stück Papier dank AR ein virtueller Boxring werde, in dem die per Handy gesteuerten Roboter virtuell gegeneinander antreten. Anwendungsmöglichkeiten sieht Gervautz aber auch in der Medienbranche. Ein Blick durch die Handykamera auf einen bestimmten Artikel und schon startet ein Video-Beitrag zum Thema. "Print kann dadurch wieder mit Multimedia mithalten", erklärte Gervautz. Ein spannendes Thema sei auch die Gesichtserkennung.

Vorteile der neuen Technik
Standortbezogene Systeme seien hingegen eine "sehr einfache Technologie", "sehr ungenau", aber "für immobile Objekte gut geeignet". Bei der Suche nach Informationen zu einem Buch, das in einer Auslage stehe, könnten die GPS-Koordinaten allerdings nur bedingt nützlich sein, sagte der Chef des einzigen Forschungszentrums des US-Unternehmens in Europa. Qualcomm investiert mehr als 20 Prozent seines Umsatzes, der im Geschäftsjahr 2010 rund 8,4 Mrd. Euro betrug, in Forschung und Entwicklung.

"Wir sehen hier großes Potenzial. Forschung aus Österreich wird weltweit exportiert werden", gab sich auch Hamid-Reza Nazeman, Country Manager für Deutschland und Zentraleuropa, gegenüber der APA überzeugt. Mehr als 50 Prozent aller in Österreich verkauften Handys seien inzwischen Smartphones. Geräte, Netze sowie Infrastruktur würden nun bereit stehen, um entsprechende Anwendungen zu entwickeln.

Hoher Personalaufwand
Insgesamt arbeiten rund 200 Personen bei Qualcomm direkt und indirekt an der "erweiterten Realität", so Gervautz. In Österreich habe sich die Forscheranzahl mehr als verdoppelt. Aktuell sind noch sechs Positionen zu besetzen, was sich aufgrund des hohen Spezialisierungsgrades schwierig gestalten würde. Die Übernahme sei notwendig gewesen, um eine weltweite Vermarktung zu ermöglichen. Außerdem habe die Vielzahl an verschiedenen Handys und Betriebssystemen die Entwicklung erschwert. "Jetzt können wir für die Technologie die Hardware beeinflussen. Da geht an vielen Fronten was weiter", sagte Gervautz.

Basis
Qualcomm selbst bietet keine entsprechenden Programme an, sondern stellt den Entwicklern die Technologie in Form eines so genannten Software Development Kits - also einen Baukasten zum Basteln von Anwendungen (Apps) - kostenlos zur Verfügung. Der Gedanke dahinter: Je mehr interessante Apps es gibt, desto stärker steigt auf Kundenseite die Nachfrage nach Handys mit schnellen Prozessoren, da die Anwendungen eine hohe Rechenleistung voraussetzen. Und das kommt wiederum Qualcomm zugute.

Qualcomm hat die Forschungsabteilung der österreichischen Imagination Computer Services GesmbH im März 2010 für eine nicht genannte Summe übernommen. Interesse sollen auch der Suchmaschinenriese Google und der Elektronikkonzern Samsung gezeigt haben. Das US-Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2010 laut eigenen Angaben rund elf Mrd. US-Dollar (8,4 Mrd. Euro) umgesetzt und beschäftigt mehr als 15.000 Mitarbeiter.

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