Facebook-Jäger wird Weltstar

David gegen Goliath

© TZ Österreich / Bruna

Facebook-Jäger wird Weltstar

Er ist 23 Jahre jung, trägt seine Haare frech nach oben gegelt und ist drauf und dran, den Weltkonzern Facebook (50 Milliarden Dollar wert) in die Knie zu zwingen – und der größte Feind von Mark Zuckerberg zu werden.

Max Schrems, Jus-Student aus Wien, ist, wie berichtet, Facebook-Ankläger – und als solcher mittlerweile weltbekannt. Der Internet-Fan ist Mastermind einer zehnköpfigen Truppe, die als Gruppe „Europe against Facebook“ gegen die Plattform in den Gesetzesring steigt. Grund des Boxkampfes: Schrems & Co. sind nicht einverstanden, wie Facebook mit ihren Daten umgeht …

Studium in den USA
Begonnen hat alles im sonnigen Kalifornien: Während eines Auslandsaufenthalts beschäftigte sich Schrems näher mit dem System Facebook – und entdeckte schier Unglaubliches. Etwa, dass Facebook Daten von Usern über Jahre speichert – auch wenn sie schon ewig gelöscht wurden. Gestärkt durch sein juristisches Wissen wollte der Student das so nicht hinnehmen. Die Folge waren 22 Klagen bei der irischen Datenschutzbehörde, weil Facebook dort seine Europa-Aktivitäten über eine Tochter führt – und eine Betriebsprüfung bei Facebook!

Von Interview zu Interview
Schließlich forderte er das soziale Netzwerk auf, ihm alle seine persönlichen Nutzerdaten herauszugeben – und er blieb hartnäckig. Irgendwann lagen CDs mit seinen Privatdaten im Postkasten – ausgedruckt 1.200 (!) A4-Seiten. Der Beweis, was Facebook alles speichert.

Jetzt führt Schrems beinahe das Leben eines Stars. Er schaffte es auf die Seite 1 der auflagenstarken Bild Zeitung, auch Spiegel, Focus und die FAZ berichteten über seine Initiative – Bekanntheit, die ihm so gar nicht recht zu sein scheint. „Ich bin froh, wenn der Rummel vorbei ist, aber es geht darum, etwas zu verbessern.“ Seinen Facebook-Account hat Schrems behalten –vorerst.

"David gegen Goliath"

ÖSTERREICH: Herr Schrems, sind Sie selbst eigentlich noch bei Facebook, obwohl Sie die Plattform wegen Datenschutzpannen kritisieren?
Max Schrems: Ja, ich bin noch bei Facebook und habe meinen Account nicht gelöscht. Es geht darum, dass man verbessern muss und nicht verweigert, indem man sich einfach abmeldet.

ÖSTERREICH: Was kritisieren Sie konkret?
Schrems: Uns missfällt die automatische Speicherung von Daten, die eigentlich schon gelöscht worden sind. Nachdem deutsche Medien darüber berichtet haben, bekam Facebook pro Tag Hunderte Anfragen von Usern – die kommen gar nicht nach. Das ist ja eigentlich absurd, dass ein Großkonzern das nicht schafft.

ÖSTERREICH: Wie gehen Sie mit dem Hype um Ihre Person und dem Interesse an Ihrer Facebook-Rebellion um?
Schrems: Ehrlich gesagt, ich bekomme das alles gar nicht so mit. Das ist für uns alle natürlich überraschend. Ich will, dass das Thema groß bleibt. Aber selbst will ich gar nicht im Mittelpunkt stehen. Ich bin froh, wenn der Rummel wieder vorbei ist.

ÖSTERREICH: Wie stehen Ihre Chancen gegen Facebook?
Schrems: Es ist natürlich ein Kampf „David gegen Goliath“. Seit etwa fünf Jahren reden die Leute, dass mit Facebook etwas nicht stimmt. Viele User diskutieren darüber, aber niemand tut etwas. Eigentlich ist das ja Aufgabe der Behörden.



 

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