"Nacktsein war nie ein Problem
"Welt am Sonntag": Diese Woche schmücken Sie das
Cover der deutschen „Vogue“: splitternackt und kugelrund! So sinnlich,
sexy, frivol hat man Sie nie gesehen. Claudia Schiffer:
Es stimmt schon, ich bin heute viel selbstsicherer, auch durch meine
Kinder, meinen Mann. Ich weiß, was ich mache, was ich will, ich habe
die Kontrolle über mich selbst – ein gutes Gefühl. Ich habe nie ein
Geheimnis daraus gemacht, dass ich schüchtern war, mit 30 noch.
Wobei, ich war innerlich gehemmt, aber nie körperlich verklemmt. Mit
dem Nacktsein vor der Kamera hatte ich nie ein Problem, vielleicht
auch, weil wir zu Hause ganz natürlich aufgewachsen sind. Nein,
prüde war ich nie.
Welt: Wie erklären Sie Ihrem Sohn
Caspar (7), dass sich seine Mutter in Magazinen auszieht? Schiffer:
Gar nicht. Caspar geht in die Schule und die Mami, die geht halt
Fotos machen. Wenn er jetzt die „Vogue“ bei uns sieht, wird er
wahrscheinlich sagen, ach, guck mal, Mami, da sieht man noch deinen
Bauch mit dem Baby drin. (...) Meine Tochter Clemmie interessiert
das alles natürlich viel mehr, wenn hier ständig Taschen oder
Couturekleider für Anproben ankommen oder neues Make-up. Sie möchte
alles ausprobieren. (...) Ab und zu, wenn ich eine Maniküre
habe, darf sie sich auch mal die Nägel lackieren lassen. Aber das
ist dann eine absolute Ausnahme. Ich achte schon darauf, dass die
Kinder nicht verwöhnt sind. In der Schule tragen sie ja Uniform, und
ich bin heilfroh darüber. Gerade weil sie den ganzen Modezirkus
durch meinen Job mitbekommen, finde ich es gut, dass sie in der
Woche aussehen wie alle Kinder. Das bewahrt noch so eine Unschuld.
Welt:
Ist man das Modeln nach über 20 Jahren nicht auch mal leid? Schiffer:
Klar, diese Phasen gab’s auch. Ich hatte mal ein Burn-out, mit
Anfang 30, da habe ich so viel gearbeitet. Ich war erschöpft,
einfach ausgepowert. (...) Ich merkte, ich muss mal eine Pause
machen, an einem Ort bleiben, Freunde sehen. Das habe ich dann auch
getan – und meinen Mann kennengelernt. Mit ihm hatte ich zum ersten
Mal ein richtiges Leben. Als Mutter heute genieße ich es, wenn ich
mal wieder rauskomme für einen Job. Ich muss nichts mehr beweisen,
ich mache es aus Lust.
Welt: Können Sie streng sein? Schiffer: Ich bin mittelmäßig.
Ich kann schon auch mal lauter werden und schimpfen, wenn ich müde
bin und die mit mir den Molli machen.
Welt: Den Molli
machen? Schiffer: Das sagen wir am Niederrhein, wenn sie einfach
nicht gehorchen und machen, was sie wollen. Aber wir haben so eine
„naughty corner“, eine Ecke in der Küche für Ungezogene. Da kann man
dann schmollen für fünf Minuten, und wenn man sich beruhigt und
entschuldigt hat, ist alles wieder gut.
Welt: Man sieht
Ihren Mann nie. Schiffer: Er begleitet mich schon oft, aber er
hält sich dann im Hintergrund.(...) Wir respektieren gegenseitig
unseren Raum. Außerdem ist er zurückhaltend wie ich. Er hat auch
nicht diesen Geltungsdrang.
Welt: Es heißt, er läuft
neuerdings nur noch mit Flinte durch Ihren Garten...? (Anm.: Bei den
Schiffers wurde vor Kurzem eingebrochen.) Schiffer: Haha, ach,
nein, das muss er auch gar nicht. Wir haben ja unsere Gurkhas. Das
ist eine besondere Militäreinheit der Queen. Es sind ganz, ganz
tolle, liebe Menschen, die dafür bekannt sind, die härtesten
Soldaten zu sein. (...) Und jetzt passen sie ein bisschen auf.
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